Die Amtskette ist die Insignie des Oberbürgermeisters

Stadtoberhaupt : Die Amtskette wird 50 Jahre alt

Das erste Exemplar verglühte in der Bombennacht vom 21. Juni 1943. Die neue Kette wurde 1968 angefertigt.

Vor 50 Jahren, im Jahre 1968, trug der damalige Oberbürgermeister Herbert van Hüllen erstmals nach dem Krieg eine neue Amtskette. Die erste Kette überhaupt war dem Krefelder Oberbürgermeister Ludwig Heinrich Ondereyck 1854 vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. verliehen worden. Sie befand sich nach Ermittlungen im Panzerschrank des Rathauses, der in der Bombennacht vom 21. Juni 1943 beim Rathaus-Brand verglühte. Eine andere Meinung spricht davon, dass sie ausgelagert und später verloren gegangen sein soll.
Über zwanzig Jahre nach dem Verlust kam in Krefeld die Idee auf, das Oberbürgermeisteramt mittels einer Amtskette wieder hervorzuheben. In der Hauptsatzung von 1966 lautet dies so: „Der Oberbürgermeister trägt bei feierlichen Anlässen eine Amtskette“.

Ein paar Jahre und mehrere Beratungen dauerte es, bis 1968 der Öffentlichkeit die heutige Kette präsentiert werden konnte. Sie war von Professor Hein Wimmer, dem Leiter der Metallabteilung der Krefelder Werkkunstschule, geschaffen worden.

Drei bekannte Krefelder sprachen sich für schlichte Form aus

Kulturdezernent Kurt Honnen hatte von den Fraktionsvorsitzenden den Auftrag bekommen, Vorschläge für die Gestaltung zu machen. Drei Krefelder, Stadtarchivar Guido Rotthoff, Museumsleiter Paul Wember und Presseamtsleiter Ernst Köppen,  sprachen sich einvernehmlich für „ein zeitloses Emblem“ aus. Der Künstler entwarf die schlichte Form.

Die Kette besteht aus versilberten Gliedern. Der Wappenschild ist, den heraldischen Farben gemäß, in Weißgold, persischem Lapislazuli und indischem Karneol ausgeführt. Drei Monate hatte Hein Wimmer daran gearbeitet und erklärt: „Das geht wie im Mittelalter, wir haben auch noch die gleichen Werkzeuge“.

Oberbürgermeister Frank Meyer trug die Kette bisher nur einmal, bei seiner Vereidigung in der Ratssitzung im Oktober 2015. „Ich werde die Kette zurückhaltend anlegen – aus Respekt vor dem Amt“, sagt er. Bei Schülerbesuchen im Rathaus jedoch sorgt er dafür, dass sein Mitarbeiter den Koffer mit der Kette dabei hat. „Die jungen Besucher bestaunen gern die Kette und lassen sich das Wappen erklären“.

Amüsante Geschichten rund
um die Amtskette

Als 1968 bei einer Sitzung der Fraktionsvorsitzenden die Kette zur Besichtigung auf dem Tisch lag, wurde Oberbürgermeister Herbert van Hüllen gebeten, sie probeweise anzulegen. Der lehnte ab mit den Worten: „Erst müssen Ösen an den Anzug, sonst rutscht die Kette“. SPD-Fraktionsvorsitzender Karl Geiss antwortete ihm: „Ich könnte mit ein paar Heftzwecken aushelfen“. Seitdem hängt bei jedem Oberbürgermeister ein besonderes Jackett im Kleiderschrank.

Einreise mit Amtskette
war Problem für den Zoll

Ex-Oberbürgermeister Gregor Kathstede erinnert sich lebhaft, dass er bei einem Besuch in der Partnerstadt Leicester auf Wunsch des Lord Mayor mit Amtskette kommen sollte: „Es war ein Riesenproblem für den Zoll. Tagelang hat sich die Verwaltung um die Genehmigungen gekümmert. In Leicester trägt man die Kette auch bei festlichen Essen. Da musste man schon aufpassen, dass das Wappen nicht in der Suppe landet.“

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