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Ärger: Dreck und Lärm: Krefelder fühlen sich von Nachbarn tyrannisiert

Ärger : Dreck und Lärm: Krefelder fühlen sich von Nachbarn tyrannisiert

Bewohner an der Alten Linner Straße wenden sich hilfesuchend an die WZ. Sie fühlen sich von Polizei und Ordnungsamt im Stich gelassen.

Krefeld. Dreckige Teppiche hängen über den Zaun an der Alten Linner Straße 24. Im Vorgarten liegt Müll. Der Platz schräg gegenüber an der Seidenstraße sieht beschämend aus. Dort lagern ein altes Sofa, Stühle und weiterer Sperrmüll. Scherben liegen auf dem Boden, überall ist es dreckig.

„Das ist der Alltag hier“, sagt Yvonne Heikampf, Anwohnerin an der Alten Linner Straße 24. Der Zaun, auf dem die dreckigen Teppiche hängen, gehört eigentlich zu dem Mehrfamilienhaus, in dem sie wohnt. Teppiche und Müll sollen aber von den Nachbarn aus dem Wohnhaus gegenüber an der Seidenstraße stammen. „Aber der Dreck ist ja noch das harmloseste“, sagt Heikampf und ergänzt: „Hier wird jeden Abend bis früh morgens so ein Lärm gemacht, dass wir nicht mehr schlafen können und regelmäßig Polizei und Ordnungsdienst rufen.“ Verursacher sollen wieder die Nachbarn von gegenüber sein.

Das bestätigen auch 15 weitere Mieter, die sich vergangene Woche an der Alten Linner Straße versammelt haben, um der WZ vor Augen zu führen, dass sie unter diesen Umständen nicht mehr lange in ihren Wohnungen leben wollen. „Es ist schrecklich, die Leute pinkeln an unser Haus, brüllen rum, lassen nicht mit sich reden“, macht Kerstin Schmidt ihrem Ärger Luft. Erst vergangene Woche sei ihr Hund mit einem Pflasterstein beworfen worden und musste beim Tierarzt behandelt werden.

Nachbarn wurden Prügel angedroht, die vor Ort die Darstellungen von Yvonne Heikampf und Kerstin Schmidt stützen, aus Angst vor den Nachbarn von der Seidenstraße aber nicht alle mit Namen in der Zeitung erscheinen wollen. „Ich lasse meine Kinder abends hier nicht mehr alleine raus“, sagt Kerstin Schmidt. Ihre Kinder seien bereits bespuckt und angepöbelt worden. „Ich will nicht, dass noch mehr passiert.“

Mit dem Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) sind die Anwohner seit längerer Zeit im Austausch. Von Seiten der Stadt heißt es: „Die Beschwerdelage vor Ort ist bekannt. Daher bestreift der Kommunale Ordnungsdienst diesen Bereich regelmäßig im Rahmen seiner dienstlichen Möglichkeiten. Soweit ordnungsrechtliche Verstöße festgestellt werden, werden diese auch konsequent geahndet“, sagt Stadtsprecher Manuel Kölker.

Viel unternehmen kann der KOD aber nicht, wenn Verstöße nicht direkt vor den Augen der Mitarbeiter geschehen. „Deshalb wenden wir uns auch immer wieder an die Polizei“, berichtet Yvonne Heikampf. Diese traue sich nach Aussage von Kerstin Schmidt aber auch nur mit gezücktem Pfefferspray in das berüchtigte Haus gegenüber. „Wir rufen fast täglich in der Leitstelle an, um zu zeigen: es geht nicht mehr. Wir müssen arbeiten, wir haben Familien und werden hier terrorisiert“, klagt Heikampf, die versichert, alle Gespräche mit den Nachbarn seien ergebnislos verlaufen. „Die Grundstimmung ist so aggressiv, da bekommt man richtig Angst.“

Die Polizei indes will nichts zu gemeldeten Einsätzen an einzelnen Adressen sagen, erklärt aber: „Wir nehmen die Sorgen der Anwohner ernst. Im Rahmen des Präsenzkonzeptes Innenstadt wird der Bereich Seidenstraße öfter bestreift.“ Yvonne Heikampf und Kerstin Schmidt reicht das nicht. Sie haben Unterschriften gesammelt und lassen sich von einem Anwalt beraten.

Auch ihr Vermieter — die Wohnstätte Krefeld — will zur Verbesserung der prekären Situation beitragen. „Wir wollen uns hier nicht vertreiben lassen, aber wir können nicht mehr“, sagt Heikampf.