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Uerdinger Straße: Die Villa Waldhof wird saniert

Uerdinger Straße : Die Villa Waldhof wird saniert

Acht Wohnungen entstehen in dem am Jugendstil orientierten Mehrfamilienhaus an der Uerdinger Straße. Eine Besichtigung.

Krefeld. Blau leuchten die glänzenden Wandfliesen über dem alten Terrazzoboden mit Mosaik-Abschluss im Eingang der Villa Waldhof. Von hier aus schweift der Blick direkt zur verzierten Holztür mit Fenstern, wie sie für Wohnungseingänge in Jugendstilhäusern typisch waren — wenn sie denn noch erhalten sind. In der Villa an der Uerdinger Straße 254 an der Ecke Waldhofstraße sind nicht nur sie noch vorhanden. Auch Stuckdecken, die original raumteilenden Schiebetüren und Treppengeländer existieren noch.

„Es ist eine Perle“, sagt Christian Paschertz von der gleichnamigen Willicher Immobiliengesellschaft über das Gebäude, in dem nun acht Eigentumswohnungen entstehen sollen. „Für uns war es ein Sechser im Lotto, das Haus kaufen zu können. Wo gibt es denn noch eine leerstehende Villa — und auch noch in Bockum —, die man sanieren kann?“, ergänzt der 37-Jährige, der die Investitionssumme von einer halben Million Euro über Crowdfunding im Internet zusammenbekam und damit in Krefeld Vorreiter ist.

Mit Summen ab 500 Euro konnten sich Geldgeber damit an seinem Projekt beteiligen und bekommen am Ende ihr Geld plus Zinsen zurück. „Für uns hat das den Vorteil, das wir mehrere Objekte gleichzeitig im Jahr verwirklichen können“, sagt der Junior-Chef der W. Paschertz GmbH, der sich seit mehreren Jahren mit der Renovierung denkmalgeschützter Gebäude vom klassischen niederrheinischen Vierkanthof bis zu Industriebauten wie etwa dem Willicher Stahlwerk beschäftigt.

Zuletzt hatte die Villa Waldhof, die wie die umliegenden Mehrfamilienhäuser zwischen 1908 und 1910 vom Krefelder Unternehmer Paul-Josef Schilbers gebaut wurde, einer Erbengemeinschaft gehört. Schon lange hätten die Wände des Treppenhauses mal wenigstens einen neuen Anstrich gebraucht. Auch im Garten ist ewig nichts mehr passiert. „Unser aktueller Urwald“, urteilt Paschertz beim Blick aus einem Flurfenster.

Dass es derzeit noch wüster aussieht, liegt auch an den zum Teil aufgerissenen Laminatböden. Zu Paschertz’ Bedauern fanden sich darunter allerdings keine schönen alten Dielen- oder Parkettböden. Ende des Jahres werden Laminat, alte Tapeten und nicht historische Türen von den ersten Handwerkern, die hier Einzug halten, entfernt. Nach der Entkernung stehen dann die Rohinstallationen für Sanitäres und Heizungen an.

„Die Eingriffe in die Bausubstanz sollen auf ein Minimum reduziert werden, um den Baudenkmal-Charakter zu bewahren“, erzählt Paschertz. Die historischen Wand- und Bodenbeläge, Stuckelemente und Geländer sollen „weitestgehend erhalten bleiben“, selbst wenn sie kleinere Gebrauchsspuren zeigen. „Wir möchten die Geschichte des Bauwerks dokumentieren — die Nutzer haben sie ja über ihr Verhalten geprägt.“

Das Sanierungskonzept ist mit der Krefelder Denkmalschutz-Behörde abgestimmt. Die Bauanträge sind gestellt. Mit zehn bis zwölf Monaten Bauzeit rechnet der Immobilienexperte. Ein Aufzug und Balkone sollen auf der Rückseite des Gebäudes zusätzlich entstehen. Die bisher auf jeder Etage rund 250 Quadratmeter großen Wohnungen — übrigens mit einer Deckenhöhe von mehr als drei Metern — werden neu aufgeteilt.

Die bisherigen Wohnungsflure werden zu Hausfluren umgestaltet, von denen die Eingänge zu den Wohnungen abgehen. Die haben eine Größe von rund 85 Quadratmetern und tragen derzeit die Planungsnamen wie „Waldhof“, „Schönwasser“, „Sollbrüggen“, „Kaiserpark“ oder „Grotenburg“. Über die größte Fläche verfügt die zweigeschossige Penthouse-Wohnung mit fast 200 Quadratmetern. Vier von acht Wohnungen sind bereits vorreserviert.