Flic Flac: Artisten bieten in Krefeld eine atemberaubende Show

Flic Flac : Neue Flic-Flac-Show in Krefeld

Zum 30-jährigen Bestehen feiert der Zirkus Flic Flac mit waghalsigen Luftnummern und Motorradstunts ein Festival des Nervenkitzels.

Ein abgedunkeltes Zirkuszelt, Benzingeruch und Motorensound – und plötzlich flogen Motorradfahrer per Salto samt ihren Maschinen spektakulär durch die Luft, um Sekunden später sicher eine Etage tiefer zu landen. Als wäre das alles noch nicht waghalsig genug, folgte als Höhepunkt ein Salto rückwärts. Die Freestyle-Motocross-Biker waren die ersten Artisten, die dem staunenden Publikum bei der Premiere von Flic Flac am Donnerstagabend den Atem stocken ließen.

Zwei Stunden lang zeigten die Akteure im schwarz-gelben Zelt auf dem Sprödentalplatz akrobatische Höchstleistungen ab. Das renommierte Eventunternehmen hatte zum 30-jährigen Bestehen eine hinreißende Show versprochen und nach dem Gründermotto „Nicht irgendein Zirkus“ in jeder Beziehung Wort gehalten. Der ungewöhnliche Show-Name „Punxxx“ erklärte sich schnell. In punkigem Outfit präsentierten sich die Künstler rebellisch, unangepasst und gegen den Strich gebürstet – schrill und freakig. Das begann beim Drummer mit blau gefärbtem Irokesen-Kamm, der die Acts musikalisch perfekt in Szene setzte. Nein, es war kein konventioneller Auftritt, wie man ihn vom traditionellen Zirkus kennt. Flic Flac kommt zum Beispiel ganz ohne Tiere aus. Aufmachung und Ausstattung erinnerten schon eher an den „Zirkus des Horrors“, der vor zwei Jahren an gleicher Stelle Premiere feierte. Es gibt auch keinen Zirkusdirektor, der durch das Programm führt und es unnötig aufbläht. Wenn nötig, kommt eine sparsame Stimme aus dem Off. Stattdessen gibt es ein Stakkato an atemberaubender Athletik. Damit der Puls zwischendurch wieder runterfährt, enthält das Programm auch ruhigere Teile, wie den Part des international vielfach preisgekrönten tschechischen Jongleurs zu jazzig-rockigen Klängen, der mit bis zu sieben Bällen jongliert.

Die Umbaupausen füllte ein Schwede mit schräger Guerilla-Comedy. Er provoziert, spielt mit dem Publikum, hält ihm den Spiegel vor und setzt es mit kleinen verblüffenden Kunststücken in Erstaunen. Ein Trio aus der Ukraine bringt artistische Girl-Power auf die Bühne. Es zelebriert in der Rolle einer weiblichen Straßengang, was perfekte Körperbeherrschung und Balance vermeintlich ohne Anstrengung vermögen – Ästhetik pur. Doch schon halten die Zuschauer wieder die Luft an. Unter der Zirkuskuppel fliegt ein brasilianischer Akrobat zwischen zwei schwingenden Trapezen hin und her, um schließlich kopfunter mit den Füßen an Schlaufen von einem Trapez zum anderen zu laufen. Ohne Sicherheitsnetz. Auch bei der italienischen Aktrice geht es, an einem Seil hängend, bis unter die Zirkuskuppel, während sie in perfekter Koordination mit Händen und Füßen jongliert. Danach präsentiert eine ukrainische Artistin an der Pole-Stange Körperbeherrschung mit einem Hauch Sinnlichkeit zu den Klängen von Purple Rain – in strömendem purpurnem Regen. Ebenso klatschnass wurde das Duo, das Kraft und Dynamik als Luftakrobatik an Bändern zeigte.

Nach einer kurzen Pause folgte der spektakuläre Höhepunkt der Show. Wieder mit Motorrädern, wieder mit tollkühnen Fahrern. Die Helldrivers, sieben Männer und eine Frau, führten den unglaublichen Beweis, dass man in einer Stahlkugel zu acht auf engstem Raum unfallfrei kreuz und quer fahren kann. Ein Inder präsentierte dann einen speziellen „Volkssport“ aus seinem Heimatland. Lediglich dank der Kraft seiner Hände und Beine wand er sich unvorstellbar gelenkig um eine Holzstange.

Zu dieser Art Schlangenmensch zählt auch die US-Amerikanerin, die ihre beeindruckende Geschmeidigkeit demonstrierte. Danach begeisterte ein Jongleur, Magier und Comedian, der im berühmten Pariser Moulin Rouge aufgewachsen ist, mit einer urkomischen Show das Publikum, das Tränen lachte. Ein letztes Highlight waren zehn Reifenspringer einer chinesischen Akrobatik-Gruppe, die selbst durch sich bewegende Reifen sprangen – bis auf vier Meter Höhe. Zum Finale gab es stehende Ovationen. Und eine eindrucksvolle Geste des Zeltsprechers gegen Rassismus: „Ohne unsere ausländischen Artisten hätten Sie heute nach fünf Minuten wieder nach Hause gehen können.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung