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Krefeld: Die Stadt Krefeld macht Syrer mit Praktika fit für Kommunalpolitik

Krefeld : Die Stadt Krefeld macht Syrer mit Praktika fit für Kommunalpolitik

Tagrid Yousef erklärt, warum die Verwaltung Praktika für syrische Geflüchtete anbietet.

Krefeld. Drei Jahre ist es her, dass die Flüchtlingsbewegung Deutschland erreichte. Mit ihr kamen viele Syrer, die vor den Schrecken des Bürgerkriegs in ihrer Heimat, vor Zerstörung, Armut und Tod flüchteten — auch nach Krefeld.

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beteiligt sich die Stadt nun an einem Projekt, das syrischen Geflüchteten ein Praktikum in der Verwaltung ermöglicht. Ein Gespräch mit der Integrationsbeauftragten Tagrid Yousef über die Idee hinter dem bundesweiten Projekt.

Geflüchtete Syrer sollen die Kommunalverwaltung und lokale Politik in Deutschland kennenlernen — so lässt sich das Modellprojekt, an dem sich die Stadt Krefeld beteiligt, kurz zusammenfassen. Frau Yousef, was erhoffen Sie sich davon?

Tagrid Yousef: Wir erhoffen uns dadurch, fähige Menschen, die jetzt hier in Krefeld leben, zu qualifizieren oder auch weiter zu qualifizieren, die ein Interesse an der Kommunalverwaltung und -politik haben. Dadurch werden neue Perspektiven für eine Zukunft hier in Deutschland oder auch für den Neuaufbau in Syrien geschaffen. Das langfristige Ziel des Projektes ist es, Menschen zu qualifizieren, die sich für eine gute Zukunft Syriens engagieren möchten.

Inwiefern profitieren Geflüchtete, inwiefern die Stadt Krefeld von diesem Projekt?

Yousef: Geflüchtete können in diesem Praktikum sowohl ihre aus der Heimat erworbenen Kenntnisse erweitern, indem sie deutsche Strukturen kennenlernen, oder aber neue Inhalte erlernen. In beiden Fällen ist eine Weiterqualifizierung der Kenntnisse gegeben. Sollten Praktikanten beginnen, die noch wenig Berufserfahrung haben, kann das hilfreich sein, bei der Suche nach Perspektiven für die berufliche Zukunft in Deutschland.

Wie wird das Praktikum bisher angenommen — und wie sehen die Inhalte konkret aus?

Yousef: Wir haben inzwischen mehr als 40 Bewerber. Projektstart war Anfang 2018, Krefeld ist eine von sieben Modellkommunen des Projektes „Qualifizierung von syrischen Geflüchteten in deutschen Kommunalverwaltungen“. In Krefeld werden acht Praktikumsplätze angeboten. Insgesamt sind es 21 in den verschiedenen Kommunen. Die Länge der Praktika variiert von sechs Monaten bis zu einem Jahr. Die Inhalte wurden in einem Workshop gemeinsam mit der vom Ministerium beauftragten Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) erarbeitet und weiterentwickelt. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Inhalte einerseits sinnvoll mit Blick auf den zukünftigen Wiederaufbau von Kommunalstrukturen in Syrien sind und andererseits die besonderen Kompetenzen der Kommunen eingebunden wurden. Es geht um Demokratieförderung, bürgernahe Verwaltung über Quartiersmanagement, Soziales und Bildung bis hin zu IT, Bau- oder Stadtplanungsamt. In Krefeld werden Praktikumsplätze im Fachbereich Migration und Integration, Gebäudemanagment, Katasterwesen, Soziales und Wohnen und im Umweltschutzbereich angeboten.

Wie praxisnah ist der Ansatz, dass deutsche Strukturen beim Wiederaufbau auf Syrien übertragen werden können?

Yousef: Qualifizierte Menschen wird Syrien auf jeden Fall brauchen. Und es geht bei dem Projekt ja nicht darum, dass deutsche Strukturen eins zu eins übertragen werden sollen: Einblicke gewinnen, Ideen mitnehmen. Und überlegen, was von dem Gelernten auf Syrien übertragen werden könnte. Im Winter werden alle Praktikanten des Projektes diese Fragen bei einem Workshop diskutieren. Daraus soll ein bundesweites Netzwerk von Syrern entstehen, die sich mit der Zukunft der Kommunen in Syrien beschäftigen wollen.

Wieso spricht die Stadt mit dem Praktikumsangebot ausschließlich Geflüchtete aus Syrien an?

Yousef: Die Praktika werden im Rahmen der Initiative Nahost angeboten, die vom BMZ als Reaktion auf die Syrienkrise ins Leben gerufen wurde. Solange die Motivation besteht, die erworbenen kommunalen Kenntnisse für oder in Syrien einzubringen, können auch Personen ohne syrische Staatsangehörigkeit am Projekt teilnehmen. Die Praktika richten sich in erster Linie an Syrer, da davon ausgegangen werden kann, dass hier die Motivation besonders hoch ist.