Diskussion im Krefelder Südbahnhof: "Sag bloß nicht, dass du Roma bist"

Diskussion : Sag bloß nicht, dass du Roma bist

„Wenn du was werden möchtest, Junge, dann sage bloß nicht, dass du zu den Roma gehörst“, – diesen Rat bekam nicht nur Kasm Cesmedi mit auf den Weg, auch viele Roma-Kinder aus seinem Umfeld hörten diesen Satz.

Der Lehramtsanwärter nahm teil an einer Diskussionsrunde im Südbahnhof mit dem Thema „Sichtbarkeit der Roma im Quartier – zwischen Faszination und Angst“, veranstaltet vom Kommunalen Integrationszentrum (KI) in Kooperation mit dem Werkhaus, dem Verbund samo.fa (Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen) und unterstützt vom Integrationsministerium NRW.

„Fishbowl“ heißt die Diskussionsmethode, die während der zweistündigen Veranstaltung angewendet wurde. Dabei können Besucher den freien Platz der Rederunde nutzen, um den Experten Fragen zu stellen oder Statements abzugeben. Neben der Moderatorin und Integrationsbeauftragten Tagrid Yousef bestand die Expertenrunde aus Andreas Pamp, Leiter des Fachbereiches Migration und Integration, Marco Heinz, Ethnologe, Manfred Grünwald, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Krefelder Bürgervereine, Gisela Brendle-Vierke, Bezirksvorsteherin Süd, und Kasm Cesmedi.

„Antiziganismus ist allgegenwärtig“, erzählt Cesmedi. Ein Symptom sei, dass sich viele Roma nicht zu ihrer Ethnie bekennen, aus Furcht vor Benachteiligung. So komme es, dass viele Roma, die zum Beispiel qualifizierte Ausbildungen und Studiengänge sowie erfolgreiche Lebenswege aufweisen können, im Verborgenen blieben. Dagegen dominierten in der öffentlichen Wahrnehmung problematische Fälle. Einer betrifft den Schulbesuch, eine Sozialarbeiterin berichtete über regelmäßiges Schwänzen von Roma-Kindern.

Die Herausforderungen seien bekannt, so Cesmedi. Es gelte, die Hintergründe des Verhaltens zu begreifen und vertrauensbildende Angebote zu machen. In den Herkunftsländern wie Rumänien, Bulgarien und im ehemaligen Jugoslawien leben die Roma in Armut, haben kaum Bildung genießen dürfen und wurden vielfach verfolgt. In Deutschland angekommen, zögen sich die Menschen in die Familien zurück, „es herrscht ein großes Misstrauen“. Cesmedi habe gute Erfahrung mit herkunftssprachlichem Unterricht an Kölner Schulen gemacht, dabei wird Romanes – die Sprache der Roma – unterrichtet und Eltern sowie Großeltern können eingebunden werden. Mehrere Fachleute und Institutionen boten sich an, vermittelnd bei konkreten Problemen einzutreten: „Melden Sie sich beim Kommunalen Integrationszentrum, wir werden Kontakte herstellen“, sagte Tagrid Yousef.

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