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Frühchen in Krefeld chillen mit smartem Stoff​

Textile EKG-Elektroden : Frühchen chillen mit smartem Stoff

Eine spezielle Hängematte für Frühchen soll ihnen den Start ins Leben erleichtern. Auf der Krefelder Frühchenstation kommt der spezielle Stoff zum Einsatz - wie er funktioniert.

Mehr Komfort für Frühchen: NeoSmartNest heißt das EFRE-geförderte Projekt der Düsseldorfer Firma Kluba Medical GmbH. Dieses hat das Ziel, die Lagerung und Vitalparametersensorik von Frühgeborenen entwicklungsfördernd zu verbessern. Federführend dabei ist die Krefelder Ärztin Björna Althoff. „Frühgeborene erleben auf der Intensivstation im Inkubator eine ganz andere, stressfördernde Umgebung als ihre Altersgenossen im Mutterleib. Viele Kabel erschweren das Handling und die Eltern-Kind-Bindung, Standard-Vitalparameter-Sensoren führen zu Druckstellen oder beim Entfernen von Klebeelektroden von der dünnen Haut zu großen Hautverletzungen mit schlimmen Folgen“, sagt Althoff, die auch als Parteilose für die Grünen im Krefelder Stadtrat sitzt.

Sie hat eine höhenverstellbare Hängematte für den Aufbau im Inkubator oder Wärmebett mit aktiver Bewegung und der Funktion eines textilen Tablets zum sanften Umpositionieren erfunden. Die Hängematte dient neben der sensomotorischen Förderung und Stressreduktion dazu, einen Kontakt von Vitalparametersensorik zur Rückenhaut herzustellen. Die Schnittstelle zum Datentransfer und zur Stromversorgung findet über Druckknöpfe versteckt im Griff der Hängematte statt. Die Erfindung ist beim Europäischen Patentamt eingereicht.

Für die weltgrößte Medizinmesse Medica arbeitete die Kluba Medical mit mehreren Unterauftragsnehmern in einem sportlichen Endspurt daran, einen ersten Prototypen zu präsentieren. Das Unternehmen Batch One leistete die Ingenieursarbeit für das Gestell und den Motorantrieb; Milani Wild Design arbeitete das Design aus. Kluba Medical fand auch in Krefeld Partner mit der ZSK Stickmaschinen GmbH für die Entwicklung spezifischer hydrophiler textiler EKG-Elektroden und mit OceanSafe, Gewinner des Krefelder Wirtschaftspreises, für die nachhaltigen und schadstofffreien textilen Materialien.

Die besonders weichen EKG-Elektroden haben textile Leiterbahnen, die versteckt im Inneren der Hängematte verlaufen und auch an handelsübliche EKG-Endgeräte angeschlossen werden können. „Wir sind stolz, dass unsere Sticktechnologie für die allerkleinsten und verletzlichsten Patienten solch eine Komfortverbesserung darstellen kann“, freut sich Melanie Hoerr, Managerin der technischen Sticktechnik und Smart Textiles bei ZSK. „Neben der EKG-Sensorik steht noch die Entwicklung und Integration weiterer Sensoren für die Körpertemperatur und Sauerstoffsättigung an. Auch die klinische Testung muss noch erfolgen“, erklärt Althoff.

(red)