Friedhof: Ein Grab wie in einem Garten

Friedhof : Ein Grab wie in einem Garten

Sechs Friedhofsgärtner haben auf dem neuen Hauptfriedhof einen Memoriam-Garten angelegt. Es gibt auch Urnenpartnergrabstätten.

Krefeld. 22 verschiedene Bestattungsformen bietet die Stadt Krefeld im Stadtgebiet bereits an. Man komme damit den unterschiedlichen Bedürfnissen entgegen, sagt Heike Blondin, die Leiterin der Krefelder Friedhöfe.

Dieses Ziel verfolgt auch eine weitere Variante, die sechs Friedhofsgärtner ab sofort auf dem Hauptfriedhof an der Heideckstraße verwirklichen: Sie haben an der Gedenkstätte der Kriegsgräberanlage im neuen Teil des Hauptfriedhofs einen Memoriam-Garten gestaltet.

„Jeder Friedhofsbesucher, der vorbeikommt, spricht uns darauf an“, sagen Stefan Peeters und Torsten von Holtum, die Geschäftsführer der GbR, die das Areal gestaltet. „Es sieht halt wie ein Garten aus.“

Ein Heckenbogen, Blühendes in den Beeten, mächtige Stelen als weithin sichtbare Wegweiser, ein Kreisel mit kleinem Rundlauf und Randbeeten: Die Anlage erinnert an einen Miniaturpark. Auf dem gut überschaubaren Areal werden vier verschiedene Bestattungsformen angeboten: die Erdbestattung im Sarg und drei Varianten der Urnenbestattung. „Es gibt Urnengräber unter einem Baum, Bestattungen im Urnenkreis- oder Urnenband sowie Urnenpartnergrabstätten“, erläutert Peeters.

Besonders macht das Angebot der sechs Friedhofsgärtner nicht nur die nur an dieser Stelle mögliche Partnergrabstätte, sondern der Verkauf der Grabstätte mit einem umfangreichen Pflegepaket.

Das wird mit Abschluss des Vertrags, der über 30 Jahre läuft, abgeschlossen. „Das gesamte Areal wird gepflegt, nicht nur die einzelne Grabstätte“, erläutert Edmund Kronenberg den Unterschied zu den Grabfeldern in Blickweite.

„Mindestens einmal in der Woche kümmert sich ein Gärtner darum, im Herbst auch häufiger.“ Ein Vertreter der Gesellschaft will dabei vor Ort und ansprechbar sein. „Es ist ein Komplettangebot.“ Über Bestattungsart und die Pflege informieren die Gärtner, „aber die Bestattung selbst und auch die Gebühren sind weiterhin die Angelegenheit der Stadt“, betont Heike Blondin.

Mit seinem Angebot reagiert das Sextett auf den Trend, Gräber anonym und pflegeleicht zu gestalten — oftmals, weil es keine Angehörigen gibt, die sich kümmern können oder wollen. Die Gärtner setzen einen Gegenakzent: „Friedhof“, sagen Peeters und von Holtum, „kann auch schön sein.“

Steinquader, die mit einer Holzsitzfläche verkleidet werden, stehen in dem Areal, die hochgewachsene Baumkrone spendet Schatten und um den Baum herum bietet die mit Natursteinen gemauerte Einfassung eine weitere Sitzgelegenheit. „Wenn nicht gerade die Gärtner herumfahren, ist es hier himmlisch ruhig“, sagt Elmar Femers lächelnd.

Ende der 80er Jahre, erinnert Dezernent Thomas Visser, sei die Friedhofskultur noch eine völlig andere gewesen. Zugehörigkeit und Verbundenheit der Familien habe sich auch in der Pflege der Gräber ausgedrückt. „Nur 15 Prozent der Verstorbenen wurden damals in einer Urne beerdigt“, sagt Visser. „Heute sind es deutlich mehr als 50 Prozent.“

Die Bestattungskultur spiegele die gesellschaftlichen Veränderungen wider. Früher habe es Familiengräber gegeben, „in dem lag schon der Urgroßvater und man wusste, dass man selbst auch da seinen Platz finden würde. Das ist nicht mehr so.“ Heute sei die Gesellschaft mobil, die Standortverbundenheit geringer.

Visser sieht die städtische Friedhofsverwaltung und die Gärtner-GbR Seite an Seite in dem Bemühen, „die Friedhofskultur hochzuhalten“.

Die GbR hat in die Anlage investiert. Eine Pacht zahlt sie der Stadt nicht. Dazu, sagt Heike Blondin, sei die Fläche mit insgesamt 810 Quadratmeter zu klein. „Hier in dem Garten ist alles möglich“, sagt Peeters. Ob am Ende eher Erdbestattungen oder eine Urnengrabvariante gewählt werden, bestimme die Flächengestaltung.

„Keiner weiß, wie die Nachfrage ist“, sagt Torsten von Holtum. In anderen Kommunen seien vor allem Erdbestattung und die Partnergrabstätten gefragt.