Europawahl: Eine Grüne aus dem Ruhrgebiet für Krefeld

Europawahl : Eine Grüne aus dem Ruhrgebiet für Krefeld

Terry Reintke möchte für die Grünen ins EU-Parlament. Sie will ihre Heimat und das Rheinland vertreten.

Jede Nacht träumt sie mittlerweile vom Sonntagabend, wenn die erste Hochrechnung kommt. So erzählt es Politikerin Terry Reintke, die nach dem Jahr 2014 zum zweiten Mal für die Grünen ins Europäische Parlament einziehen möchte. Dabei muss die 32-Jährige, die sich selbst als Kreuzworträtsel-Liebhaberin bezeichnet, eine knifflige Aufgabe lösen. Auf Platz drei der Bundesliste hat sie beste Chancen auf einen Sitz im Parlament und soll dabei neben ihrer Heimat, dem Ruhrgebiet, auch das Rheinland vertreten. Schließlich gibt es bei der anstehenden Wahl keine Wahlkreise und wesentlich weniger Vertreter für eine Region als es etwa bei der Abstimmung über einen neuen Bundestag üblich ist.

Daher kommt Reintke dieser Tage viel rum, auch Krefeld hat sie besucht. Von einer Diskussionsrunde in der Stadt schwärmt sie. Sie habe mit mehr als 70 Menschen intensiv über Artensterben, Naturschutz und weitere Themen debattiert. Dieses Interesse habe sie bei der vergangenen Europawahl in dieser Form nicht erlebt. Die Menschen merkten, dass diese Abstimmung mehr denn je über die Zukunft des Kontinents richten werde. Auch Reintke nennt den kommenden Sonntag „wirklich wahnsinnig wichtig“. Die studierte Politikwissenschaftlerin hofft, dass es nicht zu einem weiteren Erstarken von Rechten und Populisten kommt. Stattdessen setzt sie auf die „Grüne Welle“.

Häufig kommt Menschen die EU in ihrem Alltag weit entfernt vor. Reintke tritt diesem Eindruck entgegen. Bei den Themen Landwirtschaft, Verkehr und erneuerbare Energien würden Entscheidungen in Brüssel getroffen, die auch den Alltag am Niederrhein tangierten.

Für ihre Arbeit im Parlament sieht Reintke mehrere Schwerpunkte. Sie möchte die Steuervermeidung großer Konzerne in der EU entschiedener angehen. Zudem stört sie das „Lohn- und Sozialdumping“ in einigen Staaten. Die EU solle beim Wohlstand der Menschen für eine Spirale nach oben statt nach unten sorgen. Darüber hinaus möchte sie sich für die Wahrung von Menschenrechten und Demokratie in der EU einsetzen. Sie verweist auf Polen und Ungarn, wo unter anderem die Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Justiz massiv beschädigt seien. Gleichsam profitierten diese Staaten enorm vom Geld der Staatengemeinschaft. Um die Länder weiter zu sanktionieren, sollten nicht mehr die nationalen Regierungen, sondern die EU über die Verteilung der Fördermittel bestimmen, so Reintke.

Mehr von Westdeutsche Zeitung