1. NRW
  2. Krefeld

Erinnerung an Zweiten Weltkrieg: Militär-Konvoi rollt durch Krefeld

Zweiter Weltkrieg : Militär-Konvoi und Bilder erinnern an Kriegsende in Krefeld

Vor 75 Jahren befreiten US-Soldaten Krefeld. Aus diesem Anlass fuhren am Dienstag olivgrüne Jeeps der US-Armee durch die Stadt.

Der Anblick am Dienstagmittag im Krefelder Zentrum ist ein ungewöhnlicher: Ein Konvoi aus olivgrünen US-Militärjeeps schiebt sich durch die Stadt – vom Rathaus zur Mediothek am Theaterplatz. So erinnert Krefeld daran, was hier vor 75 Jahren geschah. In Krefeld endete der Zweite Weltkrieg, die US-Truppen befreiten die Stadt, die letzten deutschen Soldaten flohen über den Rhein.

Das Gedenken ans Kriegsende in Krefeld in der Mediothek ist gleichzeitig Auftakt einer kleinen Ausstellung zum Thema. Oberbürgermeister Frank Meyer, Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs und Sandra Franz, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle eröffnen die Sammlung im Eingangsbereich des Gebäudes. Schwarz-weiß-Aufnahmen zeigen die Ambivalenz in den Tagen des Einmarschs. Da sind Sanitäter in zerbombten Straßen auf einem Foto und auf einem weiteren US-Soldaten, die lässige an den Fassaden der Gladbacher Straße lehnen. Da sind gefangene Wehrmachtsoldaten und Krefelder Bürger, die den Amerikanern bei ihren Liegestützen zuschauen. In Schaukästen sind vor allem Gegenstände der amerikanischen Truppen zu sehen. Dazu gehören neben Verbandsmaterial auch ein Falt-Schachspiel und deutsches Wörterbuch.

Warum Zeitzeugen für die Aufarbeitung so wichtig sind

Hinter der Ausstellung steckt eine Menge Arbeit. Eine Arbeitsgruppe von interessierten Krefeldern hat neue Quellen gesammelt, um an das Kriegsende zu erinnern. Mit Hilfe der NS-Dokumentationsstelle und dem Stadtarchiv Krefeld wurden Zeitzeugen befragt, die den 3. März 1945 in Krefeld erlebt haben. Ihre Berichte waren bisher in der Stadt größtenteils unbekannt. Zudem konnte Fotomaterial gesichert werden, welches so in Krefeld noch nicht zu sehen war – ein Blick auf die kriegszerstörte Stadt aus Sicht der amerikanischen Truppen.

„Ich habe einen Aufruf in den USA gestartet, ob es noch Bilder und Tagebücher gibt“, berichtet Markus Scholten von der Arbeitsgruppe. Die Resonanz sei überwältigend gewesen. Scholten erhielt unter anderem Briefe von US-Soldaten, die sie von Krefeld in ihre Heimat schickten. Solche Dokumente zeigen einerseits die Abscheu gegen die Nazis. „Aber auch die Mitmenschlichkeit, die durchbricht“, so Franz von der NS-Dokumentationsstelle. „Den Soldaten ging es sehr nah, in der vom Krieg zerstörten Stadt so viel Not zu sehen“, ergänzt Scholten.

Oberbürgermeister Meyer sagt: „Nie wieder Krieg.“

Bei der Aufarbeitung wird der Kontakt mit Menschen, die den Krieg erlebten, immer wichtiger. Schließlich wird die Zeit knapp, mit ihnen zu reden. Daher wollen die Verantwortlichen in Krefeld die Arbeit fortsetzen. Das Projekt der Zeitzeugen-Interviews wird auch nach der Ausstellungseröffnung fortgeführt. „Nach einem Aufruf haben sich mehr als 70 Krefelder gemeldet. Wir haben tolle Interviews geführt, aber wir konnten noch nicht alle aufnehmen“, sagt Franz. Das soll im Laufe des Jahres noch passieren. Schließlich handele es sich um einzigartige Schilderungen, die es zu bewahren gilt.

Fotos zeigen die letzten Kriegstage in Krefeld. Die ersten Interessierten schauen sich die Bilder an. Foto: Andreas Bischof

Auch Oberbürgermeister Meyer betont im Rahmen der Gedenkstunde den Wert von Zeitzeugen-Berichten aus diesen „tief dunklen Jahren“. Die Initiative zum Kriegsende in Krefeld komme zur rechten Zeit. 1945 hätten sicher viele nicht gewusst, ob sie nun Befreite oder Besiegte sind, so Meyer. Heute sei klar: „Wir feiern 75 Jahre Frieden in dieser Stadt.“ Die Botschaft sei: „Nie wieder Krieg.“