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Ein Blick auf die Stadt

Gastbeitrag : Staatsanwalt: Die Krefelder können sich sicher fühlen

Axel Stahl erklärt, warum er gerne in der Stadt wohnt – aber auch, was ihn stört.

Krefeld ist für mich nicht nur Dienst-, sondern auch Wohnort, daher betrachte ich die Stadt nicht nur aus dem Blickwinkel des stellvertretenden Leiters der hiesigen Staatsanwaltschaft, sondern auch aus dem eines Bürgers. Meine berufliche Sicht auf unsere Stadt ist eine positive. Obwohl Krefeld als eine „kleine Großstadt“ gilt, sind bei uns einige Kriminalitätsformen, die in größeren Städten zu beobachten sind, gar nicht oder nur in sehr schwacher Form anzutreffen. Rocker- und ethnisch geprägte Clankriminalität belasten das Leben der Bürger dieser Stadt in so geringem Maße, wie es politisch oder religiös/ weltanschaulich motivierte Straftaten tun. Natürlich ist sowohl für jeden von einer konkreten Straftat betroffenen Bürger als auch für die darüber unterrichtete Öffentlichkeit jede Tat eine Tat zu viel. Aber dort, wo Menschen in Gemeinschaften zusammenleben, sind Regelverstöße und damit auch die Verletzung strafgesetzlicher Vorschriften nie gänzlich zu verhindern.

In der Gesamtschau ist Krefeld eine Stadt, deren Bürger in dem Bewusstsein leben können, dass nicht nur ihre höchstpersönlichen Rechtsgüter – wie die an erster Stelle zu nennende körperliche Unversehrtheit –, sondern auch ihr Eigentum und Vermögen im Wesentlichen sicher sind.

Krefeld nimmt in einigen Deliktfeldern – wie beispielsweise der Bekämpfung der Wohnungseinbruchskriminalität – landesweit einen Spitzenplatz ein. Dies ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass in Krefeld die Zusammenarbeit zwischen allen an der Strafverfolgung beteiligten Akteuren außergewöhnlich gut funktioniert.

Ich führe dies ganz wesentlich auf einen Umstand zurück. Krefeld ist überschaubar, ohne klein oder provinziell zu sein. Man kennt sich in Krefeld, nicht nur in beruflichen Bezügen, sondern auch darüber hinaus. So sehr Anonymität die Verrohung im Umgang miteinander begünstigt, so sehr wirkt der persönliche Kontakt ihr entgegen und schafft die Basis für ein vertrauensvolles Miteinander. Ich schätze diesen – neben der aus der Geschichte der Stadt resultierenden Toleranz und Offenheit – in meinen Augen für Krefeld prägenden Gesichtspunkt ganz außerordentlich – sowohl beruflich als auch privat. Ein solches Miteinander habe ich weder in Berlin noch in Düsseldorf, wo ich auch schon gearbeitet und gewohnt habe, in einem solchen Ausmaß erlebt.

Dieser Vorzug wird in meinen Augen nicht etwa dadurch erkauft, dass man vieles von dem, was jene „wirklichen“ Großstädte im Alltagsleben bieten, allzu sehr vermissen müsste. Krefeld weist eine gute Kindertagesstätten- und Schullandschaft auf, das kulturelle Angebot ist vielfältig und kann entlang der Rhein-Ruhr-Schiene beliebig erweitert werden. Immer wenn ich lese, dass Krefeld in wie auch immer gearteten Attraktivitätsrankings auf hinteren Plätzen landet, stelle ich fest, dass mein persönliches Empfinden über die Frage, ob Krefeld eine lebenswerte Stadt ist, auseinander fällt.

Natürlich gibt es in Krefeld auch Dinge, die mich als Bürger dieser Stadt ärgern. Trotz der in meinen Augen unbestreitbaren Vorzüge unserer Stadt erlebe ich oft eine ausgeprägte Neigung, diese kleinzureden und nicht gelten zu lassen. Außerdem nehme ich mit meinem privaten Auge in der Auseinandersetzung über Fragen der Stadtentwicklung eine Tendenz wahr, alles lange und möglichst rückwärtsgewandt zu diskutieren, um eine Entscheidung zu vermeiden, bis sich die Frage vielleicht erledigt hat. Ich vermisse die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen, nachdem die Standpunkte lang und ausführlich ausgetauscht worden sind. In den großen und wenn man so will zukunftsweisenden Streitpunkten der jüngeren Vergangenheit (Zukunft des Seidenweberhauses, Stadthauses und Stadtbad, Rheinblick etc.) wird es nach meiner Auffassung keinen Kompromiss geben können, der alle dazu vertretenen Auffassungen zufriedenstellen kann. Als Einwohner dieser Stadt wäre ich einfach nur froh, wenn diese „Hängepartien“ endlich abgeschlossen würden.

Ebenso ärgere ich mich darüber, dass die Diskussion über Gruppen, die auf öffentlichen Plätzen durch sozial abweichendes und unangemessenes Verhalten den Aufenthalt für die „Mitte der Gesellschaft“ vergällen, aus meiner Sicht zu einseitig auf die Interessen der sozialen Randgruppen konzentriert wird. Ich bin der Auffassung, dass der öffentliche Raum zunächst denen zur Verfügung stehen sollte, die sich an die sozialen Normen halten.

Aber zu all diesen Fragen und vielen anderen kann man gewiss sehr unterschiedliche und auch von meiner Auffassung abweichende Meinungen vertreten. Sie ändern nichts daran, dass ich mich in Krefeld wohlfühle und hier gerne arbeite und lebe.