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Dr. Paulitschek, Arzt aus Leidenschaft

Dr. Paulitschek, Arzt aus Leidenschaft

Seit mehr als 30 Jahren setzt sich der 98-Jährige für die medizinische Versorgung auf den Philippinen ein. Nichts zu tun ist für ihn keine Option.

Stadtteile. Nichts tun, wegsehen — das ist für Otto Paulitschek nicht möglich. Sein ganzes Leben lang hat der Mediziner aus Krefeld die unterstützt, denen es schlecht geht. Auch noch mit 98 Jahren ist er rastlos, setzt sich ein für die Bonner Hilfsorganisation „German Doctors“ ein, die bis 2013 „Ärzte für die Dritte Welt“ hieß.

26 Mal war er nach seinem Rentenantritt auf den Philippinen, um dort Erkrankte zu behandeln. Ehrenamtlich, auf eigene Kosten. 25 Jahre arbeitete er als Chef der Chirurgie im Krankenhaus Maria-Hilf. Mit 65 Jahren ging er in Rente. Aufgehört zu arbeiten hat er allerdings nicht. „Ich wollte mich weiter als Arzt engagieren. Ich ging auf die Suche und fand eine neue Aufgabe, die ich gerne angenommen habe“, sagt er.

Auf den Philippinen behandelte er Tuberkulose-Patienten und Leprakranke. Krankheiten, von denen man heutzutage in Deutschland selten etwas hört. Das war auch vor über 30 Jahren schon so, als Paulitschek das erste Mal auf die Philippinen flog. „Vieles kann man sich nicht vorstellen. Die medizinische Versorgung ist nicht mit der unseren zu vergleichen. Das war sie nie“, sagt er.

Otto Paulitschek über seinen Einsatz auf den Philippinen

Neben der Behandlung der Patienten war schnell klar: Es braucht vor allem eine bessere Versorgung, eine bessere Unterbringung der Medikamente und der Erkrankten. Er wollte das ändern. Keine leichte Aufgabe in den Elendsquartieren von Tondo, einem Distrikt der philippinischen Hauptstadt Manila. Behandlungsräume fehlten, die Gegend war gefährlich, ohne Schutz konnten die Ärzte sich nicht in die Slums zu Patienten wagen. „Das war eine wirklich abenteuerliche Zeit. Aber wir haben uns durchgekämpft, vieles bewegt, worauf wir stolz sind“, sagt Paulitschek.

Trotzdem gab es immer wieder Probleme mit der der Regierung. Die Philippinen galten Mitte der 1980er Jahre als korruptestes Land im asiatischen Raum. Die Spenden, die Paulitschek in Deutschland für seine Projekte auf den Philippinen sammelte, drohten ein ums andere Mal verloren zu gehen. „Man musste selbst dafür sorgen, dass das Geld auch dort ankommt, wo es hin sollte.“ Doch nicht nur Geld war schwer in das Land zu bringen.

Paulitschek und seine Kollegen wollten unbedingt einige Container voller Hilfsgüter liefern lassen. „Das war aber nicht leicht. Uns ist es aber nach einigen Rückschlägen schließlich gelungen, sie offiziell und ohne Schmiergeld einzuführen“, erinnert er sich. Mit 95 Jahren war er zum letzten Mal in dem Land, allerdings nicht, um dort Urlaub zu machen. „Ich habe gehört, es gibt dort schöne Strände“, sagt er und fügt augenzwinkernd hinzu: „Ich kenne einige, aber viel Zeit dafür habe ich mir nie ge-nommen.“

Auch 1995 arbeitete noch selbst mit, den hohen Temperaturen und unkomfortablen Umständen zum Trotz. Auch wenn er nicht mehr vor Ort für eine bessere Versorgung kämpft, so hat er seine Rastlosigkeit noch immer nicht abgelegt. In Deutschland setzt er sich weiter ein, schreibt Spendenbriefe und Mails, telefoniert mit Spendern, hält Vorträge und steht noch immer in engem Austausch mit der Dachorganisation seines Vereins.

So lange es eben geht will der Vater von fünf Kindern und mehrfache Großvater und Urgroßvater weiter machen. Nichts tun - das kommt für ihn halt nicht in Frage. Auch nicht mit 98 Jahren.