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Escape Room in Krefeld: So kann trotz Corona-Krise gerätselt werden

„Unter Verschluss“ : Escape Room in Krefeld: So kann trotz Corona-Krise gerätselt werden

Ein Raum voller Magie war der Durchbruch: Nun haben sich die Macher des Gruppenspiels an der Friedrichstraße etwas Neues ausgedacht, um ihre Fans zu erreichen.

Michael Stiefel ist eigentlich ein Informatik-Student. In den ruhigen Tagen von Corona aber schlüpft der 22-Jährige noch in eine andere Rolle. Er wird einen Avatar mimen, eine Spielfigur sein, der von Menschen aus ihren Wohnzimmern quasi durch eine Fantasiewelt ferngesteuert wird. Sie sollen mit ihm knifflige Rätsel lösen. Denn auch die Escape-Room-Macher des Unternehmens Unter Verschluss an der Friedrichstraße müssen umdisponieren und ihre Kunden auf Abstand halten, ohne aber ihr Spiel aufzugeben. Es ist ein Pilot-Projekt in einem neugestalteten Raum.

Der Avatar tut, was
ihm die Spieler auftragen

Der Software-Entwickler Nicolai Bortmann und seine Frau Irina, die Inhaberin von Unter Verschluss, haben daher in den vergangenen Wochen umgesattelt. Der 33-Jährige hat eine Konferenzsoftware ausgewählt und manche Aspekte des Spiels ein wenig umprogrammiert, um es aus der Ferne spielbar zu machen. Statt der üblichen neun Mitspieler, die im Team in einem abgeschlossenen Raum ein Rätsel lösen müssen, um zu entkommen, läuft in diesen Tagen nur der Avatar Michael Stiefel durch die Kulisse und hört die Anweisungen der Spieler auf seinem Ohr. Um ein Stimmengewirr zu vermeiden, haben sich die Entwickler auf eine abgespeckte Version von drei, maximal vier PC, also Mitspielern, beschränkt. Die Spielfigur trägt eine Brusthalterung mit einem Smartphone. Die Leute zu Hause, die über eine Videokonferenz miteinander verbunden sind, sehen also nur das, was auch er sieht. Über Anweisungen führen sie ihn durch den Raum. Dabei müssen sie sich immer untereinander einig sein, was der nächste Schritt ist. „Wir haben in etwa zwei Wochen gebraucht, um anders zu planen. Manches haben wir umprogrammiert. Es ist zum Beispiel jetzt nicht mehr nötig, fünf Knöpfe im Raum gleichzeitig zu drücken“, sagt Nicolai Bortmann. Ein paar Testläufe habe es schon gegeben im erst im vergangenen November konzipierten neuen Raum.

2016 war es losgegangen mit dem Unternehmen. 2017, mit dem Raum „Wilbursgasse“, der etwas an eine Kulisse aus Harry Potter erinnert, gelang der Durchbruch. Es ist eine  Zauberstab-Werkstatt. Es gab Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr. In 2018 kam der Raum „Das dunkle Geheimnis“ hinzu, 2019 die „Hütte der Vergangenheit.“ Die Gestaltung ging auf Ideen Irina Bortmanns zurück, die Technik und das Spiel gründeten sich auf den Gedanken Nicolais.

60 Minuten dauert ein Spiel. Viel Kreativität und logisches Denken sind gefragt. Auf Musik, die sonst das räumliche Erlebnis untermalt, musste verzichtet werden. Auch wird alles anders wirken, wenn man zu Hause vor dem eigenen Bildschirm sitzt, statt sich selbst durch die dunkle Szenerie zu bewegen. Eingesperrt ist man nun ja nicht mehr. Und da ist ja noch die Absprache via Videochat mit den Anderen. „Je besser die Leute miteinander kooperieren, umso einfacher und effizienter kommt man zum Ziel“, sagt Bortmann. Ein Mikrofon aber sei notwendig zur besseren Verständigung. Der Avatar, der die Lösung kennt, kann als sogenannter Spielleiter, dessen Rolle er in diesen Tagen auch einnimmt, Tipps geben oder den richtigen Weg gehen, wenn es mal länger hakt. Die Lust am Spiel soll schließlich nicht verloren gehen.

Im Spiel geht es diesmal darum, einen magischen Gegenstand aus einer Zeit vor 50 Jahren in die Gegenwart zu holen. Dafür sind ein paar Tricks und Kombinationen notwendig. Die Szenerie ist bekannt bei Unter Verschluss: Die Spieler tauchen in eine Fantasiewelt ab, in einen Krieg zwischen Gut und Böse. Magier sind die Protagonisten in einem Paralleluniversum, wie Bortmann erzählt.

Die Organisatoren stellen sich auf eine noch längere Phase des Abstandhaltens ein. Ihr Raum böte Platz für vier Personen, die genügend Distanz einhalten könnten. Nicolai Bortmann weiß aber auch, dass die Menschen vorsichtig geworden sind im Umgang mit dem Virus, auch wenn er Mundschutz und Desinfektionsmittel einsetzt. „Bei uns ist es eigentlich nicht gefährlicher als mit dem Bus zu fahren“, sagt er. Wie lange Michael Stiefel noch ferngesteuert durch den Raum laufen muss, wissen auch die Organisatoren nicht.