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Dorf in Angst vor Krefelder Firma

Dorf in Angst vor Krefelder Firma

Eine Tochter der CC-Gruppe baut im Kreis Ahrweiler Ton ab. Befürchtung, die Grube werde mit Sondermüll verfüllt, wird von CC zerstreut.

Krefeld. Leimersdorf hat 1250 Einwohner, verteilt auf drei Ortsteile, einen Fußballverein, eine Kneipe, ein Steakhaus und ganz viele Obstbäume. Und es hat an der Landskroner Straße ein riesiges Loch, das von den Leimersdorfer Tonwerken Jakob Linden ausgebeutet wird.

Unter der Erde befinden sich Braunkohle und — in tieferen Schichten — heller Ton. Aus Angst vor Erweiterung haben Leimersdorfer unlängst „Sperrgrundstücke“ rund um die gut 30 Meter tiefe Grube zwischen Niederich und Oeverich aufgekauft.

So soll verhindert werden, dass sich die in Krefeld ansässige Mutter — das Unternehmen CC Umwelt — breiter machen kann. 300 000 Euro haben die Bauunternehmerin Constance Kunkel und 25 weitere Leimersdorfer für 34 500 Quadratmeter auf den Tisch gelegt, fast das Fünffache dessen, was landwirtschaftliche Fläche etwa 10 Kilometer südlich der NRW-Grenze kostet. Höhepunkt des Kampfes von Bürgern und Bauern gegen ein befürchtetes „Endlager“.

Die Tonwerke Jakob Linden gehören seit 2007 zur CC-Gruppe. Geschäftsführer: Hans-Jürgen Söhner, ein Gelsenkirchener, der aus der Glasindustrie kommt.

Söhner zerstreute im Gespräch mit der WZ die Befürchtungen: „Wir werden dort keine gefährlichen Stoffe deponieren. Wir würden vom Landesamt für Geologie und Bergbau in Mainz auch keine Genehmigung bekommen. Was vor sechs Jahren gesagt worden ist, hat keinen Bestand mehr.“

Er bezieht sich auf eine Äußerung des CC-Gründers Manfred Wierichs: „Wir haben Genehmigungen, die über 2020 hinausgehen, um sicherzustellen, dass wir weiter ablagern können. Auf der anderen Seite betreiben wir eine Tongrube. Damit schaffen wir Raum, um dort obertägig Stoffe abzulagern, die in Ton eingebettet über 2020 hinaus eingelagert werden können.“ Wierichs sei nicht mehr verantwortlich bei CC.

Bundesweit ist Leimersdorf bereits 1989 in die Schlagzeilen geraten. Die alte Tongrube auf der anderen Seite der Straße ist mit Reststoffen aus Gießereien, die polizyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthielten, und schwermetallhaltigen Rückständen aus der Rauchgasentschwefelung verfüllt worden.

Im Januar 2008 durfte CC-Geschäftsführer Hans-Jürgen Söhner 1000 Euro „Lehrgeld“ an die Staatskasse von Rheinland-Pfalz zahlen. Im Gegenzug wurde ein Umweltstrafverfahren gegen ihn eingestellt. In Grünschnitt für die Renaturierung der alten Grube tauchte Kunststoff-Schredder auf.

„Ich wusste das nicht“, räumt Söhner den Fehler ein, nicht kontrolliert zu haben, was angeliefert wurde. Heute sind es Wechselbrücken, die von einer Spedition angeliefert werden und Argwohn von Nachbarn geweckt haben.

Hans-Jürgen Söhner: „Da ist roter Ton aus Italien drin, den wir mit unserem hellen Ton mischen“. In der Toskana sitzen die Hauptabnehmer des Leimersdorfers Bodenschatzes, aus dem Fliesen, Toilettenschüsseln und Waschbecken werden. „Braunkohlehaltiger Ton ist interessant für Klinker und Dachziegel“, erklärt der Diplom-Ingenieur.

Pro Monat werden 10 000 Tonnen Ton aus der Leimersdorfer Grube gefördert. Vom Bagger bis zur Verladestation wird der Rohstoff mit 60 Tonnen schweren Dumpern über die Kreisstraße transportiert.

Schäden an der Straße, Staub und die „Annektierung“ eines öffentlichen Weges werden angeprangert. Söhner verweist im Gespräch mit der WZ auf „ständige Kontrollen“ des Bergbauamtes und auf Bauern, „die bei der Ernte Staub machen“.

Leimersdorfern könne man es nie recht machen: „Gegen einen Spielplatz am Rand der Betriebsstätte haben sich Nachbarn gewehrt.Wegen des erwarteten Lärms. Bäume wollten sie auch nicht — wegen des Laubes. Jetzt kriegen sie eine Wiese.“