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Für die Krefelder Drogenszene soll es einen Druckraum geben.

Drogenszene : Krefeld: Konsumraum statt Treffpunkt am Theaterplatz?

Die Politik will einen Konsumraum für die Drogenszene, die Verwaltung auch. Eine mobile Variante wird favorisiert.

Wenn Andreas Drabben über einen Drogenkonsumraum für Krefeld spricht, kann er nur mit dem Kopf schütteln. Schon als Mitglied der Jungen Union hatte er das Thema auf dem Schirm, dann aber liegen lassen“, erinnert der heutige Sprecher der UWG Krefeld. Das war 2000. „Die damaligen JU-Kollegen sitzen heute im Rat, im Landtag und sogar im Bundestag.“ Und auch der frühere OB Gregor Kathstede habe das Problem nicht gelöst. Drabbens Versuch mit einem entsprechenden Antrag im April 2016, für die Drogenszene einen sicheren Anlaufpunkt und für den Theaterplatz etwas Entspannung zu garantieren, sei im Sande verlaufen. Jetzt komme OB Meyer um die Ecke mit einem Sicherheitskonzept für den Theaterplatz. Inklusive Druckraum. Endlich Bewegung? Drabben hofft es.

Erstmals fraktionsübergreifende Zustimmung vorhanden

Tatsächlich lassen die Reaktionen aller Fraktionen hoffen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Benedikt Winzen betont, „dass ein hohes Maß an Sicherheit und Sauberkeit ausschließlich über sich ergänzende ordnungs- und sozialpolitische sowie präventive Maßnahmen erzielt werden kann“. Seine Fraktion fordere seit längerem,  „die Einrichtung von Drogenkonsumräumen in Abstimmung mit den örtlichen freien Trägern und unter Einbeziehung von Erfahrungswerten aus anderen Kommunen zu überprüfen.“ Das könne aber nur „ein Baustein“ von Maßahmen wie der aufsuchenden Sozialarbeit und der Aufstockung der Streetworker sein.

„Wir stehen den Dingen prinzipiell positiv gegenüber“, sagt CDU-Chef Philibert Reuters. Das Thema sei lange  „sehr ideologisch angepackt“ worden. Es habe da eine „innige Missachtung der beteiligten Personen“ in der Politik gegeben. Jetzt gebe es einen „Geist der Konstruktivität“ seit der letzten Kommunalwahl und eine „Weiterentwicklung“ in der eigenen Fraktion.  „Wenn man öffentliche Ordnung erreichen will, muss man Menschen helfen, die stark auf den Theaterplatz konzentriert sind und ihnen Alternativen bieten.“ Dazu brauche es Geld und eine langfristige Finanzierung.

Die FDP sei bereit, „über jede Option zu reden“, sagt ihr Fraktionsvorsitzende Joachim C. Heitmann.  Bislang habe man einen solchen Raum abgelehnt. „Man sollte sich aber keine Denkverbote auferlegen.“ Ein fester Raum am Theaterplatz sollte es nicht sein. „Das stigmatisiert den Platz.“ Und man solle genau definieren, „wen man mit dem Drogenkonsumraum erreichen will.“ Zustimmung kommt auch von den Grünen. „Drogenkonsumraum ja, aber genau hinsehen und das gesamte Begleitprogramm erhöhen“, lautet die Formel von Fraktionschefin Heidi Matthias. Ein solcher Raum sei für den Konsum besser, als das dieser sich in  den Aufgängen der Tiefgarage vollzieht.

Die Linke als Gruppe im Rat habe seit 2010 einen Drogenkonsumraum befürwortet, sagt deren Fraktionsgeschäftsführer Wolfgang Dresen. In anderen Städten sehe man, wie sinnvoll so ein Raum sei. Er befürwortet sogar die Idee eines ganzheitlichen Drogenkonsumhauses, dass auch „psychologische und sozialen Beratung“ ermöglicht.

Thomas Visser zieht sich den Schuh als Beigeordneter der sogar selbst an. „Da ist jahrelang mit dem Finger auf andere gezeigt worden - von den Sozialleuten zu den Planungsleuten und zur Ordnungspolitik.“ Es gebe jetzt eine Struktur mit der Politik und den Verbänden, „wo wir das nicht gelöst voneinander diskutieren“. Das favorisierte Modell sei ein „mobiler Drogenkonsumraum, weil es viele Brennpunkte in der Stadt gibt.“ So käme man besser an die Betroffenen ran.

Spätestens im ersten Quartal nächsten Jahres soll darum ein in sich stimmiges Konzept vorliegen.