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Krefeld hautnah: Der Süden hat ein Imageproblem

Krefeld hautnah : Der Süden hat ein Imageproblem

Bei der WZ-Aktion „Krefeld hautnah“ diskutierten Bürger engagiert über Mängel und Chancen.

Krefeld. Der südliche Teil der Stadt hat ein Imageproblem, das wie festgenagelt in den Köpfen der Bürger ist und offenbar von Generation und Generation weitergegeben wird. Sprechen sie von diesem Bezirk, wird von Schmuddelecken wie beispielsweise am Lutherplatz gesprochen, fehlender Sicherheit und mangelndem Engagement. Die positiven Seiten des Krefelder Südens werden nur selten hervorgehoben. Das soll sich ändern. Über das Problem, wie ein gutes Bild, eine positive Vorstellung in der öffentlichen Meinung entstehen kann, diskutierten etwa 40 Besucher im Rahmen der WZ-Kampagne „Krefeld hautnah“ im Südbahnhof.

WZ-Redaktionsleiter Michael Passon präsentierte zu Beginn die Noten, die Bürger beim Stadtteilcheck vergeben hatte: „Die Sicherheit bekam nur eine 4,5, ähnlich ist es mit der Sauberkeit. Woran liegt es?“ Auf dem Podium berichtet der Erste Polizeihauptkommissar Wolfgange Lindner: „Der Süden hat die Note nicht verdient. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Sicherheitsempfinden und den tatsächlichen Vorfällen: Es gab in diesem Jahr beispielsweise zwölf sexuelle Übergriffe, sechs Raubüberfälle und 15 schwere Körperverletzungen. Das sind Werte, die man in diesem Gebiet erwarten darf. Wir wären froh, wenn wir die auf dem Ostwall und der Königstraße hätten.“ Ein zusätzliches Argument, damit sich Bürger sicher fühlen: „Wir sind sehr schnell, brauchen zwischen 2,5 bis 7,5 Minuten, bis wir vor Ort sind.“ Lindner unterscheidet zwischen objektiver und gefühlter Unsicherheit: „An heruntergekommenen Orten fühlt man sich unsicher.“

Der Lutherplatz „mit seiner Alkoholszene“ liegt den Bürgern besonders am Herzen: „Zuerst lief es dort nach der Sanierung wunderbar“, findet Bernd Albrecht, Vorsitzender des Bürgervereins Süd-West. „Dann kam eine andere Klientel mit russischer Sprache und Wodka. Was ist, wenn wir da die Polizei holen?“ Lindner macht deutlich: „Wir können die Szene nur von einer Ecke in die andere schieben. Das Problem lösen können wir als Polizei nicht.“

Pfarrerin Sabina Busmann bewegt sich dort ohne Angst. „Die Polizei kommt regelmäßig und wenn man die Menschen dazu auffordert, machen sie alles sauber. Ich vermisse aber die Sozialpolitik der Stadt.“ Sie hofft, wenn die Kita in Clarenbachhaus und Haus der Familie einzieht, dass der Platz anders belebt werde. Für ihren Vorschlag, Streetworker dort einzusetzen, erhält sie viel Applaus.

Zum Thema Sauberkeit erklärt Wilfried Gossen, geschäftsführer der Gesellschaft für Stadtreinigung und Abfallwirtschaft (GSAK): „Der Süden bietet die schlechtesten Werte. Es gibt viele Sperrmüllhaufen. Die Ursachen sind vielschichtig.“ Kürzere Reinigungsintervalle müssten politisch beschlossen werden und gingen mit einer Gebührenerhöhung einher. Gossens Appell: „Die Bürger sollten zur Mitarbeit aufgefordert werden.“

Brigitte Reich, seit Jahren im Freizeitzentrum Süd engagiert, zeigt sich von den schlechten Noten erschüttert. „Es ist rein eine Frage der Erziehung. Kinder werden nicht mehr zur Sauberkeit erzogen.“ Auch Bezirksvorsteherin Gisela Brendle-Vierke erschrecken die schlechten Noten. Sie skizziert die Ohnmacht der Bezirksvertreter, die einhellig etwas bewirken wollten, sich aber auf Stadtebene nicht durchsetzen könnten. Ein Beispiel: Die Grundstücke wie an der alten Post und am Südausgang des Bahnhofes lägen schon viel zu lange brach.

Manuel Blömers wohnt mit Freude im Neubaugebiet Lehmheide, zeigt sich aber entsetzt über viele heruntergekommene Ecken und fragt: „Ob ein marodes Hochhaus wie an der Alten Gladbacher Straße auch in Oppum möglich wäre?“ Investitionen in den Bezirk und seine Architektur seinen dringend nötig.

Karl-Heinz Renner vom Fahrradclub ADFC plädierte für den Ausbau und die Ausschilderung der Radverbindungen: „Wenn ich über das neue Stück Ritterstraße fahre, kommt Freude auf. An der K-Bahn ab Untergath freue ich mich nicht mehr.“ Er glaubt, dass die Bahnpromenade ein Highlight für die Stadt wird. „Es gehe ein Ruck durch die Südstadt, es viel ist geschehen. Der Süden kommt.“ Helmut Frost findet: „Andere Stadtteile sind stärker als wir.“

Das Fazit des Abends: Jeder Einzelne muss daran arbeiten, das Image des Südens zu verbessern, damit er beim nächsten Mal bessere Noten erhält.