Ein neues Leben für den scheuen Pedro aus Angola

Ein neues Leben für den scheuen Pedro aus Angola

Der Junge hat eine Störung seiner Geschlechsentwicklung und eine Spaltbildung der Harnröhre. Mit drei Operationen helfen ihm die Mediziner im Maria-Hilf.

Krefeld. Pedro ist scheu. Im Krankenhaus Maria-Hilf wird der kleine Junge aus Angola nur langsam mit dem Personal warm. Nur bei einem Mitarbeiter taut der Siebenjährige richtig auf und spielt mit ihm. Dabei sind die Kinder, die im Rahmen der Aktion „Kinder brauchen Zukunft“ zur Behandlung nach Krefeld kommen, bereits nach kürzester Zeit der „Hahn im Korb auf der Station“, sagt die behandelnde Ärztin, Kinderurologin Dr. Susanne Krege.

Doch Pedro ist eben scheu. Dazu passt auch, dass das Kind aus Afrika bereits am Wochenende wieder zurück in das Friedensdorf nach Oberhausen wollte. „Er hatte so großes Heimweh“, sagt Krege.

Zwei Wochen hat der Siebenjährige zuvor in Krefeld verbracht. Es war bereits seine zweite Behandlung. Er hat eine schwere Störung hinsichtlich seiner Geschlechtsentwicklung und eine ausgeprägte Spaltbildung der Harnröhre. Pedro sieht aus wie ein Junge, ist aber keiner. „Er hat weibliche Chromosomen und keine Hoden“, sagt Krege. Zwar wurden im Bauch des Kindes Keimdrüsen entdeckt, diese sind aber keine männlichen Hoden.

Da Pedro in Angola medizinisch nicht behandelt werden kann, wurde er von Friedensdorf International nach Deutschland gebracht. Derzeit lebt er bei der Organisation in Oberhausen. Das Krankenhaus Maria-Hilf kooperiert mit dem Friedensdorf International bereits seit Jahren.

Seit Dr. Krege Chefärztin der Klinik für Urologie und Kinderurologie ist — seit fast zwei Jahren —, hat sie bereits vier Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten operiert. Drei wurden von Friedensdorf International vermittelt, ein Kind kam über die Ärzte-Hilfsorganisation Hammer Forum.

Pedro ist als Hermaphrodit ein besonderer Fall für das Krefelder Ärzteteam. Denn neben des Aufbaus der fehlgebildeten Harnröhre musste beschlossen werden, ob Pedro künftig als Junge oder Mädchen leben soll. „Es war eine schwere Entscheidung. Wir haben lange hin und her überlegt, und uns entschieden, dass er ein Junge bleiben soll“, sagt Krege.

In einem ersten Schritt wurden Pedro bereits im November die im Bauch gewachsenen Keimdrüsen entfernt. Diese bergen laut der Urologin mit steigendem Alter ein erhöhtes Krebsrisiko. Bei seiner gerade abgeschlossenen Behandlung haben die Ärzte Pedros Penis aufgerichtet.

Die schwerste Operation hat der kleine Junge aber noch vor sich: In einigen Wochen werden die Mediziner den Aufbau der Harnröhre vornehmen. „Das ist der aufwendigste Teil seiner Behandlung“, sagt Urologin Krege. Danach wird Pedro ganz normal als Junge leben. Da er keine Hoden hat, wird er aber keine Kinder zeugen können. Außerdem wird er ab dem zwölften Lebensjahr das männliche Hormon Testosteron bekommen.

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