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E-Mails von großer Tiefe und Offenheit

E-Mails von großer Tiefe und Offenheit

Zsuzsa Bank liest aus „Schlafen werden wir später“.

Über 100 Zuhörer waren in die Mediothek gekommen, vereinzelte Herren wurden auch gesichtet: Zsuzsa Bank las aus ihrem neuen Roman „Schlafen werden wir später“. Die Einführung hatte Wolfgang Behl vom „anderen Buchladen“ übernommen und erinnerte zunächst daran, dass die Frankfurter Autorin mit ungarischen Wurzeln schon mit ihrem Erstling „Der Schwimmer“ vor 15 Jahren in Krefeld zu Gast war. Dann stellte Bank die Konstellation in ihrem Buch vor: Zwei Freundinnen schreiben sich E-Mails, sie sind als Gegenentwürfe konzipiert, sie erfahren unterschiedliche Entwicklungen.

Die Lyrikerin Martha lebt ein städtisches Familienleben mit finanziellen Unsicherheiten, da sie und ihr Mann Künstler sind. Ihre beste Freundin Johanna lebt im Schwarzwald, hat als Deutschlehrerin eine gesicherte Existenz, arbeitet an ihrer Dissertation über Annette von Droste-Hülshoff und verbringt gerne Zeit in der Natur. „Beide sind Literaturkennerinnen“, sagt die Autorin. Deswegen hat sie in den E-Mail-Austausch auch zahlreiche Zitate eingebaut, die Belesenheit demonstrieren. Bank beginnt das Vorlesen mit einer E-Mail von Martha. Es geht ins Krankenhaus, wo die Ersatzgroßmutter Lori schwer erkrankt liegt. Martha klagt sich bei ihrer Freundin aus. Sie antwortet positiv: „Vielleicht geht alles gut aus“, schreibt sie zurück. Die nächste Mail ist dann von Martha, und darin wird schon einiges deutlich. Johanna geht hier auf die Anliegen von Martha ein, während die unzufriedene Mutter selten Bezüge herstellt. Der Stil der Mails ist äußerst gehoben und verweist damit auf die klassische Form des Briefromans.

Zsuzsa Bank, Autorin

In einem zweiten Teil las die Autorin dann aus einer Sommerzeit. Darin erfährt man dann von den ungarischen Wurzeln Marthas. Die Kinder verbringen die Ferien bei den Großeltern, und das gibt Martha Gelegenheit, von der Familie in Ungarn, von der eigenen Kindheit zu erzählen und immer wieder Sinnsprüche der Vorfahren zu zitieren. Auch hier viel Trauriges - was den Moderator Wolfgang Behl dazu veranlasste, eine Art Hitliste der Probleme der Freundinnen aufzustellen. Und auch zu sagen: „Die Männer kommen schlecht weg.“ Bank konnte dem nicht zustimmen. Die Männer im Roman nennt sie „sehr attraktiv“. Und: „Ich schreibe nicht, um fortlaufend Glück über 700 Seiten zu erzählen. Es gibt auch leichte und lustige Passagen. Sie tun nichts anderes als den nächsten Glücksmoment zu suchen.“ chs