1. NRW
  2. Krefeld

Erhebliche Gebäudeschäden: Alte Vikarie in Krefeld ist kaum zu retten

Erhebliche Gebäudeschäden : Alte Vikarie in Krefeld ist kaum mehr zu retten

Es steht schlecht um die Alte Vikarie an der Rektoratsstraße in Hüls. Die Schäden am rund 500 Jahre alten Gebäude sind mittlerweile so gravierend, dass Pfarrer Paul Jansen auf Anweisung des Statikers ein Zutritts- und Aufenthaltsverbot ausgesprochen hat.

Um es mit einer älteren Hülserin zu sagen: „Das Haus ist auf.“Nach dem Auszug der Gemeindereferentin als letzter Mieterin im Mai dieses Jahres sei das Mauerwerk, das zuerst nur kleine Risse aufwies, deutlich schlechter geworden, berichtet Jansen weiter. „Deshalb hat der Kirchenvorstand in Absprache mit der Unteren Denkmalbehörde ein geotechnisches Schadensgutachten sowie eines des Statikers in Auftrag gegeben. Sie haben ergeben, dass es Gründungsschäden im denkmalgeschützten historischen Gebäude gibt, die sich durch die drei vergangenen trockenen Sommer verstärkt haben.“

Das bestätigt auch Architekt Thomas Blohm-Schröder: „In alten Gebäuden treten Schäden dieser Art oftmals auf, da sich die Baumeister früherer Zeiten über die Gründung keine Gedanken gemacht haben. Durch poröse Torf- und Lehmböden entstehen dann Setzungsschäden.“

Die Entscheidung tragen
Bauherr und Denkmalbehörde

Die Folge: Der Hauptgiebel der Alten Vikarie hat sich im Bereich der Fenster im ersten Obergeschoss weiter nach außen gebeult. Nach Ansicht der Fachleute ist diese Verformung eben durch die Gründungsschäden und das Nachgeben des mittigen Fassadenankers im ersten Obergeschoss entstanden.

Die Möglichkeiten, dies zu reparieren, sind unterschiedlich und vor allem unterschiedlich kostspielig. Zuerst wurden sechs Rammkernbohrungen bis in Tiefen zwischen 5,1 und 7,1 unter Gelände ausgeführt. Architekt Thomas Blohm-Schröder: „Zusätzlich wurde dann von einer Fachfirma ein sogenannter Probepfahl gesetzt, der – wie sich dann herausstellte – keinen Gegendruck hatte. Damit waren Pfähle zur Reparatur nicht möglich, hätten das Haus wahrscheinlich noch mehr geschädigt.“

Eine Sanierung und Hebung um zwei bis drei Meter könne auch händisch ausgeführt werden, was stark überhöhte Kosten verursachen würde und auch die Gefahr berge, dass das Haus auf die Arbeiter in die Grube falle. Das komplette Gebäude mit einem sogenannten Korsett zu versehen, habe auch einen ungewissen Ausgang. Die Schlussfolgerung des Architekten: „Das Haus kann nicht erhalten werden. Die Entscheidung tragen jedoch Bauherr und Denkmalbehörde.“

Für Jansen, der vor seinem Theologie-Studium als gelernter Baustoffkaufmann gearbeitet hat, sind die Vorgänge rund um die Alte Vikarie nicht nur finanzieller, sondern auch emotionaler Natur: „Ich schaue von meinem Wohnzimmer auf das Gebäude, in dem ich mit dem früheren Bewohner, dem beliebten Pfarrer Hermann Lunkebein, so manches Glas Wein getrunken habe. Er hat mir viel über Krefeld erzählt und ich habe von ihm gelernt.“

Im Volksmund heißt das Haus auch Villa Bückeburg

Eine weitere nette Geschichte: „Das Haus trägt im Volksmund auch den Beinamen Villa Bückeburg, weil der hochgewachsene Lunkebein oft seinen Kopf einziehen musste, wenn er sich durch die acht Räume auf 110 Quadratmetern bewegte.“

Und zu den finanziellen Belastungen erklärt Jansen: „Bisher sind für die beiden Gutachten und das Setzen das Presspfahls Kosten in Höhe von zirka 20 000 Euro entstanden. Kurzfristig werden jetzt zur bereits gesicherten Fassade zusätzlich vier Abstützungen gegen Einsturz angebracht und ein Bauzaun errichtet. Alleine diese notwendigen verkehrssichernden Maßnahmen kosten rund 15 000 Euro. Damit mögliche Arbeiten im Boden überhaupt beginnen können, muss eine Halte- und Sicherungskonstruktion außen angebracht werden. Geschätzte Kosten: 90 000 Euro. Die gleichen Sicherungsmaßnahmen müssten dann im Innenbereich vorgenommen werden.“

Letztendlich werde der Kirchenvorstand in Absprache mit der Unteren Denkmalbehörde und der Bauabteilung des bischöflichen Generalvikariates eine Entscheidung treffen müssen. „Der Kirchenvorstand sieht aber nach dem derzeitigen Stand keine Möglichkeit, das Haus zu retten, da die Kosten alleine für die Sicherungskonstruktion ins Unermessliche gehen“, sagt Jansen. Vor allem gebe keiner der Fachleute eine Garantie, dass das Haus dadurch endgültig gerettet werden könne.