Kultur Ein Leben für die Bühne

Krefeld · Sopranistin Janet Bartolova beendet nach 30 Jahren am Theater Krefeld und Mönchengladbach ihre Karriere.

 Janet Bartolova verabschiedet sich nach drei Jahrzehnten von der Bühne des Theaters Krefeld und Mönchengladbach.

Janet Bartolova verabschiedet sich nach drei Jahrzehnten von der Bühne des Theaters Krefeld und Mönchengladbach.

Foto: Matthias Stutte

Der Abschied von Berufsleben ist ein besonderer Einschnitt im Leben eines Menschen. Für eine Künstlerin, die mehrere Jahrzehnte erfolgreich auf der Bühne gestanden hat, ist so ein Schritt vielleicht noch härter. Nicht jedoch für Janet Bartolova. Die Sopranistin gehört seit 30 Jahren zum Ensemble des Theaters Krefeld Mönchengladbach und verabschiedete sich jetzt von der Bühne. Sie tut es in zwei Schritten.

Vor zwei Tagen hat sie in der Rossini-Oper „Die Reise nach Reims“ zum letzten Mal die Rolle der Delia verkörpert, am 3. Juli gibt es im Theater Mönchengladbach eine Abschiedsgala unter dem Motto „Bartolova and friends“. Die Idee zu dem Abend stammt von der Sängerin selbst und ist für das Theater eine Premiere. Noch nie wurde ein Künstler mit einer eigenen Veranstaltung verabschiedet.

In rund 100 Rollen
auf der Bühne gestanden

Die Motivation für Janet Bartolova ist der Ensemble-Gedanke. „Wir arbeiten alle zusammen und alle sollen dabei sein“, sagt sie. Zu ihrer großen Freude sind alle Kolleginnen und Kollegen des Musiktheaters ihrer Einladung gefolgt. Gemeinsam haben sie ein Programm zusammengestellt, dass dem Publikum vorher nicht bekannt gegeben wird. „Es soll eine Überraschung sein und es soll heiter sein!“, betont die Sängerin.

Die WZ trifft sich mit ihr vor der letzten Vorstellung „Reise nach Reims“ und auch da lässt Janet Bartolova keine traurige Stimmung aufkommen. Sie hat eine Liste mit all ihren Rollen mitgebracht, die sie in den letzten 30 Jahren hier verkörpert hat. „Es waren um die 100“, sagt sie mit einem Lächeln. Ein unglaublich reiches Künstlerleben wird daraus ersichtlich, das neben dem großen Opernrepertoire auch Operetten und Musicals umfasst.

Mit der Operette „Der Zigeunerbaron“ begann Bartolovas Karriere 1994 in Krefeld. Die aus Bulgarien stammende Sopranistin war erst 1990 nach Deutschland gekommen, zuvor hatte sie ihre Ausbildung in ihrer Heimat und in Italien absolviert. Sie war Preisträgerin beim Gesangswettbewerb Maria Callas und hat wie diese früh ihren Schwerpunkt auf das italienische Fach gelegt. Die großen Frauenfiguren von Verdi und Puccini hat sie alle dann hier am Niederrhein interpretieren können: Tosca, Manon Lescaut, Madame Butterfly, Traviata, Aida, Elisabeth und Prinzessin Eboli (beide in „Don Carlo“). Aber auch Bellinis „Norma“ oder die Gräfin in Mozarts „Figaros Hochzeit“ gehören zu den Rollen, an die sie sich gerne erinnert.

Auch die französische und die russische Oper liebt sie sehr. Sie war die Charlotte in „Werther“ und hat in den Tschaikowsky-Opern „Eugen Onegin“ und „Pique Dame“ die Rollen der Tatjana und Lisa verkörpert. Stücke, die ihr emotional besonders nahegingen, waren „Der Dialog der Karmeliterinnen“ und „Das Frauenorchester von Auschwitz“. Als angenehme Abwechslung hat die Sängerin die regelmäßigen Ausflüge in die Operette empfunden. Auch hier hat sie wunderbare Rollen spielen können: die Titelrollen in „Gräfin Mariza“ und „Die lustige Witwe“ oder die Rosalinde in der „Fledermaus“. Vor dem Genre der Operette hat Janet Bartolova großen Respekt: „Es ist besonders schwer, du musst singen, Dialoge sprechen und tanzen“, sagt sie.

Den wohl größten Erfolg, wie sie schmunzelnd sagt, war wohl die Geschichte mit den „Drei Tenörinnen“ Der einmalig gedachte Auftritt auf einem Theaterball, gemeinsam mit ihren Kolleginnen Debra Hays und Kerstin Brix, entwickelte sich zu einem Selbstläufer und zog auch Einladungen zu Privatkonzerten nach sich. Ohne persönlichen Einsatz ist das nicht zu bewältigen. Disziplin und Fleiß sind die Leitlinien in ihrem Künstlerleben. „Man hört nie auf zu lernen“, betont sie.

Dass die Sängerin trotzdem nie die Bodenhaftung verloren hat, liegt an ihrer Familie. Im Chor hat sie als junge Frau ihren Mann kennengelernt, zusammen haben sie zwei Kinder großgezogen. „Er ist mein schärfster Kritiker“, sagt die Künstlerin über ihren Partner. Das Theater ist ihr gemeinsames Leben. Dadurch war die Verbindung von Beruf und Familie auch nie ein Problem für die Sängerin. Im Gegenteil, findet sie, es hat sie geerdet. Ihre Stimme hat sie nie im Stich gelassen, dafür ist sie sehr dankbar und glücklich.

Die Zeit nach dem Theater möchte die Sängerin für Reisen nutzen und für längere Aufenthalte in ihrer Heimat. Die Corona-Pandemie hat ihr gezeigt, dass man auch ohne Applaus leben kann und sie freut sich, dass sie jetzt ihr Leben unabhängig von einem Spielplan selbst gestalten kann. Rückblickend hofft sie, dass sie beim Publikum Empfindungen ausgelöst hat. Auf der Bühne gäbe es immer wieder Momente, wo ein Zauber zu spüren sei. „Das ist selten, aber wunderschön“, sagt Janet Bartolova. Sie verabschiedet sich, um sich für ihren letzten Auftritt in Krefeld vorzubereiten. Danach wird sie, wie sie es nennt, eine neue Seite in ihrem Leben aufschlagen.