Die älteste Passage Krefelds weicht neuen Parkplätzen

Die älteste Passage Krefelds weicht neuen Parkplätzen

Geschäfte aus der „8-Passage“ ziehen zur Marktstraße oder zum Ostwall um. In diesem Karree siedelt sich verstärkt gehobener Fachhandel an.

Krefeld. Sang und klanglos verschwindet in den nächsten Wochen Krefelds älteste überdachte Einkaufsmeile: die "8-Passage". Anstelle der ursprünglich angesiedelten acht Fachgeschäfte werden künftig dort Autofahrer ihr Blech abstellen können. "Die Nachfrage nach solchen kleinen Ladenlokalen ist stark zurückgegangen", erklärt Klaus Ossmann von der gleichnamigen Hausverwaltung. Die hat Anfang der 1950er Jahre das halbe Karree an Markt- und Petersstraße gebaut. "Die Schließung ist sehr schade", kommentiert der Architekt.

Bereits am Wochenende zieht der älteste Mieter der Passage, der CD-Spezialist Sym-Phon, von der Seite der Petersstraße weg. "Zunächst vorübergehend in den mittleren Teil, Mitte Oktober dann endgültig in ein Ladenlokal am Ostwall", erzählt Besitzer Wolfgang Loos, der gemeinsam mit Ivo Gilbert seit 23 Jahren das Geschäft führt. Den Wechsel an den Ostwall sieht er zweischneidig: "Wir haben zwar an der Petersstraße keine Laufkundschaft, aber unsere Stammkunden haben dort die Möglichkeit, mal drei Minuten zu parken."

Um neue Kunden zu gewinnen, wollen die Partner künftig auch Vinyl- und alte Schellack-Platten anbieten und die auf alten Grammophonen abspielen. Dass Monika Kunisch mit ihrem Modegeschäft demnächst vom Ostwall zur Marktstraße 5 umzieht, bedauern sie als künftige Ostwall-Händler. Doch dafür komme mit dem Umzug des Friseurs Stefan Blumtritt in das frühere Geschäft von Munz neues Leben auf diesen Abschnitt des Boulevards.

Am zweitlängsten ist Margret Hünnekens Mieterin in der "8-Passage". Die 69-Jährige wird ihr Papeterie-Geschäft Ende September allerdings endgültig schließen. "Mit dem vierjährigen Bau des Behnisch-Hauses um die Jahrtausendwende sind die Kunden ausgeblieben, und dann stand der Bau lange leer." Gründe für sie, weshalb die Passage an Attraktivität verloren hat.

Der Friseur Emanuel Fiani hat bereits vor zwei Wochen die Einkaufspassage verlassen. Obwohl er von seiner Stammkundschaft bisher gelebt hat, bot ihm der Durchgang zwischen Ostwall und Petersstraße zu wenig. Kurzerhand ist er deshalb mit seinem Geschäft In Style umgezogen in das Haus Marktstraße 6, wo er neben der Goldschmiedin Angelika Kasuch und der "Dermalogica - Skin Bar" jetzt einen attraktiveren Standort gefunden hat.

Während Wohnaccessoires Dömges die Ausstellungsflächen in der Passage aufgibt und künftig ausschließlich an der Marktstraße 8 vertreten ist, gibt Karl-Josef Stein den Standort nicht auf. Der Möbelrestaurator ist seit 1994 in Krefeld tätig und habe sich in der Zeit "ein sehr gutes Stammpublikum aufgebaut". Deshalb wird er mit seinem Stammsitz auch an der Marktstraße 3 bleiben, selbst wenn er ab Ende Oktober auf die Hälfte seines derzeit 140 Quadratmeter großen Geschäftes in der Passage verzichten muss. Vor allem deshalb, weil die Marktstraße eine integere Einkaufsstraße sei, die keine oder wenn dann nur kurze Leerstände habe.

Einen Grund für die rasche Wiedervermietung sieht er auch im Entgegenkommen der Vermieter. Wer die Mieten an die wirtschaftliche Situation anpasse, halte gute Mieter oder finde neue junge Geschäftsleute mit einer guten Idee.

So wie Ünal Mete. Der 29-Jährige hat vor sechs Wochen Höhe Marktstraße am Ostwall 113 "Dalia Mode" eröffnet, ein hochwertiges Geschäft für Braut- und Abendmoden. Dort bietet er aktuelle Kollektionen des in der Türkei renommierten Labels H & Z an, die aufwändig maßkonfektioniert werden. Und wieso gerade ein Ladenlokal auf dem Ostwall? Mete: "Weil hier schon zwei ähnliche Geschäfte sind, es eine große, schöne Straße ist und viele Menschen vorbeikommen." Nicht zuletzt auch wegen dieses neuen Modegeschäftes.