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Fluglärm-Ärger in Krefeld: Diese Gebiete sind besonders betroffen

Fluglärm : Fluglärm-Ärger in Krefeld: Diese Gebiete sind besonders betroffen

Der Lärm durch Flugzeuge in der Region um den Düsseldorfer Flughafen hat zugenommen. Auch in Krefeld beklagen das Anwohner – zudem bereiten Pläne des Airports Sorgen.

Der nächtliche Lärm durch verspätete Starts oder Landungen am Düsseldorfer Flughafen ist 2018 auf Rekordniveau gestiegen. Dies war erst jüngst Thema einer Expertenanhörung im Landtag. Den internationalen Tag des Lärms hat deshalb jetzt die „Bürgerinitiative gegen Fluglärm“ zum Anlass genommen, auf diesen Skandal, wie sie es nennt, aufmerksam zu machen. Ist davon auch Krefeld betroffen?

„Für Anwohner unter dem Landeanflug liegt die lauteste Stunde derzeit zwischen 22 und 23 Uhr, also in der Nachtzeit. Wie sollen insbesondere Kinder da genügend Schlaf bekommen?“, fragt die Initiative. Davon wolle aber niemand wirklich hören. Nicht umsonst habe die Bürgerinitiative daher die Aktion gestartet: „Um 22 Uhr muss Schluss sein!“

Besonders der Westen
und Süden sind betroffen

Vom Fluglärm sind in Krefeld vor allem der Westen und (deutlich seltener) der Süden betroffen. Allerdings nicht bei Landungen, sondern bei Starts. Denn die Abflugroute Modru 6T befindet sich im Krefelder Westen, Netex reicht von Fischeln im Süden ebenfalls Richtung Nordwesten. Über letztere werden aber nur zwei Prozent der Flüge abgewickelt.

Der Bürgermeister der Krefelder Nachbarstadt Tönisvorst, Thomas Goßen, ist seit 2005 Mitglied der Fluglärmkommission und seit sechs Jahren ihr Vorsitzender. In dem Gremium können sich Vertreter der anliegenden Gemeinden des Flughafens in die Debatte einbringen. Krefeld ist hier durch den Beigeordneten Thomas Visser vertreten. „Wir arbeiten gut zusammen und stimmen uns ab“, betont Thomas Goßen.

„Strukturelles Problem
am Düsseldorfer Flughafen“

Die von der Bürgerinitiative angesprochen Verstöße gegen das Nachtflugverbot nennt Goßen „ein strukturelles Problem“, das es schon seit Jahren gebe: Der Düsseldorfer Flughafen sei „Verspätungsweltmeister in Deutschland“, die Ausnahmen durch Verstöße gegen das Nachtflugverbot seien längst zum Regelfall geworden. Verspätungen würden von den Fluggesellschaften bewusst in Kauf genommen, denn diese planten möglichst viele Umläufe ihrer Linienmaschinen ein, um mehr Geld verdienen zu können.

„Der Flughafen soll ja florieren“, stellt Goßen klar. Aber es müsse einen Ausgleich der verschiedenen Interessen geben. Das Nachtflugverbot zum Schutz der Anwohner sei dazu ein wichtiger Bestandteil. Er betont, dass mit Hendrik Wüst erstmals ein NRW-Verkehrsminister erkennbar aktiv werde, um das Lärm-Problem in den Griff zu bekommen.

Besagtes Problem betrifft Krefeld vor allem durch die Route Modru 6T. „Rund 25 Prozent des Düsseldorfer Abflugverkehrs gehen darüber“, sagt Thomas Goßen. Die Nutzung hängt von der Windrichtung ab. Denn: Flugzeuge starten und landen grundsätzlich gegen den Wind.

Die Maschinen, die zum Beispiel in Richtung Kanaren oder London starten und Kurs auf Belgiern nehmen, sind in Höhe von Willich weniger als 2000 Meter hoch, zwischen Krefeld und Tönisvorst sind es etwa 2500 Meter. Damit liegt Krefeld außerhalb der Lärmschutzzonen – die Anwohner haben somit auch keinen Anspruch auf einen Schallschutz an ihren Gebäuden.

Trotzdem fühlen sich Krefelder wie auch Tönisvorster Bürger auch immer wieder von startenden Maschinen massiv gestört, berichtet Goßen: „Ihnen ist der Flieger dann zu niedrig und zu laut.“ Vor allem, wenn man davon an einem Wochenende im Sommer um 7 Uhr am Morgen aus dem Bett geworfen werde. Wenn solche Beschwerden bei ihm auflaufen, empfiehlt Goßen den Betroffenen, dies mit Uhrzeit und Datum genau aufzuschreiben. Dann könne später nachvollzogen werden, um welches Flugzeug es sich handelte. Denn alle Flüge werden exakt dokumentiert. Lärmmess-Stationen befinden sich allerdings nicht in Krefeld. Die nächstgelegenen sind in Lank-Latum, Kaarst und Neuss.

Wie sieht die Zukunft aus? In der zweiten Jahreshälfte wird sich die Lärmschutzkommission verstärkt mit den Auswirkungen der Digitalisierung im Luftverkehr beschäftigen, kündigt Thomas Goßen an. Ob die höhere Präzision bei der Einhaltung der Flugrouten zum Beispiel eine Mehrbelastung an bestimmten Stellen mit sich bringt, müsse geklärt werden.

Außerdem hat der Düsseldorfer Flughafen beantragt, dass er die Anzahl der Starts und Landungen, die über die Betriebsgenehmigung geregelt wird, deutlich ausdehnen darf. Auch auf der Modru-Route wären dann 10 bis 30 Prozent mehr Flugzeuge zu erwarten.

Nach Angaben von Goßen ist hier aber nicht vor dem Jahr 2022 mit einer Entscheidung zu rechnen.