1. NRW
  2. Krefeld

Die de-Greiff-Säule steht am Ostwall

Die de-Greiff-Säule steht am Ostwall

Ein detailgetreues Modell zeigt im Pianohaus, wie das Denkmal vor der Zerstörung aussah. Die neuen Besitzer fänden einen Wiederaufbau toll.

Krefeld. Da sitzt der Vogel Greif auf seiner Säule und starrt nach unten — allerdings nicht auf das über den Ostwall flanierende Völkchen, sondern auf Füße. Die laufen mal langsam, mal schnell am Schaufenster des Pianohauses Maus & Hain an der Ecke Ostwall/Stephanstraße vorbei. Von hier aus wird das Fabelwesen sie alle in Zukunft im Blick haben und hinter Glas an seinen großen Zwilling erinnern.

Das Modell der de-Greiff-Säule hat Wilhelm Rinsch in hunderten Stunden detailgetreu gebaut. Der Krefelder, der auch hauptberuflich im Hochbauamt Modelle baute, war fasziniert von dem Denkmal, das Mitte des 19. Jahrhunderts in Erinnerung an den Seidenfabrikanten Cornelius de Greiff aufgestellt wurde.

Foto: Jochmann

Es sollte an den „Wohltäter der Stadt“ — wie es auch in der Inschrift hieß — erinnern, der in seinem Testament eine große Summe für das Gemeinwohl hinterlassen hatte. Rinsch sammelte historische Bilder, Zeitungsartikel und mehr über de Greiff und das Denkmal mit dem metallgewordenen Wappentier, das der Industrielle passend zum Namen für sich gewählt hatte.

Nach dem Tod von Wilhelm Rinsch, der im Alter von 80 Jahren im vergangenen Jahr gestorben war, hat seine Schwester Monika Hilgers nun die de-Greiff-Sammlung der Interessengemeinschaft (IG) Ostwall vermacht. „Da ist sie in guten Händen, wer wäre besser als die IG dafür?“, sagt Innenstadt-Koordinator Eckhard Lüdecke, der den Kontakt hergestellt hat. Er kannte Rinsch noch aus den Zeiten, als er selbst „als Student mit langen Haaren im Hochbauamt anfing“.

Für Elisabeth Stöcker-Mockenhaupt vom IG-Vorstand und außerdem Mitbesitzerin des denkmalgeschützten Hauses mit dem Pianogeschäft im Erdgeschoss soll „die Säule an die alten Zeiten erinnern, an das Schöne in Krefeld“. Sie sei dankbar für die Spende und freue sich auf die Resonanz. Für sie fällt die Schenkung in eine Zeit, in der der Ostwall nach dem Umbau wieder auflebe. Lange leerstehende Ladenlokale oder Gastronomien wie etwa der frühere Pizza-Hut werden schon oder sollen noch neu genutzt werden. Im letzteren Fall als Feinschmecker-Adresse.

Die immer wieder diskutierte Idee, eine Nachbildung der de-Greiff-Säule zu schaffen und auf dem Ostwall aufzustellen, findet Stöcker-Mockenhaupt toll. Klaus Reymann, Architekt, Gründer und Kopf der Baudenkmal-Stiftung, sei „sehr interessiert“. „Vielleicht kann nach der kleinen die große de-Greiff-Säule kommen“, sagt Stöcker-Mockenhaupt.