Flachsmarkt rund um Burg Linn in Krefeld: Der Kurfürst ist der Star

Burg Linn : Der Kurfürst ist der Star auf dem Krefelder Flachsmarkt

Horst Isbert verkörpert auf dem Krefelder Flachsmarkt Kurfürst Clemens August I. - und ist damit gleichzeitig Attraktion und Wegweiser. Unterwegs mit dem geheimen Star von Burg Linn.

Für Clemens August Ferdinand Maria Hyazinth von Bayern, im Volksmund: Kurfürst Clemens August I., ist ein zügiger Gang über den Flachsmarkt nicht zu schaffen. Pausenlos wird der prächtig in Brokat, Spitzen-Beffchen und Goldlitzen gekleidete Mann angesprochen, um ein Foto gebeten oder dient als Infostelle. Horst Isbert verkörpert den Adeligen auf dem Handwerkermarkt, der von Pfingstsamstag bis -montag stattfindet, mit Freude und verleiht diesem das hochherrschaftliche Flair früherer Jahrhunderte. Er selbst bezeichnet sich als „Deko mit Aufgabe.“

Den damaligen Kurfürsten führte die Jagdleidenschaft nach Linn. Heutzutage steht der 66-Jährige zur Eröffnung mit auf der Bühne und begleitet und kümmert sich um den Schirmherren, der diesmal mit LVR-Direktorin Ulrike Lubek weiblich ist. „Ich hänge das Marktschwert an das Marktkreuz und eröffne damit symbolisch das Treiben. Alle Handwerker erhalten von mir eine Urkunde und damit die Erlaubnis zu Handeln. Der Kurfürst hat ehedem die Stadt- und Marktrechte erteilt.“

Die Händler freuen sich, wenn er mitsamt der Landsknechte und dem Gefolge der Gräfin von Cleve erscheint. Denn dann sind die neugierigen Besucher nicht mehr fern. So auch am Stand von Zylindermacher Hendrik de Winter aus den Niederlanden. Alle erhalten dort ein Ständchen ihrer musikalischen Landsleute namens Parelmoer, was so viel wie Perlmutt bedeutet.

Eine andere Art von Urkunde ist bei den Kindern beliebt. „Sie bekommen eine an den Infostellen und erhalten, wenn sie mich entdecken, eine Unterschrift von mir.“ Das geschieht natürlich mit einem klassischen Füllfederhalter. Unter den vielen Kindern sind auch Max (5) und Lukas (3) aus Velbert. Sie halten ihre Urkunde in den Händen, freuen sich über das Autogramm und bekommen zusätzlich eine Postkarte vom Flachsmarkt.

Helga Spörk aus Gellep-Stratum fragt dagegen: „Kann ich ein Bild mit Ihnen und meinem Enkel machen?“ Sie erzählt, dass der Dreieinhalbjährige, der eine glänzende Rüstung trägt, total begeistert ist von allen Rittern und bereits ungezählte Male die Linner Burg besucht hat. „Das Bild wird vergrößert und ins Kinderzimmer gehängt“, erklärt Spörk. Für Isbert ist das alles nichts Neues.

„Guten Tag, Herr Adliger“, sagt dann ein Mann im Vorübergehen. „Merci“, danken Franzosen für ein Handyfoto mit Clemens August I.. Der lächelt und ist stets präsent. „Manchmal spreche ich auch die Leute an, frage wie es ihnen geht. Der Flachsmarkt hat etwas Entspannendes. Alle sind gut drauf. Aber ich bin drei Tage gut beschäftigt.“

Weiter geht es zum historischen Löschzug der Linner Wehrmänner. Hier dürfen die Kinder mit jeder Menge Wasser „löschen“. Es gibt auch Vorführungen. Dann duftet es nach Flammbrot, frisch aus dem Ofen mit Schmand, Speck und Kresse oder vegetarisch mit Gemüse. „Ich stelle es aus selbstgezogenem Sauerteig her“, erklärt Bäckermeister Mike Pötzel die Leckerei.

Dann kommt Familie Ilic aus Meerbusch zum Kurfürsten und fragt, ob es auf der Ritterwiese auch etwas zu essen gebe. Das wird bejaht. „Er sieht aus, als ob er sich auskennt“, sagt die Familie und lacht. „Es ist ein tolles Kostüm.“

Für die Macher des Flachsmarktes hat der Kurfürst etwas Authentisches. „Ich freue mich, dass der stattliche Mann den Lehnsherren gibt“, sagt Flachmarkt Initiator Helmer Raitz von Frentz. Sein Sohn Alexander, der amtierende Chef, erklärt: „Ich könnte mir einen Markt ohne ihn nicht vorstellen. Er ist ein Erlebnis für die Besucher. Wir haben ihm sogar eine Bronzefigur vor dem Museum gewidmet.“

Dann zieht ein Regenschauer auf, der Fürsten-Hut mit den Marabufedern ist in Gefahr. Auf geht es in den Rittersaal der Burg Linn. Dort zeigt sich einmal mehr: Clemens August kennt fast jeden Händler, zumal er früher selbst als Handfigurenspieler einen Stand hatte.

Der Rokokofürst deutet auf den Mann am Webstuhl: „Viele haben doch heutzutage keine Vorstellung mehr, wie das entsteht, was sie am Leib tragen. Da klappert das Schiffchen.“ Weiter geht es zu einem Krefelder Krawattenunternehmen. Isbert erkundigt sich nach einem Plastron. Auch das gibt es. Vor allem zeigt Helga de Rath, wie Krawatten per Hand gefertigt werden.

Glänzend geht es beim Sattlermeister zu. Hans Höll fertigt aus Leder und Messing Kummetgeschirr um Zugtiere einzuspannen. „Auch das ist ein tolles Handwerk, bei dem Zusehen Spaß macht“, findet Clemens August Ferdinand Maria Hyazinth von Bayern, kurz: Kurfürst Clemens August I..

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