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Erdbeer-Ernte sorgte für Probleme

Landwirtschaft : 40 Prozent weniger Erdbeeren geerntet

Durch Corona-Einschränkungen fehlten Arbeitskräfte aus Osteuropa. Bis zu 40 Prozent weniger als im Vorjahr wurde geerntet – Verbraucher müssen mehr zahlen.

Die nun endende Erdbeer-Ernte hinterlässt bei vielen Landwirten Ernüchterung. Was die Bauern vor Monaten befürchtet hatten, wurde nämlich Realität. Durch die Folgen und Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie kamen zu wenige Erntehelfer aus Osteuropa. An einen Betrieb, wie er sich über Jahre bewährt hat, ist bis jetzt nicht zu denken. „Das war zu erwarten“, sagt Michaela Boekels, Chefin des Benrader Obsthofs. Ihr Fazit der Saison: „Durch das Nicht-Einreisen von Kräften aus Polen und Rumänien war die Ernte nicht komplett einzubringen.“

Deutsche Helfer brachten
nur wenig Entlastung

Was Boekels in Worte fasst, bildet das Statistische Landesamt für Nordrhein-Westfalen zusätzlich in Zahlen ab. Die Erntemenge im Freiland ist um 41,4 Prozent und die Erntemenge unter begehbaren Schutzabdeckungen um 37,8 Prozent geringer als im Vorjahr, melden die Statistiker.

Der Benrader Obsthof versuchte, dem Mangel an Arbeitern mit deutschen Aushilfen zu begegnen. Leute, die kurzfristig arbeiten wollten, wie etwa Studierende, meldeten sich. Doch der große Erfolg war das nicht. Vielen war der Job zu anstrengend. Sie schmissen rasch hin. Den ganzen Tag auf Knien entlang der Erdbeer-Pflanzen rutschen? Das haben einige wohl unterschätzt. Zudem hätten die neuen Helfer pro Tag nur zwei Drittel der Menge der Saisonarbeitskräfte gepflückt, sagt Boekels.

Zumindest habe das bis jetzt konstante Wetter geholfen. Es war bislang nicht zu warm, sodass der Benrader Obsthof seine Ernte strecken konnte. Die Erdbeeren konnten auch mal einen Tag länger am Strauch bleiben. „Gott sei Dank“, sagt Boekels.

Denn der Mangel an Erntehelfern hat sich mit der Zeit kaum lindern lassen. „Es ist nicht die Masse, die sonst kommt“, sagt Boekels. Das kann sie nachvollziehen: „Die Leute haben ihre Ängste.“ Hinzu kommt, dass vor Ort Platz für alle Arbeiter fehlt. Die Corona-Auflagen verlangen mehr Raum für jeden einzelnen Helfer. „Wir haben die Kapazitäten der Unterbringung nicht“, sagt Boekels. Auf die Schnelle lässt sich das auch kaum verändern.

Die Folgen der geringeren Ernte spüren die Verbraucher. „In der Direktvermarktung haben wir versucht, das preislich aufzufangen“, sagt Boekels. Das Schälchen mit 500 Gramm Erdbeeren wurde um 20 bis 30 Cent teurer als im Vorjahr.

Zumindest eine positive Erfahrung möchte Boekels dennoch hervorheben. Bei den Verkäufern an den Ständen habe man tolles Personal gewinnen können – darunter viele Studierende. „Sehr einsatzbereit“, nennt die Chefin ihre Leute. Das könne man trotz allem ja auch mal sagen.

Reisekosten für rumänische Arbeiter haben sich verfünffacht

Etwas positiver fällt das Saison-Fazit von Karl Panzer aus. Sein Obsthof Unterweiden verkauft unter anderem im eigenen Laden an der Martinstraße in Krefeld. Das Thema der Erntehelfer sei ein Punkt gewesen. Die Einreise der polnischen Arbeiter sei kein Problem gewesen. Bei den Menschen aus Rumänien gab es mehr Probleme. Flugverbindungen funktionierten im Frühjahr nicht so wie geplant. Die Flüge waren fünfmal so teuer wie üblich und zehn Tage zu spät, sagt Panzer. Das habe sich durch die Saison gezogen. Dennoch sagt der Landwirt: „Wir haben alles ernten können.“ Das liege daran, dass sein Hof nicht ganz so groß sei. Betriebe mit höherem Personalbedarf hätten sicher mehr Probleme.

Panzer fürchtet eher langfristige Probleme. Verursacher aus seiner Sicht ist die Politik, die zu wenig auf die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte achte. Auflagen zum Wasserschutz, Lohnkosten, bürokratische Verpflichtungen, Corona-Regeln – die Liste, an der er gerne ansetzen würde, ist lang. Zumindest in diesem Jahr hat Panzer aber Glück: Volle Ernte auf seinem Hof zu gestiegenen Preisen bei den Abnehmern. „Da hat der Markt funktioniert“, sagt Panzer.