Friedfertigkeit von Hunden wird getestet

Friedfertigkeit von Hunden wird getestet

Trainer Christian Hackl ist Sachverständiger nach dem Landeshundegesetz – seine Empfehlung bestimmt, ob das Tier ohne Maulkorb und Leine frei laufen darf.

Krefeld. Daniela Zellner ist total nervös. Ihr achtjähriger Rottweiler Iman wartet im Auto auf seinen großen Moment. "Ich kenne meinen Hund, und er ist so ein liebes Tier", sagt sie. "Aber dieser Tag entscheidet über sein weiteres Leben."

Wenn Iman den nun anstehenden Wesenstest nicht besteht, muss er draußen immer mit Leine und Maulkorb unterwegs sein. "Und das fänden wir beide nicht gut." Gelebt hat Zellner nämlich bis vor kurzem in Baden-Württemberg "und dort stehen Rottweiler nicht auf der Liste der gefährlichen Hunde. Er ist deshalb keinen Maulkorb gewohnt."

Christian Hackl, Gründer und Inhaber der Hundeschule Dog Hackl Krefeld, kurz DHK, ist seit Anfang des Jahres staatlich anerkannter Sachverständiger nach dem Landeshundegesetz Nordrhein-Westfalen. Er entscheidet über das zukünftige Lebensgefühl von Hund und Halterin.

"Meine Helfer und ich werden heute alltägliche Situationen nachstellen und überprüfen, wie sich Iman verhält", erklärt der 33-Jährige, der seit elf Jahren als Hundetrainer arbeitet. "Der Test ist fair und realitätsgetreu. Ich trieze die Hunde nicht bis zum Äußersten."

Hackl trainiert regelmäßig mit Problemhunden im Tierheim Gelsenkirchen, um ihre Chance auf ein neues Zuhause zu erhöhen. Er weiß: "Wie ein Hund ist, liegt nicht an der Rasse, die ist völlig egal. Es liegt nur am Halter."

Der Wesenstest besteht aus zwei Teilen. Im ersten geht es um die Maulkorb-, im zweiten um die Leinenbefreiung. "Wir werden sehen, ob Iman seiner Halterin gehorcht und wie er sich bei Kontakt mit Menschen verhält", sagt Hackl. "Die Frage ist: Ist der Hund kontrollierbar?"

Einen gefährlichen Eindruck macht der Rottweiler nicht, als er aus dem Wagen springt. Er wedelt mit dem Schwanz, kuschelt sich an sein Frauchen und beschnuppert alle freundlich.

Auch die einzelnen Übungen meistert er mit Bravour, obwohl ihm anzusehen ist, dass er nicht so wirklich weiß, was er hier soll.

Aber Iman macht jeden Spaß mit: Er läuft brav bei Fuß, versteht sich mit den Testhunden Emma, Lilly und Lucky gut, bleibt selbst dann liegen, als sich sein Frauchen hinter dem Bauwagen versteckt, und knurrt nur leise, als eine der Helferinnen ihn erst fixiert und dann ausschimpft. "Er darf das, er ist ein Hund", beruhigt Trainer Hackl Daniela Zellner.

Auffällig ist: Iman ist komplett auf sein Frauchen fixiert, lässt sie nicht aus den Augen, auch wenn sich die anderen Menschen noch so verrückt benehmen. Jogger, Schirme, Babys und Betrunkene - mit allem, was einen Hund aus der Ruhe bringen könnte, wird er konfrontiert.

Die Erleichterung nach der halbstündigen Prüfung ist groß. Der Rottweiler hat mit Bravour bestanden. "Wieder einer frei", freut sich der Hundetrainer und schmust ausgiebig mit seinem Prüfling.

Christian Hackl wird jetzt eine Empfehlung aussprechen, das Ordnungsamt stellt die entsprechenden Bescheinigungen aus. Iman hat damit die gleichen Rechte wie Golden Retriever, Dackel und Chihuahua.

"Man glaubt es kaum, aber vor allem viele kleine Hunde hätten die Übungen nicht so vorbildlich gemeistert", sagt der Hundetrainer ernst.

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