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Ein Besuch in einem Krefelder Waschasalon

Reportage : Warum der Waschsalon immer noch gefragt ist

Spätestens durch den Hit der Kölner Band BAP ist der Waschsalon Kult. Doch wer geht überhaupt noch in die Läden? Gespräche am Wäschekorb.

Draußen rappelt die Straßenbahn und drinnen rappeln die Waschtrommeln. Die Menschen huschen ins Ladenlokal des Waschsalons an der Hülser Straße und werfen ihre Klamotten ab. Manche bleiben, andere verschwinden, bis die Maschine fertig ist. Dieser Ort mit den wuchtigen Geräten und den kalten Fliesen auf dem Boden gehört in jede größere Stadt – seit Jahrzehnten. Manche sagen, dort lasse sich hervorragend flirten. Vielleicht liegt das nur am Hit der Kölner Band BAP zu den Vorzügen der Institution Waschsalon. „Ich jonn su unwahrscheinlich jähn met dir enn der Waschsalon“, heißt es da. Manche sagen, die Geschäfte seien aus der Zeit gefallen. Waschmaschine und Trockner sind längst keine Luxusgüter mehr. Aber warum gehen Menschen noch in die kleinen Läden?

Björn Niessen hat seine eigene Sicht. Die Menschen würden auch Autos und E-Roller teilen, da passe das Waschkonzept doch bestens zum Zeitgeist. Niessens Familie betreibt sieben Waschsalons für die Kette Eco-Express. Zwei davon in Krefeld. Niessens Vater ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Geschäft, Björn und Bruder Marcel helfen. An diesem Morgen müssen der 25-Jährige und der 27-Jährige eine der XL-Industriemaschinen, die 14 Kilo fassen, reparieren. „Die sind besonders gefragt“, sagt Björn Niessen. Da passen große Teile wie Bettwäsche rein, die die kleinen Geräte zu Hause nicht fassen können.

Ihre Arbeit sei ein Nischengeschäft, sagt Niessen. 80 Prozent der Menschen hätten eine eigene Maschine. Bei der Stammkundschaft spielt das Geld eine entscheidende Rolle. Viele, die nicht so viel haben, nutzen das Angebot. Deshalb laufen die Filialen in der Studentenstadt Münster besonders gut, sagt Niessen. „Eine Wäsche kostet 3,50 Euro. Da müssen Sie eine Menge waschen, bis Sie den Preis für eine eigene Maschine erreicht haben.“

Trotz des einfachen Grundkonzepts ist das Angebot aus Niessens Sicht kein Selbstläufer. Auf Details komme es an. „Die Anbindung ist wichtig“, sagt Niessen. „Gut ist hier, dass die Straßenbahnhaltestelle in der Nähe ist.“ Die Kunden sollen mit ihrem Gepäck nicht zu weit laufen. Im Laden möchte er Aufenthaltsqualität schaffen – mit Sitzgelegenheiten und Internetzugang. Zudem wünschen sich die Kunden vernünftige Betreuung, obwohl längst kein Personal mehr im Laden sitzt. Die Maschinen müssen über einen Automaten freigeschaltet werden. „Durchgängig von sechs bis 23  Uhr haben wir aber einen Telefondienst eingerichtet“, sagt Niessen. Sei ein Problem auf diesem Weg nicht zu lösen, fahre ein Mitarbeiter raus.

Während Björn Niessen erzählt, schraubt Bruder Marcel noch an der großen Maschine. „Das ist immer eine Fehlersuche“, sagt er. Derweil läuft um die Niessens herum der Betrieb.

Klaus Prinz – eine große Maschine: Klaus Prinz betritt den Waschsalon vollgepackt mit Matratzenschonern. Direkt geht der 58-Jährige auf die große 14-Kilo-Maschine zu. In einer guten Stunde möchte er wiederkommen, denn seine 60-Grad-Wäsche dauert: „Ich habe die Auflagen für das Wasserbett dabei. Für solche großen Sachen ist es gut, dass es Waschsalons gibt. Die passen nicht in die kleine Maschine zu Hause. Dort machen wir die normale Wäsche, da hat meine Frau das Sagen. Ich übernehme regelmäßig die Fahrten zum Waschsalon. Die Maschinen haben hier natürlich eine andere Steuerung als zu Hause. Aber wenn ich davor stehe, weiß ich wieder Bescheid. Insgesamt bin ich positiv angetan, auch weil es sauber ist. In einem schäbbigen Schuppen möchte man natürlich nichts waschen.“

Melanie Döring – zwei kleine Maschinen: Gemeinsam mit ihrem Sohn kommt Melanie Döring ins Geschäft. In einem kleinen Einkaufswägelchen rollen sie ihre Wäsche an die Geräte. Zusammen räumen sie ihr Zeug in die Trommeln, Melanie Döring erzählt: „Die Maschine zu Hause ist kaputt. Bis die neue geliefert wird, dauert es. Zum Glück müssen wir mit der Bahn nur drei Stationen herfahren. Dennoch ist das Schleppen natürlich belastend. Deshalb bin ich froh, dass mein Sohn dabei ist. Er kümmert sich hier um die Technik und passt auf. Ich gehe gleich einkaufen.“

Sabine Schröder – ein Trockner: An einer Wand des Salons stehen aufeinander gestapelt große Wäschetrockner. Während man zu Hause mehr als eine Stunde wartet, ist eine Ladung Wäsche mit den Industriegeräten in einer halben Stunde fertig. Sabine Schröder schließt die Luke des Trockners, neben ihr räumen zwei junge Männer aus Portugal ihre Sachen ein. Multikulti gehört zu einem Waschsalon, sagen die Inhaber. Schröder schaut aus dem Fenster auf den Verkehr der Hülser Straße. „Ich bin ganz, ganz selten hier. Nur wenn es dringend, also ein echter Notfall ist. Zu Hause habe ich nämlich nur eine Waschmaschine, trocknen lasse ich normalerweise auf der Leine. Doch das Bettlaken, das ich dabei habe, brauche ich heute Abend schon für meine neue Matratze. Und ich war mir nicht sicher, ob das an der Luft rechtzeitig trocken ist.“

Ute Thelen – eine große Maschine: Ute Thelen kommt mit mehreren Decken ins Ladenlokal. Auch sie braucht eine der großen Waschtrommeln. Noch schleudert allerdings die Wäsche von Klaus Prinz und Marcel Niessen ackert weiter am defekten Gerät. Sie könne eben warten, sagt die 75-Jährige und quatscht in der Zwischenzeit ein bisschen mit der Inhaberfamilie: „Meine Steppdecken passen ja nur in die großen Maschinen hier. Deshalb komme ich ein paar Mal im Jahr extra aus Kempen hierher. Dort müsste es eigentlich auch einen Waschsalon geben. Obwohl ich natürlich nicht weiß, ob sich das rechnen würde. Dass es sich rechnet, wünsche ich dem Betreiber hier. Ich zahle neun Euro für alles, das finde ich okay. Wenn ich meine Sachen einräume, hoffe ich nur, dass vor mir niemand seine Hundedecken in die Maschine reingeschmissen hat. Bislang ging aber zum Glück alles gut.“