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Die Gegner des Surfparks in Krefeld bringen sich in Stellung

Zweifel an Gutachten : Die Gegner des Surfparks in Krefeld bringen sich in Stellung

Der geplante Surfpark am Elfrather See ist schon länger ein Streitthema. Bei der nächsten Ratssitzung steht das Projekt auf der Tagesordnung.

Die Ratsgruppe UWG/WUZ, Die Linke, Wir Krefeld, Biene, attac, Bund und Nabu stellten knapp eine Woche vor dem Ratsentscheid Kritikpunkte an den Gutachten zum Bau des Surfparks am Elfrather See vor. Die Gutachten untersuchen und bewerten unterschiedliche Faktoren, wie Verkehr, CO2-Bilanz oder Artenschutz, auf die das Bauvorhaben Einfluss nehmen kann, sollte es umgesetzt werden. Unterm Strich, so die Organisationen, seien die Gutachten widersprüchlich und beruhten auf falschen Daten.

Viele Punkte in den Unterlagen beruhten auf falschen Angaben

Ralf Krings, Stellvertreter von UWG/WUZ, stellt heraus, dass die Ablehnung gegenüber dem Bauvorhaben nicht nur von einigen Wenigen vertreten werde. „Es entsteht häufig der Eindruck, dass wir eine kleine Gruppe sind von ewig Gestrigen, von Rückwartsgewandten. So ist es nicht: Wir denken an die Zukunft.“ Und die zukünftige wirtschaftliche wie auch ökologische Entwicklung der Stadt durch den Bau des Surfparks sei keinesfalls so rosig, wie es oft von ihren Befürwortern dargestellt werde. Viele Punkte in den Unterlagen zu den Untersuchungen des Elfrather Sees, wie auch der Umgebung, beruhten auf falschen Annahmen. Oder würden erst gar nicht berücksichtigt. Die Gutachter seien etwa davon ausgegangen, dass durchschnittlich 2,5 Personen pro Auto zu der Freizeiteinrichtung fahren werden. Auf der anderen Seite gebe die Stadt für eine Sportart wie Surfen an, dass hauptsächlich Singles die Einrichtung nutzten. Das wären dann nur 1,7 Personen pro Fahrzeug – daher lautet die Gleichung: weniger Personen pro Auto gleich mehr Autos und sehr viel höherer CO2-Ausstoß. Ein Beispiel für die Widersprüchlichkeit ist der Vogelschutz im Gebiet um den Elfrather See. Ein Gutachten besage, dass ein Vogelschutzgebiet errichtet werden solle. Bei dem Blick in eine andere Untersuchung reicht dieses Schutzgebiet allerdings in den Bereich, der für die Surfanlage angegeben wurde. Was, wie groß wird, bleibe unklar und lasse keine adäquaten Schlüsse zu.

Ohne Durchführungsvertrag keine Offenlage

Die Liste der Kritikpunkte ist lang, zuweilen juristisch komplex. Es sei nicht möglich ein vorhabenbezogenen Bebauungsplan offenzulegen, so wie es am 20. Januar geplant ist, wenn es keinen Durchführungsvertrag gebe. Dieser Vertrag regelt, wer für zusätzliche Kosten bei Um- oder Rückbauten aufkomme. Zu viel sei ungeklärt, sagt Edgar Radewald von attac. Salih Tahusoglu von Wir Krefeld sagt zu dieser Art des Vorgehens: „Sie gehen ja auch nicht zur Bank, verlangen ein Darlehen und sagen dann, ich habe keinen Business­plan.“­

 Die Offenlegung des vorhabenbezogenen Bebauungsplan am 20. Januar müsse aufgrund der vielen Unklarheiten abgelehnt werden. „Dann ist Zeit da, um sich mit den ganzen Detailfragen zu beschäftigen“, sagt Radewald. Offen für die Zukunft seien alle der anwesenden Organisationen.

Sie sähen Potenzial rund um das Gebiet des Elfrather Sees. Dieses aber könne besser genutzt werden, als dort eine Einrichtung für nur wenige Gutbetuchte aufzubauen. Tahusoglu kommt zu dem Schluss: „Wir haben Potenzial unter der Bevölkerung, unter unseren Unternehmern; dann muss man sich für den Elfrather See als Filetstück überlegen, was ist eine Lösung, die Klima, Soziales und Wirtschaft gut unter ein Dach bringt.“­

(Corinna Hermanns)