Europawahl in Krefeld: CDU und Grüne im Kopf-an-Kopf-Rennen

Politik : Europawahl in Krefeld: CDU und Grüne im Kopf-an-Kopf-Rennen

Das Krefelder Ergebnis ähnelt dem auf Bundesebene: Die Grünen steigern sich auf mehr als 20 Prozent, CDU und SPD verlieren deutlich – unabhängig davon, welche Werte aus jüngerer Vergangenheit man heranzieht.

Die Party begann um 18 Uhr und erhielt nach 21 Uhr noch einmal einen neuen Schub. Die Krefelder Grünen feierten zunächst die Prognose und die Hochrechnungen auf Bundesebene, auf der die Partei zweitstärkste Kraft wurde. Später bejubelten sie ihre eigenen Werte: 24,5 Prozent bedeuten ein enormes Plus im Vergleich zu den jüngsten Wahlen. Bei den Abstimmungen für Land- und Bundestag waren die Grünen in Krefeld einstellig geblieben, bei den Europawahlen vor fünf Jahren hatten sie 10,2 Prozent der Stimmen geholt.

„Lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU. Und das in Krefeld....“ – Karsten Ludwig, Kreisvorsitzender der Grünen, konnte es kurz nach 20 Uhr immer noch nicht fassen. „Wir sind total stolz“, kommentierte er das herausragende Abschneiden seiner Partei. Im Wahlkampf habe man klare pro-europäische Visionen entwickelt. „Die haben die Wähler uns abgenommen – im Gegensatz zur SPD.“ Vor allem der Klimaschutz sei vor dem Hintergrund von „Fridays for future“ ein superwichtiges Thema gewesen. Kann Ludwig sich mit Blick auf das Krefelder Ergebnis vorstellen, bei der nächsten Kommunalwahl mit grünem Oberbürgermeisterkandidaten anzutreten? „Das ist derzeit unser Plan.“

Die CDU ist stärkste Kraft in der Stadt geblieben, hat aber wie die Bundespartei im Vergleich zu allen vorherigen Ergebnissen klar verloren. In Krefeld waren es mit Blick auf die Europawahl rund sieben Prozentpunkte. Da die Christdemokraten bei den Wahlen 2017 jeweils bei knapp 32 Prozent gelandet waren, fiel Differenz an dieser Stelle nicht ganz so heftig aus. „Die Ursachen für dieses Ergebnis liegen ausnahmsweise nicht in Krefeld“, sagte CDU-Fraktionschef Philibert Reuters. „Rückschlüsse auf die Kommunalwahl im nächsten Jahr kann man daraus nicht ziehen.“ Der Kreisvorsitzende der CDU, Marc Blondin, gratulierte den Grünen, sagte aber auch, dass sie nun zeigten müssten, ob sie auch in Krefeld verantwortungsvolle Politik machen könnten.

Die Krefelder Sozialdemokraten hatten zumindest einen Trost an einem Abend, an dem sich alle lokalen Protagonisten einen Gesichtsausdruck teilten: Ihre etwas mehr als 18 Prozent vor Ort liegen über dem Bundeswert. Bei allen anderen Zahlen, die man heranziehen konnte, zeigte sich aber, warum die Gesichter so blass und die Minen so finster waren. Bei der Europawahl 2014 hatten die Sozialdemokraten noch über 30 Prozent geholt, selbst bei der Bundestagswahl 2017 lagen sie auf Stadtebene noch bei knapp 25 Prozent.

„Das ist ein Debakel“, sagte SPD-Vorsitzender Ralph-Harry Klaer. Mit rund 60 von 1000 Krefelder Genossen – darunter Oberbürgermeister Frank Meyer – verfolgte er die Hochrechnungen. Unter den vielen schlechten Nachrichten sei nur gut, dass die Niederrhein-Kandidatin der SPD, Petra Kammerevert, wohl ihren Sitz im EU-Parlament behalte. Klaer freute sich auch darüber, dass die niederländische Sozialdemokratin Vera Tax aus Krefelds Partnerstadt Venlo den Sprung nach Brüssel schafft. „Ich fahre gleich rüber nach Venlo, um von den Sozialdemokraten dort, mit denen wir eng zusammenarbeiten, Rezepte zu erfahren, wie wir aus der Talsohle kommen.“

FDP-Fraktionschef Joachim C. Heitmann durchlebte den Abend mit „gemischten Gefühlen“. Die Liberalen verbesserten ihr Ergebnis in Krefeld um mehr als zwei Prozentpunkte. „Ich bin froh, dass wir in Krefeld immer wieder besser abschneiden als auf Bundesebene. Aber es ist bedrückend zu sehen, dass eine Partei wie die AfD, die das Parlament abschaffen will, in das sie sich hat wählen lassen, auch auf lokaler Ebene so viele Stimmen holt.“

Rolf Weinmann, Sprecher des Kreisverbandes der Linken, schaffte das Fazit des Abends mit einem Satz: „Wir müssen selbstkritisch sein.“ Nicht ganz fünf Prozent ähnelt zwar den Werten bei der vorherigen Europawahlen, aber die Linke hatte gehofft, stärker vom alles überragenden Thema Klima zu profitieren. „Wir haben in dieser Hinsicht die deutlichsten Forderungen aller Parteien im Wahlprogramm stehen, aber es ist uns nicht gelungen, das zu vermitteln“, sagte Weinmann.

„Grundsätzlich zufrieden“ zeigte sich Kay Gottschalk, Bundestagsabgeordneter der AfD mit Büro in Krefeld, mit dem Ergebnis.

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