Krefeld: Fenster-Sturz: Mutter gibt zu, Kinder geworfen zu haben

Krefeld: Fenster-Sturz: Mutter gibt zu, Kinder geworfen zu haben

Laut eines Gutachtens soll die 33-Jährige aufgrund einer psychischen Erkrankung schuldunfähig sein.

Krefeld. Bei einer ersten Befragung hatte die 33-jährige Mutter noch von einem Unfall gesprochen. Ihre drei Kinder — zwei Söhne (3 und 5) und eine Tochter (6) — seien am 13. Juni durch tragische Umstände gegen 4.45 Uhr aus dem Fenster im zweiten Stockwerk gefallen. Eine Mitschuld verneinte sie. Bereits kurz nach der Tat bestanden nach Angabe von Staatsanwalt Thomas Pelka „erhebliche Anzeichen dafür, dass die 33-Jährige an einer psychiatrischen Erkrankung leide“.

Dieser Verdacht hat sich durch ein psychiatrisches Gutachten jetzt bestätigt. „Die Frau ist nach Ansicht des Experten schuldunfähig, weil sie an einer psychiatrischen Erkrankung leidet“, erklärte Oberstaatsanwalt Axel Stahl gestern im Gespräch mit der WZ. Demnach könnte die Frau aufgrund einer Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen nicht für die Tat verantwortlich gemacht werden. Zu einer Verhandlung wird es aber wohl trotzdem kommen, macht der Oberstaatsanwalt deutlich.

„Wir bereiten gerade die Antragsschrift für ein Sicherungsverfahren vor“, so Stahl. In diesem Verfahren könnte die Unterbringung der Frau in eine psychiatrische Einrichtung angeordnet werden. Die Verhandlung könnte noch in diesem Jahr stattfinden.

Neue Erkenntnisse haben die Ermittler auch über den möglichen Tathergang. Erstmals habe die Mutter ausgesagt, dass sie ihre Kinder aus dem Fenster geworfen hat. „Die Kinder haben wohl während der Tat geschlafen“, berichtet Oberstaatsanwalt Axel Stahl.

Nach jetzigem Stand gehen die Ermittler nicht davon aus, dass die Kinder bei einem möglichen Verfahren aussagen müssen. „Wir werden auf jeden Fall alles tun, um Aussagen der Kinder bei der Beweisführung zu vermeiden“, erklärt Stahl. Die Frau soll sich vor der Tat nicht in psychiatrischer Behandlung befunden haben. „Es hat eher den Anschein, als sei die Erkrankung zuvor nicht bekannt gewesen“, sagt Stahl.

Die Kinder waren am Morgen des 13. Juni aus etwa acht Meter Höhe auf den Asphalt gestürzt und haben sich teilweise lebensgefährliche Verletzungen zugezogen. Ein Radfahrer hatte die Kinder vor dem Haus liegend gefunden und die Rettungskräfte alarmiert. Die Mutter hatte nach der Tat versucht, sich das Leben zu nehmen, konnte aber gerettet werden. Der Vater hat die Kinder nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu sich genommen und hat mit ihnen Krefeld verlassen.