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Fasten? Nicht auf Kommando

Fasten? Nicht auf Kommando

Krefelder verzichten eher aus pragmatischen Gründen und völlig unabhängig vom Aschermittwoch. Eine WZ-Umfrage in der City.

Bei der Karnevalssause wurde gesündigt, jetzt folgt die Abstinenz — so will es zumindest die Kirche. Nicht umsonst stammt das Wort „Karneval“ vom mittellateinischen „carne levare“ ab, was so viel wie „Fleisch wegnehmen“ bedeutet. Wobei ab Aschermittwoch längst nicht bloß auf Fleisch verzichtet wird. Zu den Fastentrends gehören Weizenmehl, Zigaretten, Schokolade, Smartphones, Alkohol, Fastfood, Videospiele oder Sex. Die Krefelder erklären allerdings lieber, warum sie nicht auf Kommando verzichten möchten.

„Ich faste eigentlich dauerhaft“, sagt Isabelle Trak. Die junge Krefelderin lebt seit vielen Jahren vegetarisch, weil ihr die Massentierhaltung „auf den Keks“ gehe. „Ich finde, man muss nicht fasten, wenn man sowie so bewusst durchs Leben geht“, erklärt sie.

Gabriele Willms hingegen sündigt auch mal gerne und mit Genuss. Doch genauso bewusst verzichtet sie in regelmäßigen Abständen auf die kleinen Verlockungen des Alltags. „Aber dazu muss ich mich dann erst durchringen. Ich kann nicht einfach auf Kommando fasten, nur weil Aschermittwoch ist. Ich bin zwar katholisch, aber an der Stelle setze ich es nicht so um“, gesteht sie.

Entschiedener ist Arthur Richter. Mit 18 Jahren sei er aus der Kirche ausgetreten. Von christlicher Seite her kann man ihn schon mal nicht vom Verzicht überzeugen. Aus gesundheitlicher Sicht schon eher, denn Richter ist Diabetiker. Seine Erfahrung habe ihn jedoch gelehrt: „Man kann sich gegen den Zucker nicht wehren, er ist überall drin.“ Er esse einfach was ihm schmeckt.

Die Freundinnen Ursula Cleve und Gisela Jörissen fasten ebenfalls nicht. Sie hätten sich schlichtweg keine Gedanken um die Fastenzeit gemacht. Cleve erinnert sich jedoch an ihre Kindheit: „Früher gab’s nie Süßigkeiten. Als Kind musste ich auf jeden Fall fasten, es war ganz normal.“ Für Wilfried Markes hingegen ist der Verzicht zum Alltag geworden. „Seit letztem Sommer esse ich nur noch die Hälfte“, berichtet der stämmige Mann. Sein Ziel sei es, unter hundert Kilogramm zu wiegen. Acht Kilogramm müssten dazu noch runter. „Aber man sündigt dann ja doch wieder zwischendurch und dann sind ganz schnell wieder ein paar Kilo drauf“, erzählt Markes. Mit der Fastenzeit habe sein Verzicht jedoch nichts zu tun.

Für die meisten Menschen steht der gesundheitliche Aspekt des Fastens ohnehin im Vordergrund. Enthaltsamkeit soll im besten Fall mit purzelnden Pfunden belohnt werden. Fasten ist ein Diät-Trend. Ganz vorne mit dabei: das Intervall-Fasten. Bei dieser Methode verzichtet man für bestimmte Zeitintervalle komplett auf Nahrung und gibt dem Körper damit Zeit sich von Giftstoffen zu reinigen und Stoffwechselprozesse anzukurbeln.