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Die Zahl angezeigter Gewalttaten an Schulen ist gestiegen

Bildung : Die Zahl angezeigter Gewalttaten an Schulen ist gestiegen

62 Körperverletzungen gab es im Jahr 2018 an Krefelder Schulen. Schulpsychologen sind wichtiger Partner.

Der Fall des Sechstklässlers, der Mitte November vor der Gesamtschule Kaiserplatz von Mitschülern angegriffen wurde, stieß auf viel Mitgefühl — gab aber für zahlreiche Krefelder Eltern auch den Anstoß, von ähnlichen Erfahrungen ihrer Kinder zu berichten. „Unser Sohn ist zehn Jahre alt und besucht die fünfte Klasse“, schrieb eine Mutter per Email. Dem Jungen sei nach Unterrichtsende im Schulgebäude einer Krefelder Gesamtschule aufgelauert worden. 15 ältere Mitschüler hätten ihn dort „bösartig zusammengetreten“.

Seit drei Jahren sei ihr Sohn Opfer von Mobbing, schreibt eine andere Mutter. „Die Sozialpädagogen führen Gespräche, die nie etwas gebracht haben.“ Ein weiterer Junge soll an einer Realschule seit zwei Jahren gemobbt und geschlagen werden. Die Schulleitung sähe bislang tatenlos zu, so die Eltern.

Tatsächlich ist die Zahl der Delikte an Krefelder Schulen zwischen 2013 und 2018 gestiegen: Lag die Zahl der Körperverletzungen 2013 noch bei 40, waren es fünf Jahre später 62. Die Zahl der Gewalttaten mit schweren Verletzungen und Schlägereien stieg von 8 auf 15 pro Jahr. Die Fälle von Straßenkriminalität, also alles einschließlich Diebstahl und Sachbeschädigung, was sich im Schulumfeld oder auf dem Schulweg zuträgt, summierten sich 2013 noch auf 64, 2018 waren es hingegen bereits 102.

„Phänomene wie Mobbing, das als solches keine Straftat ist, werden gar nicht erfasst“, erklärt Karin Kretzer, Sprecherin der Krefelder Polizei. Außerdem gebe es ein Hellfeld — Anzeigen, die der Polizei bekannt werden - und ein vermutlich höheres Dunkelfeld von nicht angezeigte Taten.

Schulpsychologie soll bei Opferbetreuung helfen

Grundsätzlich sollten alle Schulen in der Lage sein, mit solchen Fällen umzugehen. „An Schulen bestehen eigene Konzepte zum Umgang mit Gewalt. Bei der Durchführung von Ordnungsmaßnahmen werden die Schulleitungen durch die Schulaufsicht beraten“, so eine Sprecherin der Bezirksregierung.

Im Bereich der Prävention ist auch die Polizei an den Schulen aktiv, spricht beispielsweise mit Schülern über Mobbing und Cyber-Mobbing. Aber auch hier, so heißt es aus Düsseldorf, sei die Schulpsychologie ein wichtiger Partner der Schulen: Gemeinsam würden Handlungsmöglichkeiten zur Gewaltprävention und für aktuelle Vorkommnisse erarbeitet. „Darüber hinaus stehen die Krisenbeauftragten in den jeweiligen Schulpsychologischen Beratungsstellen den schulischen Teams zur Gewaltprävention und Krisenintervention bei Krisenereignissen in der Schule fachkundig beratend zur Seite.“

Dieser Beistand klingt auf dem Papier gut, kommt bei den Eltern aber offenbar weniger an. Auch Jörg Senden, Vater des verprügelten Jungen vom Kaiserplatz, ist nicht glücklich mit dem Verhalten der Schulleitung. Mehrmals habe man sie im Vorfeld über Vorfälle informiert, aber es sei nichts passiert. Nach dem Angriff im November habe sein Sohn eine Woche lang im Krankenhaus bleiben müssen. „Im Moment ist es ruhig, es geht ihm wieder gut und er hat keinen Kontakt mehr zu diesen Schülern gehabt“, sagt Senden.

Von der Schule habe es einen Tadel für seinen Sohn gegeben, weil er ebenfalls mit Schimpfworten provoziert habe. Und man sei alles andere als glücklich gewesen, dass sich die Familie an die Presse gewandt hat. „Die haben wohl Angst um den Ruf der Schule gehabt“, sagt Senden.

Welche Konsequenzen es seitens der Schule für die Angreifer seines Sohnes gab, weiß Jörg Senden nicht so genau: „Es sollen Schreiben an die Eltern rausgegangen sein. Sonst erfährt man nichts, es wird auf den Datenschutz verwiesen.“ Komme es zu einer Gerichtsverhandlung, dann wolle er aber auf Schmerzensgeld klagen. „Um ein Zeichen zu setzen“, sagt Senden.