Digitalisierung der Krefelder Schulen: Sanierungen teurer als geplant

Sanierungen : Kostenexplosion bei Digitalisierung von Krefelder Schulen

Die Stadt Krefeld will Millionen-Mehrkosten von Schulsanierungen mit Fördermitteln kompensieren – und muss aber erst einmal Personal finden, welches die Anträge dafür stellt.

Die Schulbauoffensive „Krefeld macht Schule“ ist eines der größten Projekte, das die Stadt derzeit anpackt. Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von knapp 143 Millionen Euro sollen bis 2022 realisiert werden. Da liegt es in der Natur der Sache, dass sich im Verlauf des Projektes immer wieder Änderungen ergeben können. Durch neuen oder geänderten Bedarf werden einzelne Maßnahmen größer, veränderte Marktbedingungen verteuern die Bauprojekte oder verzögern sie.

Laut Sachstandsberichts, den die Verwaltung am Dienstagabend im Unterausschuss Schulbau, -sanierung und -ausstattung präsentiert, zeichnet sich allerdings bei einer ganzen Reihe von Maßnahmen eine Anpassung der Finanzplanung ab, die man eigentlich nur als Kostenexplosion bezeichnen kann: Allein im Bereich der Digitalisierung prognostiziert die Verwaltung bei den zehn umfangreichsten Maßnahmen eine Kostensteigerung von über 1,3 Millionen Euro auf mehr als das Doppelte.

Nötige Erneuerungen wegen des Instandhaltungsstaus

Aufgrund der angespannten Marktlage gestalte sich die Durchführung der Digitalisierung als sehr schwierig, heißt es in der Ausschussvorlage. Ein Personalmangel bei den Fachfirmen wird als Grund angeführt ebenso wie eine Ausweitung der Baumaßnahmen.

Ein weiterer wichtiger Grund für die Kostensteigerungen seien unvorhergesehene Erneuerungen an den elektrischen Anlagen der Schulen. Wegen des Instandhaltungsstaus müssten diese im Zuge der Digitalisierung meist grundsätzlich saniert werden.

Auch im Bereich des Brandschutzes müsse umgerüstet werden, um den aktuellen Vorschriften zu entsprechen. An der Gartenstadtschule, an der Breslauer Straße und am Buscher Holzweg in Traar mussten so beispielsweise alle elektrischen Verteilungen und ein Großteil der Leitungen erneuert werden. Die Flure wurden von Brandlasten befreit. Diese Arbeiten führten teilweise bis zu einer Verdreifachung der geplanten Kosten.

Besorgniserregend findet man diese Entwicklung im Rathaus aber offensichtlich nicht. Als Lösung des Problems findet sich in der Ausschussvorlage der Verweis: „Die Mehraufwendungen können im Rahmen des Förderprogramms Digitalpakt Schule finanziert werden.“ Tatsächlich kann die Stadt Förderungen von bis zu 13 Millionen Euro aus dem Digitalisierungspaket des Landes abrufen, zuletzt zeigte man sich in der Krefelder Verwaltung dazu aber noch völlig unvorbereitet. Es gebe noch gar kein Personal, hieß es, um überhaupt jene Anträge auszuarbeiten, mit denen das Geld beantragt werden muss. Hinzu kommt, dass Maßnahmen nur zu 90 Prozent aus dem Digitalpakt finanziert werden dürfen. Zehn Prozent der Mehrkosten müsste die Stadt demnach immer noch selbst tragen.

Nicht nur an der Grundschule Buscher Holzweg in Traar mussten Leitungen und Verteiler aufwendig erneuert werden. Foto: Stadt Krefeld

Mehrkosten auch bei neuen Toiletten und Dächern

Aber auch bei weiteren Großprojekten, die nicht die Digitalisierung der Schulen betreffen, zeichnen sich immense Kostensteigerungen ab: Die Bereitstellung der Containerklassen an der Forstwaldschule soll statt 63 000 nun 280 000 Euro kosten. Es müsse erst die notwendige Infrastruktur geschaffen werden, zudem gebe es Mehrkosten durch längere Bauzeiten bei der Schulsanierung, so die Begründung. Die neuen Fenster an der Mariannenschule sollen 315 000 statt bislang 235 000 Euro kosten. Leitungsmängel verteuern den Umbau der Sanitäranlagen an der Paul-Gerhardt-Schule von 212 000 auf 300 000 Euro.

Die Sanierung der Toiletten von Turnhalle und Schule am Gymnasium am Stadtpark sind zu einer Baumaßnahmen zusammengefasst worden. Die soll nun 505 000 Euro kosten. Auch hier müssen Rohrleitungen erneuert werden. Und die Flachdachsanierung am Schulzentrum Horkesgath muss ausgeweitet werden, was zu einer Kostensteigerung von 250 000 auf 650 000 Euro führt. Finanziert werden sollen die Mehrkosten durch eine Verschiebung von Projekten in die Jahre 2023 und 2024. Zusammenfassend heißt es, es ergäben sich „keine unmittelbaren Auswirkungen“ auf die Haushaltswirtschaft.