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Mode: Deutsche Textilmuseum: Abendtasche von Pierre Cardin - Die ist nicht nur schön anzusehen

Mode : Deutsche Textilmuseum: Abendtasche von Pierre Cardin - Die ist nicht nur schön anzusehen

Das Deutsche Textilmuseum stellt eine Tasche mit besonderem Wert aus: Das Stück von Pierre Cardin ist kulturhistorisch interessant.

Krefeld. Der Wert der kleinen quadratischen Tasche erschließt sich erst bei genauem Hinsehen. Dann bemerkt der Betrachter die vielen tausend winzigen Perlen, die in Weiß, Grün und Schwarz sauber nebeneinander angenäht wurden und ein für die Zeit typisches Muster bilden.

Es ist die Gestaltung von Meister-Couturier Pierre Cardin, der die Abendtasche in den 1960er Jahren entworfen hat. Sie ist jetzt im Besitz des Deutschen Textilmuseums. „Wir wollen damit unsere Ausstellung im Herbst über die hochwertige deutsche Mode der 60er Jahre vervollständigen“, sagt die stellvertretende Museumsleiterin, Isa Fleischmann-Heck. „Wir sind glücklich über das kleine Objekt, das wir mit Hilfe des Vereins der Freunde und Förderer der Museen in Linn anschaffen konnten.“

Es besitzt eine goldfarbene Kette und einen Verschluss aus schwarzem Bakelit, einem vollsynthetischen Kunststoff. Es ist mit heller Seide gefüttert, besitzt zwei Innentaschen und auf einer schimmert der goldene Schriftzug des Labels „Pierre Cardin Paris“.

Einen kleinen Vorgeschmack auf die Herbstschau bietet neben der Tasche auch ein Kleid der Krefelder Firma Lauer-Böhlendorff aus dieser Zeit. „Werner Lauer hatte sein Atelier auf der Uerdinger Straße“, berichtet Fleischmann-Heck. „Er nutzte Stoffe der Firma Verseidag und verwandte sie für kleine Stückzahlen in Anlehnung an die französischen Designer. Seine Mode wird ebenso wie Modelle von Uli Richter und Heinz Oestergaard zu sehen sein. Wir haben die deutsche Mode, doch fehlen uns Accessoires wie Taschen, Tücher, Handschuhe und Schmuck. Da auch nicht alle Couturiers selbst die ,Zubehörteile’ entworfen haben, müssen wir ergänzen. Die Tasche von Cardin haben wir im Kunsthandel erworben. Sie hat einen kulturhistorischen Wert.“ Wie viel sie gekostet hat, will Fleischmann-Heck nicht verraten.

Das kleine Teil beschränkt sich auf wenige Farben und geometrisch angeordnete Kreissegmente, die Kennzeichen des Franzosen. Er war auch ein Vertreter der Op-Art. Das ist die Abkürzung für „optical Art“, einer Kunstrichtung, die mit der optischen Wahrnehmung des Betrachters spielt. Fleischmann-Heck: „Er hat ebenso den Weltraumlook, der damals angesagt war, geschaffen. Der Modeschöpfer machte sogar Entwürfe für den Nasa-Anzug von Neil Armstrong.“ Da wollte der erste Mensch auf dem Mond wohl auch schick in Cardin gekleidet sein, wenn die ganze Welt zuguckt.