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Gastronomie in Krefeld: „Die Leute sind noch ängstlich“

Gastronomie in Krefeld : „Die Leute sind noch ängstlich“

Die Menschen wissen noch nicht so richtig, wie sie mit der zurückerlangten Freiheit umgehen sollen. Sterilität, Distanz und Gemütlichkeit mit Herzlichkeit – das passt nicht so richtig zusammen.

Dimitra Moschopoulos sitzt im Biergarten ihres Lokals „Falkenstein“ an der Hafelsstraße in Fischeln. Ein Gast hat ihr gegenüber Platz genommen. Er hat sich Essen bestellt, nimmt es gleich mit nach Hause. Sonst ist noch niemand da am frühen Dienstagabend. Für 110 Gäste wäre genügend Raum innen und außen, am Montag kamen erst einmal 17 vorbei. „Die Leute sind noch ängstlich“, sagt sie. Der Familienbetrieb hielt die Geschäfte auch in den vergangenen Wochen am Laufen. Die griechischen und internationalen Spezialitäten wurden nach Hause geliefert. Von dem Angebot machen auch nach der Wiedereröffnung am Montag noch einige Gäste Gebrauch.

Ein Mann mit Kind betritt mit Mundschutz das Lokal, gibt eine Bestellung auf, verschwindet wieder. Neben ihm ein Spender für Handdesinfektion und eine Liste, in der sich die Gäste für die Behörden eintragen müssen, um Kontaktketten besser verfolgen zu können. „Viele wollen sich auch gar nicht eintragen lassen“, sagt die Geschäftsführerin Moschopoulos. Sogar ein Stammgast habe ihr deswegen schon abgesagt. Das Desinfektionsmittel werde zudem immer teurer, dann das Ganze mit dem Abstandhalten und so weiter. Ein bisschen verzagt klingt sie schon. „Ich weiß es auch nicht“, sagt sie. Es wirkt heute alles mit den Vorschriften und Hygienemaßnahmen eben nicht gerade einladend, dabei ist „Falkenstein“ ein traditionell eingerichtetes Lokal, sauber, gepflegt auf den ersten Blick. Doch die Menschen sind noch verhalten. Sie wissen noch nicht so richtig, wie sie mit der zurückerlangten Freiheit umgehen sollen. Sterilität, Distanz und Gemütlichkeit mit Herzlichkeit – das passt nicht so richtig zusammen.

Am Tisch dürfen die Gäste den Mundschutz ablegen

In der Innenstadt ist zwar etwas mehr los in den Straßen, doch von einer Normalität noch keine Spur. „Wir zeigen ihnen ihren Platz“ steht auf einem Schild am Eingang des „Café Inn“. Eine Kellnerin mit Mundschutz sprüht gerade Tische und Bänke ab. Einige Besucher sind gekommen. Am Eingang wurden sie abgeholt, an ihren Platz geführt, füllen dort das Formular aus. Am Tisch darf man seine Maske ablegen. Durch die Abstandregel aber bleiben auch viele Tische leer. 40 Prozent weniger Sitze, so sagt es Mitinhaber David Rizzo. An Desinfektionsmittel mangelt es seinem Laden nicht. Menükarten, Aufsteller, alles muss ständig gereinigt werden.

Auch Rizzo glaubt: „Es ist noch eine gewisse Angst im Spiel. Die Gäste sind vorsichtiger geworden. Sie müssen erst einmal ihre Hemmschwelle verlieren. Die Leute gehen ja nur noch gezielt raus, zum Einkaufen oder so.“ Der Umsatz am Dienstag war schon besser als am Montag. Doch die alten Zeiten sind auch im „Café Inn“ noch weit weg. Den Kontakt zum Gast beschreibt Rizzo als „distanziert“, was wohl den Punkt annähernd trifft. Kellner tragen Mundschutz, sollen nach Möglichkeit nicht reden. Es ist wohl das, was Antonios Arabatzis, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Krefeld, als „kalte Atmosphäre“ beschreibt, wenn er auf die Gastronomie und die Hygienemaßnahmen im Allgemeinen zu sprechen kommt. Er drückt die Sorgen seiner Kollegen mit Worten aus, die eine Krisenstimmung ausmachen: „Es lief sehr schleppend an. Es sieht nicht gut aus. Wir haben zwar wieder etwas Umsatz, aber auch mehr Kosten.“ Arabatzis rechnet in Krefeld mit einem Umsatzrückgang von 50 Prozent, im Vergleich mit der Vor-Corona-Zeit.

Im „Cafe Del Sol“ an der Violstraße ist am frühen Dienstagabend auch eher verhaltener Betrieb. Eine Mitarbeiterin steht mit Mundschutz und einem Stapel Formulare vor der Tür. Jeder, der eintreten will, wird registriert, wie überall mit Uhrzeit und Verweildauer. Daneben eine Tafel: „Schön, dass Sie wieder da sind. Wir haben Sie vermisst.“ Auch Betriebsleiterin Nadine Gräfe beobachtet eine Zurückhaltung bei den Gästen: „Die Skepsis ist noch da.“ 80 Prozent der Gäste hätten aber Verständnis für die Regelungen, aber einige sagten auch: „Wie? Mit Maske ins Restaurant?“ Dienstag sei die Zahl der Reservierungen schon gestiegen im Vergleich zum Montag.

Das Wochenende soll mehr Kundschaft bringen, so hofft Gräfe. Zeitungen dürfen nicht mehr ausliegen, keine Kugelschreiber. Auch hier gibt es eine Ansteckungsgefahr. „Es ist sinnig, die Dinge anlaufen zu lassen und Infektionsherde einzudämmen“, sagt Gräfe: „Niemand will wieder schließen müssen.“ Sonst, so befürchtet auch Antonios Arabatzis, „würden es viele Betriebe nicht mehr schaffen.“