"Fahrradoffensive" soll mehr Radwege in Krefeld schaffen

Verkehr : Die Stadt will endlich gute Noten

Radfahrer sind mit den Strecken in Krefeld unzufrieden. Die „Fahrradoffensive“ der Verwaltung soll das ändern.

Für Mathematiker liest sich die Gleichung sicher etwas holprig, doch sie ist eingängig. „Mehr Fahrrad = attraktiveres Krefeld“ lautet die Idee der Verwaltung. Mit einer „Fahrradoffensive“ möchte die Stadt den Anteil des Radverkehrs auf den Straßen auf 30 Prozent erhöhen. So würden Klima und Infrastruktur geschont. Bei der Mobilitätsbefragung 2017 lag der Anteil bei 21 Prozent. Wie sich das ändern soll, hat die Verwaltung nun auf 37 Seiten notiert, die an diesem Dienstag im Bauausschuss vorgestellt werden.

Das sich etwas tut, ist dringend notwendig. Bei  der aktuellen Umfrage zum Fahrradklima des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) schnitt Krefeld mit der Gesamtnote 4,23 mies ab. Bei den Städten mit 200 000 bis 500 000 Einwohner war damit nur Platz 19 von 25 drin. „Der Nachholbedarf ist enorm. In den letzten 20 Jahren sind wichtige Investitionen aufgeschoben worden“, beklagt Jörg Breuer, zweiter Vorsitzender des örtlichen ADFC-Kreisverbands.

500 000 Euro jährlich für Reparaturen eingeplant

Um Besserung zu erreichen, hat sich die Stadt zehn Grundsätze überlegt. Unter anderem sollen Radfahrer in der Innenstadt und auf den Nebenstraßen Vorrang bekommen. CDU und SPD haben den Vorstoß der Stadt mit entsprechenden Anträgen in den Bezirksvertretungen massiv forciert. Dabei stellt Ralph-Harry Klear, Vorsitzender der Krefelder Sozialdemokraten, fest: „Die Radwege müssen komplett erneuert werden.“ Wurzelschäden und Absackungen müssen beispielsweise behoben werden.  Ab 2020 sieht der Haushalt laut Vorlage der Verwaltung 500 000 Euro pro Jahr für die Erneuerung bestehender Strecken vor.

Dabei dürfe es aber nicht bleiben, sagt Klaer, der sich selbst als passionierten Radfahrer bezeichnet. Die Anforderungen an die Wege hätten sich in den letzten Jahren verändert: „Wir müssen zum Beispiel den Berufsverkehr berücksichtigen.“ Es müsse möglich sein, aus den Stadtteilen zur Arbeit ins Zentrum zu radeln.

Die Umsetzung der Pläne
dürfte Jahre dauern

Mit ausreichenden Radwegen ist es bei einer fahrradfreundlichen Stadt aber nicht getan. Es braucht Zusatzangebote. Dazu gehört etwa auch die Radstation am Hauptbahnhof mit bewachten Stellplätzen, Verleih- und Reparaturangebot. Aufgrund von Schäden in der Bausubstanz des Bahnhofs ist allerdings ein neuer Standort notwendig. Für das Jahr 2020 ist die Planung einer Mobilitätsstation am Südausgang vorgesehen.

Um spontan von A nach B zu kommen, bieten viele Großstädte auch ein Fahrradverleihsystem an. Besonders von Studierenden komme dieser Wunsch immer wieder, teilt die Verwaltung mit. Allerdings könnte das Geld zum Problem werden: „Da ein solches System nicht kostendeckend arbeitet, muss hier über eine grundlegende Finanzierung nachgedacht werden.“ Im Ruhrgebiet benötigte das vergleichbare Projekt „Metropolrad Ruhr“ eine Anschubfinanzierung mit Fördermitteln.

Darüber hinaus möchte die Stadt die Abstellmöglichkeiten im gesamten Stadtgebiet verbessern. Dafür sind im Haushalt 2020 zusätzlich 200 000 Euro eingeplant.

Bei ihren Planung arbeitet die Stadt auch mit den Lobbyisten vom ADFC zusammen. Für die Gruppe gehen die Ideen, deren Umsetzung fraglos Jahre dauern wird, in die richtige Richtung.

Dabei könnte der ADFC  die Liste der Vorhaben mit seinen Wünschen wohl noch beliebig verlängern. Besonders in der Innenstadt würden auch parkende Autos hindern, sagt Breuer vom ADFC-Kreisverband. Zudem sollten die Privilegien der Radfahrer auch für Autofahrer ersichtlich. Die Einbahnstraße Königstraße ist beispielsweise für den Radverkehr geöffnet worden. „Das sollte mit Schildern für die Autofahrer kenntlich gemacht werden. Die wundern sich im Moment über den plötzlichen Gegenverkehr“, sagt Breuer.

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