Alternative für Seidenweberhaus: Diskussion um Kesselhaus: Kritik, viele Fragen, Anerkennung

Alternative für Seidenweberhaus : Diskussion um Kesselhaus: Kritik, viele Fragen, Anerkennung

Der Donnerstagabend konnte nicht alle Fragen zum Kesselhaus-Projekt beantworten. Die kontroverse Debatte zeugt von Interesse.

Krefeld. Mit Spannung und Neugier verfolgten am Donnerstagabend 300 Bürger die Präsentation des Kesselhauses als mögliche neue Veranstaltungshalle Krefelds im Business Park Mies van der Rohe an der Girmesgath. Nicht zuletzt hatte ein politischer Streit in den letzten Tagen das ohnehin spannende Thema noch angeheizt. Schließlich geht es nicht nur um eine neue Spielstätte für die Stadt, sondern auch um die Zukunft des Seidenweberhauses und um sehr viel Geld. So standen bei der anschließenden Diskussion vor allem Fragen zu Kosten und Finanzierung im Blickpunkt.

Foto: abi

Soviel vorab: Eine große Mehrheit der Anwesenden war von dem Siegerkonzept des Wettbewerbs aus sieben Architekturbüros begeistert — von der multifunktionalen Nutzung von bis zu sieben parallel möglichen Veranstaltungen über die Architektur im Bauhausstil von Mies van der Rohe bis zu dem stimmungsvollen Ambiente außerhalb und innerhalb der verschiedenen Ebenen des Kesselhauses. Das liegt daran, dass das renommierte Architekturbüro Heinrich Böll aus Essen unter anderem mit der Zeche Zollverein und der Alten Samtweberei in Krefeld erfolgreich historische Bauwerke in Szene gesetzt hat. Als weiteren Grund nennt Eigentümer Wolf-Reinhard Leendertz, dass man sich an visionären Projekten wie dem E-Werk in Köln orientiert hat, das beim Kesselhaus Pate stand.

Eine Kernfrage aus dem Zuhörerkreis, ob eine Entscheidung für das prämierte Kesselhaus-Konzept das Aus für das Seidenweberhaus (SWH) bedeutet, konnte Leendertz mangels Zuständigkeit nicht beantworten. Das obliegt dem Stadtrat. Allerdings legt die Finanzierungsrechnung nah, dass der Stadt kaum eine andere Wahl als die Schließung des SWH als Veranstaltungsstätte bleibt, weil dadurch jährlich eine bis drei Millionen Euro eingespart werden könnten. Leendertz: „Die alte Stadthalle ist tot, ein Auslaufmodell. Eine Neuauflage wäre ein Fiasko.“ Das gelte unabhängig von Krefeld für alle traditionellen Spielstätten. Das heutige Event-Publikum se Leendertzi nur mit Spielstätten anzulocken, die sich Ambiente und Location auf die Fahnen geschrieben haben.

Wolf-Reinhard Leendertz

Eine Frage, die die Bürger wie auch die Politiker aller Parteien interessierte, war die nach den Kosten für die Stadt. Auf 32 Millionen Euro ist das Projekt veranschlagt. Für die Finanzierung müssen Investoren und Banken gefunden werden. Als Mieter und Betreiber setzt Leendertz auf die Stadt. Sie müsste 20 Jahre lang jährlich 1,67 Millionen Euro Miete zahlen, rechnet er vor. Das rechne sich bereits bei 253 Veranstaltungen im Jahr, was bei sieben Spielstättenvarianten noch niedrig kalkuliert sei. Als Betreibergesellschaft würde sich die städtische Seidenweberhaus GmbH anbieten.

SPD-Ratsherr Hans Butzen, der das Konzept des Kesselhauses lobte, stellte die Frage, ob die Rechnung mit oder ohne den Wirt, sprich die städtische Betreibergesellschaft, gemacht wurde. Er erinnerte daran, dass diese ein Defizit im zweistelligen Millionenbereich vor sich herschiebe und befürchtet eine weitere Verschuldung. Leendertz meinte, es sei eine Grundsatzentscheidung der Stadt, wie viel sie sich eine Kulturstätte kosten lassen wolle. Außerdem setzt er den Imagezuwachs dagegen, sieht das Kesselhaus in einer Reihe mit Eiffelturm in Paris oder Atomium in Brüssel. Sein Konzept enthält eine Reihe von Einsparvorschlägen, um die Kosten zu reduzieren. Auch nannte er eine Reihe von Fördermöglichkeiten, die das denkmalgeschützte Projekt nutzen könnte und die die Bundesbau- und Umweltministerin Barbara Hendricks kürzlich bei ihrem Besuch avisierte.

Ein Teilnehmer wollte wissen, wer die Garantie für die Kosten übernimmt, ob die errechneten Einnahmen realistisch sind, wer die Parkplätze finanziert und gegebenenfalls ein Hotel. Auch hier bleibt der „Schwarze Peter“ wohl weitgehend bei der Stadt. Die Einnahmen seien auf der Basis vergleichbarer Objekte kalkuliert, sagte Leendertz. Er rechnet mit Mieterlösen von 650000 Euro und Gastronomieeinnahmen von mehr als einer Million Euro. Parkraum müsse allerdings noch geschaffen werden. Erst 350 Plätze seien auf dem Gelände und in unmittelbarer Nachbarschaft vorhanden. Mitnutzen wolle man den Parkplatz am Stadthaus, der auf 800 Parkplätze in Form von Parkdecks erweitert werden könne und gleichzeitig den Bedarf der Eishallen abdecken würde. Hier würde der Businesspark die Finanzierung übernehmen. Insgesamt sieht der Plan 1500 Parkplätze vor.

Maximal 3000 Besucher passen zusammen in die verschiedenen Erlebnisbereiche, rund 1000 in den größten Teil, den „Dome“. Nur bei Pop-Konzerten mit überwiegend Stehplätzen sind größere Gästezahlen realisierbar.

Jetzt liegt es beim Stadtrat, die Kosten für die verschiedenen Konzepte — wie das des Unternehmers Gerald Wagener — zu bewerten, Kassensturz zu machen und bei allem das Ziel der Entschuldung des Haushalts bis 2020 nicht aus den Augen zu verlieren.

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