Dietmar Meißner nimmt Abschied

Dietmar Meißner nimmt Abschied

Der 60-Jährige wurde nach 36 Jahren bei der Feuerwehr Krefeld feierlich verabschiedet.

Dietmar Meißner ist ein Kind des Ruhrgebiets. Und seine Herkunft will der Wahl-Hülser auch gar nicht verleugnen, auch nicht nach fast 36 Jahren bei der Krefelder Feuerwehr, als deren Chef er gestern im Foyer der Hauptwache feierlich verabschiedet wurde. „Glück auf“, wünschte er seinen nun ehemaligen Kollegen noch zum Schluss seiner Abschiedsrede für die kommenden Aufgaben.

Frank Meyer, Oberbürgermeister

Meißner, in Wanne-Eickel geboren, in Gelsenkirchen aufgewachsen, stand zuletzt drei Jahre an der Spitze des Fachbereichs, davor war er zwei Jahrzehnte Stellvertreter von Josef Dohmen. Oberbürgermeister Frank Meyer beschlich die Wehmut in seiner Laudatio, in der er noch einmal an die Dienste des 60-Jährigen erinnerte: „Es fällt schwer, ihn gehenzulassen. Einen, auf den man sich verlassen konnte.“ Meißner hatte keinen klassischen Werdegang eines Feuerwehrchefs eingeschlagen. Aus einer Bergbau-Familie entsprungen, ließ er sich mit 15 Jahren zunächst zum Maurer ausbilden, später folgte ein Studium des Bauingenieur-Wesens. Als Quereinsteiger bewarb er sich bei der Krefelder Feuerwehr, begann im gehobenen Dienst als Einsatzleiter und Planer in der Einsatzvorbereitung und im Brandschutz. „Bei meiner Bewerbung wusste ich gar nicht, wo Krefeld liegt“, erzählt Meißner nicht frei von Selbstironie.

An seinen ersten Einsatz als Zugführer kann er sich noch gut erinnern. In einem Malergeschäft an der Ecke Uerdinger/Philadelphiastraße brannte ein Keller. Als er und sein Trupp von der nahegelegenen damaligen Zentrale an der Florastraße eintrafen, war der Sachschaden schon enorm, wie er heute erzählt. Das war 1985. Meißner schätzt den Beruf als Feuerwehrmann: „Es ist die große Vielfalt, die mich fasziniert hat, die breit gestreuten Aufgaben. Aber auch das Einsatzgeschehen — man weiß nie, was einen erwartet. Vor allem aber die Teamarbeit und das gegenseitige Vertrauen, der Respekt ist das, was mir sehr gefallen hat.“

Daneben hat den scheidenden Chef aber auch das Berufsethos der Löschmannschaften imponiert: „Dieser unbedingte Wille, den die Leute an den Tag gelegt haben, um den Einsatz zu meistern, hat mich beeindruckt. Es hieß immer: ,Geht nicht, gibt’s nicht.’“ Mit dem Tod ist Meißner auch konfrontiert worden, das ist wohl in diesem Berufsalltag mit dem steten Kampf gegen das Feuer und die Zeit nicht zu verhindern: „Schlimm ist es vor allem, wenn Kinder betroffen sind“, sagt er.

Verluste auf Seiten der Rettungskräfte blieben dem 60-Jährigen aber erspart. Alle Männer und Frauen, die Meißner in den Einsatz schickte, kamen auch wieder zurück. Seinem Nachfolger Andreas Klos wünschte er noch, dass dieser glückliche Umstand weiter Bestand haben werde. Großeinsätze bleiben in Erinnerung. Da, wo den Rettungsteams alles abverlangt wurde. Sei es der havarierte Tanker „Stolt Rotterdam“, der 2001 auf dem Rhein leck geschlagen war. Giftiger Rauch stieg auf, das Schiff war mit Salpetersäure beladen, es gab chemische Reaktionen. Zwölf Tage brauchten die Einsatzkräfte, um die Aufgabe zu meistern.

Oder der unvergessene Kampf gegen die Flammen bei den Bränden bei Compo im Hafen und Holz Roeren in 2012. „Meilensteine“, nennt Meißner die Einsätze im Rückblick. Mit seinem Nachfolger Andreas Klos verbindet ihn die Liebe für den FC Schalke 04, was ihn seiner Einschätzung nach für den Feuerwehrjob prädestiniert: „Wir sind leidensfähig und schon mit kleinen Dingen zufrieden.“

Meißner will nun mehr Zeit für seine Familie aufbringen. In Hüls besitzt er ein Grundstück mit 1000 Quadratmetern. Er will nun mehr Reisen, mit dem Rad fahren oder im Cabrio — oder sich ganz einfach seiner Modellbahn widmen. Zudem will er auch noch die Dienstjubilare der Krefelder Feuerwehr in Stein gravieren. Ein Maurer ist er geblieben.

Mehr von Westdeutsche Zeitung