Deutsche Bahn darf in Krefeld künftig keine VRR-Tickets mehr verkaufen

Deutsche Bahn : Reisezentrum schließt Ende 2019

Die Deutsche Bahn darf künftig keine VRR-Tickets mehr verkaufen. Krefelder Abgeordnete befürchten eine „Servicewüste“ und fordern Gespräche.

Wenn drei Bundestags- und drei Landtagsabgeordnete aus unterschiedlichen Parteien eine gemeinsame Presseerklärung veröffentlichen, dann muss der Anlass schon ein ganz besonderer sein. Was die sechs Krefelder Politiker eint, ist ihr Widerstand gegen die ersatzlose Schließung des DB-Reisezentrums im Hauptbahnhof Ende 2019.

„Wir wollen keine Servicewüste in Krefeld“, betonen die Bundestags-Abgeordneten Ulle Schauws (Grüne), Kerstin Radomski (CDU), Ansgar Heveling (CDU) sowie die Landtags-Abgeordneten Ina Spanier-Oppermann (SPD), Britta Oellers (CDU) und Marc Blondin (CDU). Ein solches Reisezentrum biete über den Verkauf von Tickets hinaus eine Reihe von Serviceleistungen und trage in erheblichem Maße auch zum Sicherheitsempfinden der Reisenden bei, weil Bahnmitarbeiter unmittelbar ansprechbar seien. Es dürfe jetzt kein Wirrwarr rund um den Krefelder Hauptbahnhof entstehen. „Eine Stadt mit 230 000 Einwohnern braucht eine zentrale Anlaufstelle für alle Arten von Fahrkarten und für die Fragen der Fahrgäste“, so die Politiker.

Nicht nur Krefeld ist von der Schließung des DB-Reisezentrums betroffen, sondern zum Beispiel auch die Nachbarstädte Neuss und Mönchengladbach. Hintergrund: Die für die Reisezentren verantwortliche Bahn-Tochter DB Vertrieb muss nach einer europaweiten Ausschreibung den Fahrkarten-Verkauf für den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) ab dem 15. Dezember 2019 an den privaten Anbieter Transdev Vertrieb GmbH abgeben. Nur mit dem Verkauf von Tickets für Fernreisen, so argumentiert die Bahn, seien die genannten Reisezentren – anders als an großen Standorten wie Wuppertal oder Dortmund – nicht wirtschaftlich zu betreiben. Das Personal werde anderenorts eingesetzt. Auch die Fahrkarten-Automaten der Bahn werden Ende des nächsten Jahres aus dem Krefelder Hauptbahnhof verschwinden und durch Geräte des neuen Anbieters ersetzt.

Karten für Fernreisen gibt’s auch an den neuen Automaten

Aber wie kommt der Bahn-Kunde künftig an Fahrkarten für eine Reise nach Berlin oder München? „Die wird es auch an den Automaten von Transdev geben“, berichtet Bahnsprecher Dirk Pohlmann. Auch der Kauf im Internet über bahn.de oder die entsprechende Smartphone-App sei möglich. Darüber hinaus sei man im Gespräch mit möglichen Partnern wie den Stadtwerken Krefeld (SWK), doch diese seien noch nicht abgeschlossen. Auch die Übernahme des bisherigen DB-Reisezentrums durch Trandsdev sei möglich.

Für die genannten Krefelder Abgeordneten ist dessen Schließung aus wirtschaftlichen Gründen „vielleicht nachvollziehbar“. Daraus dürfe jedoch kein Nachteil für die vielen Kunden entstehen. Nicht jeder verstehe die Funktionsweise der Automaten oder der Bahn-App. Dies betreffe vor allem ältere Fahrgäste.

„Wir fordern eine zentrale und klar erkennbare Anlaufstelle für den Fahrkartenservice und die Fahrplanauskunft. Dies kann auch in direkter Lage vor dem Bahnhof und in Kooperation mit vorhandener Infrastruktur sein“, so die Politiker. Nun sei die Deutsche Bahn gefragt, dies in konstruktiven Gesprächen mit möglichen Kooperationspartnern deutlich zu machen, um eine schnelle und unkomplizierte Lösung zu finden und einem Imageverlust zuvorzukommen.