Die Ausstellung „Mies im Westen“ im Mai und Juni 2019 würdigt das Schaffen des Architekten im Bauhausjahr.

Ausstellung: Die Spuren von Mies van der Rohe

Die Ausstellung „Mies im Westen“ im Mai und Juni 2019 würdigt das Schaffen des Architekten im Bauhausjahr.

Im kommenden Jahr wird sich die Gründung des historischen Bauhauses durch den Architekten Walter Gropius um 100 Jahre jähren. Obwohl sie 40 Jahre nach ihrer Gründung im Zuge der Repressionen durch das NS-Regime schließen musste, begründeten die Bildungsstätte und ihre Persönlichkeiten maßgeblich den im 20. Jahrhundert architektonisch prägenden Stil der Klassischen Moderne, der noch heute weltweit zahlreiche Stadtbilder beeinflusst.

Eine schillernde Figur des Modernismus ist Ludwig Mies van der Rohe, dessen Wirken sich über mehrere Jahre in Krefeld entfaltete. Dort konzipierte er neben einigen Privathäusern im Jahre 1931 den Bau der Färberei und des HE-Gebäudes der Vereinigten Samtweberei Krefeld. Mittlerweile dienen die Gebäude auf dem heutigen Mies van der Rohe Business Park als Bürogebäude für moderne, aufstrebende Unternehmen, doch im Rahmen des Jubiläumsjahrs wird im HE-Gebäude durch eine Ausstellung eine Rückbesinnung auf jene Person erfolgen, deren Weg zum weltbekannten Architekten in Chicago und Berlin ihn entscheidend über Nordrhein-Westfahlen und Krefeld führte, wo er beachtliche Spuren hinterließ.

Die Ausstellung würdigt
das Gesamtbild seiner Arbeit

Mies van der Rohes Einflüsse auf die Region untersuchen Daniel Lohmann, Professor für Architekturgeschichte an der TU Köln, und Norbert Hanenberg, Professor für Entwerfen und Konstruieren an der THM Mittelhessen, bereits seit einigen Jahren gemeinsam mit ihren Studierenden. Gestoßen sind sie auf zahlreiche Projekte, denen in der öffentlichen Wahrnehmung des Architekten wenig Beachtung geschenkt wird. Anlässlich des Jubiläumsjahrs organisieren sie daher in Zusammenarbeit mit ihren Studierenden das Projekt „Mies im Westen“, in dessen Rahmen in seinen ehemaligen Wirkungsstädten Aachen, Krefeld und Essen Ausstellungen realisiert werden, in denen das noch immer währende Wirken Mies van der Rohes Architektur allgemeinverständlich für die Bevölkerung aufbereitet und ein Gesamtbild seiner Arbeit gemalt werden soll, so Lohmann und Hanenberg.

Im Rahmen der Ausstellungen wolle man anhand von Bildern, Modellen und weiteren Formaten einen Einblick in die architektonischen Einflüsse van der Rohes auf die Region gewähren. Gleichzeitig werde sowohl den Studierenden als auch den Laien ein Kaleidoskop der Architektur des vergangenen Jahrhunderts geschaffen, das sich an der Arbeit von „Mies“ abzeichnen lasse. Denn mit den Ausstellungen, die im späten Frühling des kommenden Jahres beginnen werden, beabsichtigen Lohmann und Haneberg auch, einer allgemeinen Komplexitätsreduktion entgegenzuwirken.

Gebäude  mit minimalistischen, geometrischen Strukturen

Mies van der Rohes Gebäude sind insbesondere für ihre minimalistischen, geometrischen Strukturen und ihre großflächige Verglasung zur Schaffung offener Räume bekannt, doch auch ihn könne man in kein geschlossenes Stilkonzept zerren. „Bei genauerem Blick entsteht ein komplexeres Bild der Person“, so Hanenberg. In seiner Anfangszeit in Aachen arbeitete Mies van der Rohe unter anderem an Ornamenten für ein historisches Gebäude, in einem anderen Gebäudekonzept verarbeitete er Träger, die für die Statik des Gebäudes – entgegen des Stils des Minimalismus – nicht notwendig waren. Über diese Zusammenhänge wolle man aufklären, nicht zuletzt, um die Wertigkeit von Architektur aufzuzeigen, erklärt Hanenberg.

Nichtsdestotrotz bleibt Mies van der Rohe Teil der modernistischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts, die sich auch durch die Auswanderung vieler Bauhaus-Mitglieder in Folge der NS-Diktatur weltweit verbreitete. Mies, der als eher unpolitisch galt, kehrte später nach Nordrhein-Westfahlen zurück. Sein Entwurf für die Hauptverwaltung von Thyssen Krupp in den 60ern wurde allerdings nicht umgesetzt. In der Ausstellung sollen allerdings auch jene Gebäude thematisiert werden, die letztlich nicht realisiert wurden, da auch sie einen indirekten Beitrag für das Verständnis der umliegenden Architektur leistet. Denn spätestens wenn die drei verschiedenen Ausstellungen aus Aachen, Essen und Krefeld letzten Endes im Landeshaus des LVR am Kölner Rheinufer zusammenfließen, soll ersichtlich werden, dass der Stil des Mies van der Rohe noch immer von zeitgenössischen Architekten rezipiert wird und als Vorlage für diverse Gebäude diente, denen die Mitwirkung Mies van der Rohes nicht offiziell innewohnt. Dies gilt auch für das Gebäude des LVRs, dessen Architekt es einst selbst als Plagiat bezeichnet habe, so Lohmann. Diese und weitere Spuren des Mies van der Rohe werden nächstes Jahr zu entdecken sein.

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