1. NRW
  2. Krefeld

Forstwalder trotzen den Nachwuchssorgen

Forstwalder trotzen den Nachwuchssorgen

14 Tischtennis-Clubs im Kreis stellen kein Jugendteam. Doch beim SV Blau-Rot kommen mehr als 40 Talente regelmäßig zum Training.

Forstwald. Ein lautes Klicken erfüllt die Sporthalle in Forstwald. Das markante Geräusch stammt von dutzenden weißen Tischtennisbällen und wird unregelmäßig von quietschenden Turnschuhen und Anfeuerungsrufen unterbrochen.

Es ist Samstag — Heimspieltag für die Jugendlichen des SV Blau-Rot Forstwald. Zusammen mit Gästen aus Hüls, Königshof und Meerbusch sind rund 100 Menschen in die Halle am Bellenweg gekommen. Auf der gesamten Hallenfläche stehen Tische, an denen Jugendliche in hohem Tempo Kunststoffbälle über das Netz jagen. Eltern und Betreuer, die auf Schulbänken Platz finden, feuern die Kinder an. An einem Stand gibt es Kuchen und Getränke.

Einer der Jugendlichen im Forstwalder Trikot ist Johann Kopp. „Tischtennis ist cool. Man bewegt sich viel, jeder spielt ganz anders. Das wird nie langweilig“, sagt der Neunjährige. Dann läuft er schnell wieder zurück zu seiner Mannschaft. Für Mutter Petra ein gewohntes Bild: „Er kann es immer kaum erwarten, in die Halle zu kommen, Tischtennis zu spielen.“ Für sie ist der Sport ein wichtiger Ausgleich zu Schule und Computer. Petra Kopp, ihr Mann und Johanns älterer Bruder spielen ebenfalls aktiv im Verein. Neben Johanns Mannschaft hat der Forstwalder Verein für die laufende Saison acht weitere Nachwuchsmannschaften gemeldet. Mehr als 40 Jugendliche kommen regelmäßig zum Training, das durch mehrere ausgebildete Übungsleiter organisiert wird. Diese stammen oft aus dem eigenen Nachwuchs.

Das Gewusel in der Sporthalle Bellenweg ist ein seltenes Bild im Tischtennis-Kreis Krefeld. In den vergangenen Jahren gingen die Meldungen für den Schüler- und Jugendbereich stetig zurück. 106 Jugendmannschaften waren in der Saison 2009/2010 gemeldet gewesen, 2016/2017 waren es noch 74. Obwohl der Trend in dieser Saison mit 79 Mannschaften wieder leicht positiv ist, stellen von den insgesamt 38 am Spielbetrieb teilnehmenden Vereinen 14 keine Mannschaft mehr im Nachwuchs.

Frank Kotira, stellvertretender Kreisjugendwart, führt die Nachwuchssorgen vieler Vereine auf die Außenwahrnehmung des Sports zurück: „Tischtennis ist eine Randsportart. Wir müssen zeigen, dass es sich nicht nur um einen Freizeit-, sondern auch um einen Wettkampf- und Vereinssport handelt.“ Um dies zu erreichen, möchte er den Sport erlebbarer machen. Und das nicht nur durch mediale und digitale Angebote. Kotira sagt: „Wir müssen die Leute in die Halle bringen, damit sie Tischtennis live sehen.“ Als weiteren Grund für den Rückgang der Jugendmannschaften sieht er gesellschaftliche Veränderungen: „Die Kinder sind durch Schule und vermehrte Freizeitangebote so eingebunden, dass für Sport im Verein immer weniger Zeit bleibt.“

Ähnliche Beobachtungen macht auch Stephan Gerhards, Jugendwart in Forstwald: „Neue Jugendliche anzusprechen ist schwierig. Wir konkurrieren mit einer Vielzahl an Freizeitangeboten.“ Als bestes Mittel, um die Kinder an den Tisch zu bekommen, hat sich für ihn Mund-zu-Mund-Propaganda herausgestellt. „Wir sagen gerade den kleinen Kindern, dass sie ihre Freunde mit zum Sport bringen sollen“, sagt Gerhards.

Neben der persönlichen Ansprache spielen für ihn der Rückhalt im Team und in der Familie eine wichtige Rolle: „Wenn die Kinder als Gruppe zusammenhalten und von den Eltern unterstützt werden, können wir sie auch langfristig für den Sport begeistern.“

Seine Strategie scheint zu funktionieren: Die Kinder haben Spaß am Sport, bleiben dem Verein treu.