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„Die Krefelder Krähe ist ein Renommee für die ganze Stadt“

Krefelder Krähen : „Die Krefelder Krähe ist ein Renommee für die ganze Stadt“

Interview Seit 15 Jahren hat die Stadt einen Kabarettpreis. Stefan Erlenwein erklärt, wie es dazu gekommen ist.

In 15 Jahren hat sich die „Krefelder Krähe“ zu einem im deutschsprachigen Raum begehrten Kabarettpreis entwickelt. Er wird jährlich im Wechsel an einen prominenten Kabarettisten als Ehrenpreis und an die Gewinner eines bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerbs für Künstler mit weniger als fünf Jahren Bühnenerfahrung vergeben. In Kürze steht wieder der Wettbewerb für Nachwuchskabarettisten an. Die WZ sprach mit Stefan Erlenwein, Chef des gemeinnützigen Krefelder Kabarettensembles, das seit 1985 15 eigene Programme auf die Bühne gebracht hat und den Kabarettpreis ins Leben rief.

Herr Erlenwein, welche Idee steckt hinter dem Preis?

Stefan Erlenwein: Krähenvater und Kabarettist Jochen Butz war 2005 der Ideengeber. Der Wechsel im Jahrestakt zwischen dem Ehrenpreis für prominente Künstler und dem Wettbewerb für hoffnungsvolle Nachwuchskabarettisten war von Anfang an vorgesehen. Erhofft haben wir uns, dass das Vorbild von Szenegrößen wie Dieter Hildebrand den jungen Leuten Auftrieb verleiht und Jung und Alt zusammenbringt. Das geschah dann auch. So lobte zum Beispiel Hildebrand bei seiner Ehrung als Ehrenpreisträger überschwänglich mit Benjamin Eisenberg einen der Vorjahrespreisträger, die traditionell im Vorprogramm im nächsten Jahr auftreten.

Warum ist der Peis nach wie vor aktuell, und welche Bedeutung hat er für Krefeld?

Erlenwein: Den Ehrenpreis haben inzwischen viele namhafte Kabarettisten erhalten, angefangen vom ersten Preisträger und Schirmherrn Konrad Beikircher über Dieter Hallervorden, Dieter Nuhr, Hans Liberg, das Ensemble
des Düsseldorfer
Kom(m)ödchen bis zu Dr. Eckart von Hirschhausen. Diese illustren Namen werten den Preis natürlich auf, sind ein Renommee für die ganze Stadt und verschaffen ihr eine überregionale Resonanz. Die Krefelder Krähe ist inzwischen ein fester Begriff in der Szene mit bundesweiter Strahlkraft, was dem Ruf der Stadt und seiner vielfältigen Kulturlandschaft hilft.

Wie viele Nachwuchstalente haben sich diesmal beworben, und nach welchen Kriterien wurden daraus die acht Finalisten, darunter drei Duos, von wem ausgewählt?

Erlenwein: Rund 30 Nachwuchskabarettisten haben sich beworben — aus allen Sparten wie dem politischen, gesellschaftskritischen und dem Musikkabarett. Die Vorauswahl treffen die Mitglieder unseres Krähenensembles allein, wozu wir eingeschickte oder Online-Videos auswerten. Die Beurteilungskriterien sind der textliche Anspruch bei möglichst eigenen Texten, der ausgewogene Anteil von Text und Musik, die handwerklichen Fähigkeiten, die Interaktion wie ein Stand-Up-Anteil, die Bühnenpräsenz und nicht zuletzt der Humor, der auch bissig sein darf. Schließlich soll ja gelacht werden.

An zwei Finalabenden im Kulturpunkt Friedenskirche mit je vier Kandidaten fällt die Entscheidung, welche Kandidaten die Plätze 1 bis 3 belegen und zur Preisverleihung ins Stadtwaldhaus eingeladen werden. Wer wählt die Gewinner nach welchem System aus?

Erlenwein: Die Gewinner werden durch einen Stimmenanteil zu jeweils einem Drittel von einer Fachjury aus Kulturschaffenden, von dem Krähenensemble und den Zuschauern ermittelt. Der Tagessieger der beiden Finalrunden ist gesetzt, der dritte Endteilnehmer kommt als einer der besten aus einer der beiden Runden hinzu. Fachjury und Krähen urteilen nach ähnlichen Kriterien wie denen der Vorauswahl, die Zuschauer nach eigenem Gutdünken.

Mit Johannes Floehr ist ein Poetry-Slammer unter den acht Finalisten, der noch nicht als Kabarettist aufgetreten ist. Warum?

Erlenwein: Johannes Floehr hat sich um den Preis beworben und mit seinen Beiträgen so überzeugt, dass er die Nominierung unter die letzten Acht schaffte. Er ist übrigens nicht der erste dieser Spezies. Auch das Lumpenpack, Gewinner des Jahres 2015, kam aus der Poetry-Slam-Szene und war ein Volltreffer. Es handelt sich dabei ja um eine moderne Form des Sprachkabaretts. Gerade der Wettbewerbspreis richtet sich an eine junge Generation von Künstlern, deren Eigenheiten eine gewisse Spannung ausmachen. Jetzt freuen wir uns auf den ersten gebürtigen Krefelder Teilnehmer, der auch hier wohnt.

Mit Fee Badenius ist eine Sängerin dabei, die an einem Film des WDR über wenig attraktive Städte mitwirkte und mit einer Ode an Krefeld überraschte. Gab es dafür einen Bonus?

Erlenwein: Genau so wenig wie für den Krefelder Floehr. Durch das Lied über Krefeld wurde sie zwar bekannt, entscheidend aber war, dass sie einfach schöne, gehaltvolle Lieder singt. Letztlich zählt immer die Qualität.

Was bedeutet es Ihnen und dem Krähen-Ensemble, Nachwuchskünstler zu fördern und deren Karriere zu verfolgen?

Erlenwein: Wir möchten guten Nachwuchskabarettisten einen Anschub für ihre Karriere geben. Und wir sind ein Stück weit stolz, dass so gut wie alle Nachwuchspreisträger nach dem Gewinn der Krähe durchgestartet sind. Das Lumpenpack, Sebastian Pufpaff und Martin Zingsheim sind sogar geradezu durch die Decke gegangen. Man sieht also, dass die Förderung funktioniert. Im Übrigen kommen alle immer wieder gerne nach Krefeld zurück, und wir Kabarettisten pflegen freundschaftliche Bande und helfen uns gegenseitig aus.