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Ein würdevoller Abschied

Ein würdevoller Abschied

Auch wer mittellos stirbt, wird in Krefeld mit einem feierlichen Ritual beerdigt. Dafür sorgt der Begräbnisbund.

Krefeld. Menschen, die mittellos und ohne Angehörige sterben, werden meist ohne Trauergemeinde begraben. Seit 2009 begleiten ehrenamtliche Mitarbeiter des Krefelder Begräbnisbundes die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg auf dem Krefelder Hauptfriedhof und verabschieden sie würdevoll.

„In der Regel finden wir einen Pfarrer, bei Konfessionslosen haben wir selber ein kleines Ritual“, sagt Brigitte Koll, Vorsitzende des Krefelder Begräbnisbundes, die auch schon einem jüdischen Bürger und Muslimen das letzte Geleit gegeben hat. Neben einer Kerze und einem Blumenstrauß gehöre in der Regel ein „Vater unser“ dazu. „Erbärmlich“ seien solche Bestattungen dennoch, sagt Brigitte Koll. „Selbst der Pfarrer ist froh über unsere Begleitung.“

Der Name des Verstorbenen wird auf einer Gemeinschaftsgrabplatte eingraviert. Zudem lädt der Begräbnisbund zweimal jährlich zu einem ökumenischen „Gottesdienst der Erinnerung“ ein. Wer erst im Nachhinein vom Tod eines Kollegen oder früheren Nachbarn erfährt, kann sich hier verabschieden. Der nächste Gottesdienst findet am Donnerstag um 18 Uhr in St. Dionysius statt. Hier liegt auch ein Erinnerungsbuch aus, in dem die Namen der begleiteten Verstorbenen stehen.

Der Begräbnisbund hat Schüler motiviert, sich mit dem Thema Trauer zu beschäftigen und hieraus ein Logo zu entwickeln. Das vertikal lesbare Logo stammt von Kristina Kondatschkow, Schülerin der Designklasse des Berufskollegs Vera Becker. Die neue Internetseite entstand in Zusammenarbeit mit den Azubi-Projekten des Fördervereins für regionale Entwicklung mit Sitz in Potsdam. Friederike Siemon kreierte das Layout.

Ab dem kommenden Jahr bietet der Begräbnisbund eine Gemeinschaftsgrabstätte auf dem Hauptfriedhof an. Hier können sich künftig Vereinsmitglieder bestatten lassen, die ihre Beerdigung bezahlen und ein gepflegtes Grab wünschen. Der Krefelder Begräbnisbund hat sich um den Sozialpreis Innovatio beworben. „Aus 177 bundesweiten Projekten sind wir unter die besten zehn gekommen und erhalten 1000 Euro“, freut sich die stellvertretende Vorsitzende Eva Renard. Am 27. November wird der Preis in Berlin verliehen.