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Et Bröckske in Krefeld: Der Neubau stockt

INNENSTADT : Et Bröckske: Neubau stockt

Jahrelang ist mit der Denkmalpflege um einen Kompromiss für den Erhalt des Gebäudes gerungen worden. Jetzt, da die Genehmigungen vorliegen, überlegt der Investor zu verkaufen.

Im Et Bröckske tut sich nichts. Obwohl die Baugenehmigung längst vorliegt, ist über den Eigentümer zu hören, dass er das Objekt zu dem Zeitpunkt wieder verkaufen will. Zu lang wohl haben die Verhandlungen mit der Oberen Denkmalschutzbehörde über das unter Schutz stehende Wirtshaus gedauert. Obwohl die Planung für das „Krefeld MED“ mit zwölf Arztpraxen, einer Apotheke und Gastronomie im Erdgeschoss steht, sollen sich bislang zu wenig Interessenten als Mieter gemeldet haben. Doch erst wenn ein gewisser Teil der Flächen vermarktet ist, würde mit dem rund zehn Millionen Euro teuren Um- und Neubau des denkmalgeschützten Gebäudes begonnen werden.

Ende 2014 hatte die Kölner Absolut Immobilien GmbH das einst im Besitz der insolventen Brauerei Rhenania Robert Wirichs gewesene Traditionslokal gekauft. Das hatte Jahre zuvor schon leergestanden und verrottete zusehends. Ursprünglich wollte der neue Eigentümer das Gebäude abreißen lassen und dort Wohnungen für betreutes Wohnen anbieten. Doch die Neue Pflegebedarfsplanung der Stadt machte einen Strich durch diese Rechnung. Laut Stadt gibt es in der Innenstadt ausreichend Pflegeplätze.

Drei historische Fassaden
sollen erhalten bleiben

Um das Et Bröckske zu bewahren, hatte die Untere Denkmalbehörde der Stadt im Jahr 2013 und 2015 endgültig das Gebäude zum Denkmal erklärt. Was folgte, waren zahlreiche Gespräche mit dem Investor, zuletzt unter Beteiligung des Oberbürgermeisters.

„Dabei sind wir Wand für Wand durchgegangen, was unter Denkmalschutzaspekten und was unter Nutzungsaspekten wichtig ist“, berichtete Planungsamtschef Norbert Hudde vor zweieinhalb Jahren der WZ. Gemeinsam habe man einvernehmliche Lösungen für das Gebäude gefunden. Die Denkmalbehörde ist von der Position abgerückt, dass die Säle im Obergeschoss erhalten bleiben müssen. Laut Fachleuten sei die Substanz zu schlecht gewesen. Auch hätte die Statik für mögliche medizinische Großgeräte nicht ausgereicht.

Geeinigt haben sich die Verhandlungspartner hingegen darauf, dass die drei historischen Fassaden erhalten bleiben, ebenso wie ein Teil des ursprünglichen historischen Kellers, der durch eine Glasscheibe abgetrennt künftig sichtbar sein könnte. Im Erdgeschoss ist laut Entwurf eine Gastronomie vorgesehen. Die könnte Sitzmöglichkeiten im Freien bieten, auf dem Willy-Göldenbachs-Platz wie auch auf dem Platz An der Alten Kirche. Dazu sollen die Fensterbrüstungen an der Nordseite des Gebäudes im Erdgeschoss bis zum Boden reichen. Die Denkmalbehörde hat dem zugestimmt.

Hinter den alten Mauern des Et Bröckske kann jedoch komplett neu gebaut werden. Wegen der zu erwartenden Lärm-Immissionen sind in den oberen Etagen des Et Bröckske und des anschließenden Neubaus bis zur Matthes-on-Schäng-Jatz (Quartelnstraße) nicht Wohnungen, sondern bis zu zwölf Arztpraxen geplant. Die Nutzung zwischen Alt- und Neubau im Inneren ist fließend. Im Neubau an der Quartelnstraße ist Platz für eine Apotheke sowie ein Ladenlokal oder eine weitere Gastronomie. Die geplante Nutzfläche beider Gebäude beträgt 4000 Quadratmeter.

Zwei Abbruchanträge und ein Bauantrag zum Abbruch beziehungsweise Rückbau des bestehenden Gebäudes (Et Bröckse) unter Erhalt der drei denkmalgeschützten Bestandsfassaden und einem denkmalgeschüzten Teilbereich des Kellergeschosses (vom 23. August 2018) liegen laut Stadtsprecher Dirk Senger vor. Und es existiere darüber hinaus eine Baugenehmigung nach dem Bauantrag zur Neuerrichtung des Ärzte- und Geschäftshauses Et. Bröckske (vom 22. Mai 2018).

Wegen des Artenschutzes musste der Bauherr im Auftrag der Stadt noch ein weiteres Gutachten zu den Fledermäusen im Gebäude nachliefern. Und die Stadtwerke mussten die Ver- und Entsorgungsleitungen in der Straße vor dem geplanten Abriss schützen.

Die Absolut Immobilien GmbH war wegen einer Stellungnahme nicht zu erreichen. Sollte sich der jetzige Eigentümer die Sache noch einmal überlegen oder ein neuer Käufer für das Objekt finden, ist zunächst keine Eile geboten. Die vorliegende Baugenehmigung behält laut Stadt für drei Jahre ihre Gültigkeit. Hauseigentümer aus der Nachbarschaft hoffen, dass das Bauvorhaben doch noch realisiert werden. Denn dann, und nur dann, will der ein oder andere auch in seine Immobilie erneut investieren.