Die beiden Kantinen der Gerichte am Nordwall erfreuen sich nach Jahren der Tristesse neuer Beliebtheit.

WZ-Serie Ma(h)l anders essen : Mit Richtern zu Tisch

Die beiden Kantinen der Gerichte am Nordwall erfreuen sich nach Jahren der Tristesse neuer Beliebtheit.

Ein ziemlich beengtes kellerartiges Gewölbe eröffnet sich dem Besucher der kleinen Kantine im Krefelder Land- und Amtsgericht am Nordwall. Auffällig ist die große lange Tafel längs durch den vorderen Raum – der sogenannte Richtertisch. Pächter und Koch Ralph Werthmann setzte damit einen Wunsch der Richter um, als er vor drei Jahren die vor sich hin dümpelnde Kantine übernahm. Dort wollte damals kaum ein Richter mehr zum Essen Platz nemen, was nicht nur kulinarische Gründe hatte. Vor allem fehlte die Möglichkeit, in den Verhandlungspausen miteinander zu kommunizieren. Es sprach sich schnell herum, dass die kleine Kantine nicht nur frisch zubereitete, leckere Tageskost, sondern auch freundlichen Service zu bieten hatte. Mit dem Erfolg, dass fortan Richter, Gerichtsbedienstete und Gäste wie Schöffen und Anwälte die Kantine besuchten.

Richter und Anwälte loben
Service und Essen

Morgens zum Frühstück geht der Betrieb los. Die Vorsitzende Richterin Kristin Kraft-Efinger bekundet: „Ich frühstücke nur noch hier.“ Und empfiehlt, „Omas Stulle“ zu probieren – ein Doppeldecker aus zwei Scheiben Vollkornbrot mit Wurst und Käse belegt. Ansonsten gibt es ab morgens eine Auswahl an knusprigen Brötchen in verschiedenen Varianten, zum Beispiel mit Ei. Dazu je nach Wahl Filterkaffee oder – der Renner – Kaffee Crema und Espresso aus der Top-Kaffeemaschine. Richterin Kraft-Efinger sagt: „Der Pächter hat die Kantine mit seinem neuen Programm wiederbelebt. Zuvor wurde hier lange kein Richter mehr gesehen. Jetzt sind alle hellauf begeistert.“

In dieses Loblied stimmen auch Nils Radtke, Richter am Landgericht, und Dr. Maximilian Kuhn, Richter am Amtsgericht, ein. Radtke: „Wir sind mit dem Angebot sehr zufrieden.“ Kuhn: „Nach dem Pächterwechsel hat sich das freundliche Klima und die gute Bewirtung herumgesprochen und die Auslastung stark verbessert.

Einer der Stammgäste ist Zivil- und Strafverteidiger Harald Rosenthal. Er hat sich zur späten Mittagszeit angemeldet, bekommt nach wenigen Minuten den vorbestellten Nudeleintopf mit Tomaten- und Hackfleischsoße mit Salat und lässt es sich schmecken. Er lobt die abwechslungsreiche Kost: „Der Pächter zaubert tolle Speisen. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei und satt wird man auch.“ Als Dankeschön für das Lob spendiert ihm Werthmann noch ein Stück Marmorkuchen, nicht selbst gebacken, aber trotzdem lecker. „Auf den Einkauf kommt es an“, sagt Werthmann. Er lege Wert auf tagesfrische Produkte, die er auf dem Markt und in der Metro einkauft. Als Pächter muss er rechnen, wenn etwas übrigbleiben soll, was man bei einem Preis von durchschnittlich fünf Euro für das Tagesgericht einschließlich Kaltgetränk kaum glauben mag.

Die Thai-Fischsuppe ist bei den Besuchern der Renner

Einen „betriebswirtschaftlichen Husarenritt“ nennt der „Koch aus Leidenschaft“ das. Einen Zuschuss aus der Gerichtskasse gibt es nicht. Dafür schätzt Werthmanns, der in namenhaften Restaurants gearbeitet und das Catering für Filmproduktionen gemacht hat, seine berufliche Unabhängigkeit. Und er leistet sich immerhin vier sozialversicherungspflichtige Angestellte, zu ihnen gehört Betriebsleiterin Marion Bremus.

Seit August führt er auch die große Kantine im Gerichtsgebäude am Preußenring. Noch ist er dabei, sein Klientel und dessen Wünsche kennenzulernen. An diesem Tag ist ihm das mit der beliebten Thai-Fischsuppe gelungen, wobei mit 50 Gästen fast die Kapazitätsgrenzen gesprengt wurden. Der Dauerbrenner außerhalb des frischen Tagesgerichts ist die Currywurst für 3,90 Euro.

Nach kurzer Zeit unter Werthmanns Fittiche deutet sich der Erfolg an. Die zuvor in die kleine Kantine abgewanderten Staatsanwälte sind inzwischen wieder zurückgekehrt.

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