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G 8: „Die Last ist zu groß“

G 8: „Die Last ist zu groß“

Krefelder Gymnasien wollen beim Turbo-Abi bleiben. Aber sie sehen Mängel.

Krefeld. Der Streit ist neu entfacht. Sollen Jugendliche nach acht oder neun Jahren am Gymnasium (G 8 oder G 9) ihr Abitur machen? Der Stress für Mädchen und Jungen mit dem Turbo-Abi sei zu groß, sagen die Verfechter von G 9. Doch das größere Problem ist die Sprunghaftigkeit der Zuständigen, sagen die Schulleiter. Sie wollen endlich Ruhe an der Front. „Die Direktoren möchten G 8 behalten, aber die Mängel in diesem System beseitigt wissen, um die Last für die Schüler zu reduzieren“, sagt Horst Obdenbusch, Sprecher der Krefelder Gymnasial-Direktoren.

Ein Zeichen, dass die Schulleiter der Gymnasien in der Stadt weiterhin die G 8-Regelung befürworteten, sei darin zu sehen, dass kein Krefelder Gymnasium am NRW-Testversuch „Zurück zu G 9“ teilgenommen habe, so der Sprecher.

Dennoch: „G 8 oder G 9 ist derzeit das Hauptthema bei den Schulpflegschaftssitzungen. Es wird diskutiert, aber ohne klare Mehrheiten“, erklärt Obdenbusch. „Denn keiner weiß wirklich, was es bedeutet, zum alten System zurückzukehren. Es wird auf jeden Fall nicht das alte G 9 sein.“ Beispiel: „Früher wurde die zweite Fremdsprache in der siebten Klasse eingeführt, mit dem Turbo-Abi ist es in der sechsten. Die Schüler müssen sich früh entscheiden, ob sie Latein oder Französisch wählen möchten, dabei sind ihre Grundkenntnisse in Englisch noch nicht konsolidiert. Dieser Wahltermin wird auch so bleiben.“

Der Direktor fordert, dass die Lehrinhalte des G 8-Abis verschlankt werden, ohne die Ziele des Gymnasiums zu vernachlässigen. So könnten die Schüler entlastet werden: „Müssen wir wirklich explizit die Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit durchnehmen, um zu wissen, dass sich der Mensch in seiner Entwicklung verbessert hat?“, nennt er ein Beispiel.

Nachgebessert werden müssten ebenso die Verteilung der Fächer und die Belegpflicht. „Müssen in der neunten Klasse alle Fächer, die in der Oberstufe vorkommen, unterrichtet werden?“ So kämen die jungen Leute auf unglaubliche 36 Wochenstunden. „Ist das sinnvoll?“ Es gibt Fächer, die man nicht bis zum Abi durchziehen müsse, weil dort Inhalte gelehrt würden — wie beispielsweise Quellenkunde und die Auseinandersetzung mit Texten — es ebenso in anderen Fächern gebe. Nur dann werde G8 erträglich.

Er hält auch ein Umdenken von Unternehmens-Führungen und Uni-Professoren für wichtig. „Sie wollen keine Abstriche ans Abitur machen und möchten das alte in kürzerer Zeit.“ Es werde hier gerne der Vergleich mit anderen Ländern herangezogen. Aber: „Die anderen können mit dem Zeugnis der Reife auch weniger und studieren trotzdem. Die Unis müssen akzeptieren, dass Schüler mit einem anderen Wissensstand kommen. Die Last muss reduziert werden.“

Ein letzter Aspekt: „An den Gesamtschulen mit G 9 ist die regelmäßige Unterrichtsdauer bis 16 Uhr kein Problem. An Gymnasien ist das ganz anders. Hier betreiben die Schüler wohl eine andere Freizeitgestaltung.“