DGB Krefeld: Zu viele Fachkräfte in Mini-Jobs

Wirtschaft : DGB: Zu viele Fachkräfte in Mini-Jobs

20 586 Krefelder arbeiten als 450-Euro-Kraft. Mehr als die Hälfte davon gilt als Fachkraft.

Aus Sicht der Gewerkschaft muss es die gute, alte Zeit gewesen sein: Laut Klaus Churt, DGB-Sekretär für die Region Düsseldorf-Bergisch Land (zu der auch Krefeld gehört) waren vor 25 Jahren in Kaufhäusern noch 60 bis 70 Prozent der Beschäftigten Vollzeitkräfte. Heute sehe es im Einzelhandel ganz anders aus. Ein Großteil arbeite Teilzeit oder als Mini-Jobber, auch bekannt als 450-Euro-Kräfte. Soviel Geld ist maximal monatlich drin.

Grundsätzlich beobachtet der Deutsche Gewerkschaftsbund einen seiner Meinung nach bedenklichen Trend: Immer mehr Menschen in Krefeld üben neben ihrer Hauptbeschäftigung einen Nebenjob aus. Der DGB hat Statistiken der Agentur für Arbeit ausgewertet. Demnach stieg die Zahl der Mini-Jobber im Nebenjob in der Stadt von 6317 zum Jahresende 2013 auf 7401 im vergangenen Dezember. Das ist ein Anstieg um 15 Prozent.

Im benachbarten Kreis Viersen sind es ebenfalls 15 Prozent. ,,Die Tatsache, dass immer mehr Menschen im Kreis Viersen neben ihrem Hauptberuf noch einen Nebenjob leisten, ist ein Alarmzeichen“, warnt der DGB-Stadtverbandsvorsitzende Phillip Einfalt „Wir haben in Deutschland den größten Niedriglohnsektor Westeuropas, jeder Fünfte muss zu weniger als zehn Euro die Stunde arbeiten.“ Es seien vor allem die Frauen, die aufgrund von Teilzeitbeschäftigung und Niedriglöhnen nicht über die Runden kämen.

Die Zahlen im Einzelnen: Derzeit gibt es 20 586 450-Euro-Kräfte in Krefeld. Davon sind 60 Prozent weiblich. 9218 haben einen Berufsabschluss und 1445 einen akademischen Abschluss. Mehr als die Hälfte gilt als Fachkraft. ,,Wenn 51,8 Prozent aller Mini-Jobberinnen und -jobber Fachkräfte sind, gibt ein riesiges Potenzial, um den Fachkräftemangel in bestimmten Branchen in Krefeld aufzufangen. Das wäre ein Gewinn für alle Seiten“, sagt Phillip Einfalt.

Die „Lebensrealität“ zeige zwar, dass einige Leute gerne einen Mini-Job machten, so sein Kollege Klaus Churt. „Viele sind sich aber der Konsequenzen nicht bewusst, etwa der Folgen fürs Rentenalter.“ Nach Berechnungen des DGB erwirbt man nach 45 Jahren in einem Mini-Job bei gewerblichen Arbeitgebern und Versicherungsfreiheit nur einen Rentenanspruch von rund 164 Euro.

In der Regel wollten die Menschen nicht von Zweit- und Drittjobs leben, „sondern von einer sicheren, sozialversicherten und tariflich entlohnten Arbeit“, sagt Churt. In der Sozialversicherung sind Minijobs eine Besonderheit, da für die Beiträge geringfügig Beschäftigter in die Sozialversicherung andere Regeln gelten als für regulär Beschäftigte. Das betrifft die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Der DGB fordert eine grundlegende Minijob-Reform. Ab dem ersten Euro soll in die Rente und die Krankenversicherung eingezahlt werden. Der Gewerkschaft ist bewusst, dass damit in letzter Konsequenz das gesamte Konzept ausgehebelt würde. Churt: ,,Die Kleinst-Arbeitsverhältnisse müssen gebündelt werden zu Teilzeit- und Vollzeitjobs im Schutz der Sozialversicherung, auch damit die Beschäftigten sich nicht mehr so erpressbar fühlen.“

Der Gewerkschafter bezieht sich dabei auf eine angeblich weit verbreitete Unkenntnis unter den 450-Euro-Kräften, was ihre Position gegenüber den Arbeitgebern betrifft. „Viele meinen, sie hätten keine Rechte, zum Beispiel im Krankheitsfall oder bezüglich Urlaub. Das stimmt aber so nicht.“