Die Herausforderungen für die neue Kresch-Chefin für die neue Kresch-Chefin

Theater : Die Herausforderungen für die neue Kresch-Chefin

Analyse Nach eineinhalb Jahren erhält das Kinder- und Jugendtheater nun wieder eine feste Leitung, die sich kreativ mit einem sich verändernden Publikum und Schulalltag auseinandersetzen muss.

Am 31. Dezember 2017 war der offiziell letzte Arbeitstag von Michael Jezierny im Kresch-Theater, seitdem hat Helmut Wenderoth das Haus kommissarisch geleitet. Der 60-Jährige hat aber auch von Anfang an gesagt, dass er dies nur vorübergehend und dann Platz für die nächste Generation machen möchte: „Für ein Kinder- und Jugendtheater ist es ganz wichtig, offen für Impulse von außen zu sein.“ In NRW und darüber hinaus sei das Kresch-Theater gut vernetzt, es sei daher schön, wenn nun jemand die Leitung übernehme, der aus Österreich komme und viele Jahre in Ostdeutschland gearbeitet habe. Am 1. Mai tritt Isolde Stelzhammer-Wabra ihr Amt an, auf die eben diese Beschreibung zutrifft. Ein Überblick über die Herausforderungen, die sie erwarten:

Das Publikum

Die Frage nach der Zielgruppe muss sich Theater im Allgemeinen und Kinder- und Jugendtheater im Besonderen stellen. Wir leben in einer multi- und interkulturellen Gesellschaft, und das muss sich auf der Bühne widerspiegeln. Das Publikum, das insbesondere durch die Schulen ins Haus an der Virchowstraße 130 kommt, ist bunt - und wird sich mit den Stücken und Themen dort nur beschäftigen, wenn es diese Welt auch auf der Bühne wiederfindet. Dafür müssen sich die Häuser noch mehr öffnen. Sie müssen die Geschichten und Wünsche der Gesellschaft aufnehmen, Schauspieler finden, die diese Stoffe authentisch verkörpern, und Regisseure, die sie passend inszenieren.

Die Schulen

Das gerade Gesagte gilt umso mehr, wenn man die weiteren Aspekte des heutigen Alltags einbezieht. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass junge Menschen ins Theater gehen. Mal kommen sie mit ihrer Grundschulklasse ins Haus, andere sind bei ihrem ersten Besuch auch schon 14 Jahre alt. Das zeigt, wie sich die Anforderungen in den Schulen verschärft haben und dass es schwieriger geworden ist, Theaterbesuche in den Lehrplan einzubauen. Für diese Herausforderung muss das Kresch-Theater kreative Lösungen finden, denn eines bleibt konstant: Die Schulen sind eine wichtige Schaltstelle für die Kinder- und Jugendtheater.

Die Spielorte

Die beiden beschriebenen Veränderungen führen zu der Frage, ob Theater mehr rausgehen müssen, um mehr Menschen zu erreichen. Selbst wenn es gelingt, Stücke auf die Bühne zu bringen, bei denen die jungen Zuschauer merken, dass sie etwas mit ihrem Leben zu tun haben, heißt das nicht, dass sie auch mit den Stücken in Berührung kommen. Zu vermitteln, dass der Inhalt etwas mit ihnen zu tun hat, kann auch erfordern, dort hinzugehen, wo die potenziellen Zuschauer sind. Das gilt auch für die Arbeit an den Stücken. Die Autoren und Regisseure sollten Menschen aufsuchen und ihre Biografien auf die Bühne bringen. Die gute Nachricht auch für die neue Chefin: Ein entsprechendes Projekt läuft am Kresch-Theater schon.

Die Stücke

Die bisherige Arbeit von Isolde Stelzhammer-Wabra zeigt, dass sie an die Kraft der Märchen glaubt. „Kinder verdienen es, dass man ihnen gute Märchen erzählt. Das wäre eine gelungene Erweiterung unseres Portfolios“, sagt Helmut Wenderoth.

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