Der seltene Ring aus Gellep

Der seltene Ring aus Gellep

Ulrich Esters stößt nach Grabungen in Gellep auf den Schmuck aus dem 1. bis 2. Jahrhundert.

Linn/Gellep-Stratum. In der Eingangshalle des Museums Burg Linn an der Rheinbabenstraße können Besucher seit einigen Tagen einen außergewöhnlichen Grabungsfund sehen, einen kleinen goldenen Fingerring. Er wurde, nachdem man die umfangreiche Suche Ende Februar diesen Jahres im Gelleper Grabungsfeld beendet hatte, Anfang März vom Sondengänger Ulrich Esters gefunden.

Foto: Andreas Bischof

Die Experten vermuten, dass es der Ring eines römischen Kleinkindes aus dem 1. bis 2. Jahrhundert ist. Der Ring mit einem Durchmesser von 1,2 Zentimetern und einem Goldgewicht von 1,3 Gramm zaubert heute noch bei Museumsleiterin Jennifer Morscheiser ein Lächeln auf das Gesicht.

Die Museumsleute haben den restaurierten Ring in eine Vitrine gelegt und im Hintergrund ein Foto dazugestellt. Die an der Ausgrabung beteiligte wissenschaftliche Mitarbeiterin Viktoria Appel hat es geschossen.

Es zeigt den Ring in der kleinen Hand von Lilou, der zwei Monate alten Tochter einer Grabungsmitarbeiterin. Zum Fund erläutert Viktoria Appel: „Der bandförmige Ring aus Gold mit ausgehämmerter Platte ist ein ab der frühen römischen Kaiserzeit verbreiterter Typus. Der geringe Durchmesser spricht für eine Anfertigung für ein Kleinkind. In die Platte ist eine Getreideähre eingraviert, ein antikes Symbol für Fruchtbarkeit und Gesundheit.“

Die Experten fragen sich auch, ob der kleine Ring ein Geschenk zur Geburt eines Säuglings war. Weil der kleine Durchmesser ein längerfristiges Tragen verhindert, könnte er auch als Anhänger einer Halskette getragen worden sein.

Viktoria Appel: „Die Familie spielte in der römischen Gesellschaft eine besondere Rolle, und die Geburt war mit Ritualen verbunden. Das Neugeborene sollte in der Gemeinschaft willkommen geheißen werden. Aber es ist auch — bei hoher Kindersterblichkeit — eine Grabbeigabe möglich.“

Zur Zeit werden in Linn die Funde aus der größten archäologischen Grabung in der Museumsgeschichte im nördlichen Lagerdorf des Castells Gelduba in Krefeld-Gellep gesichtet und restauriert. Allein fast 800 antike Münzen sind zu säubern. Das dauert mit Pinzette und unter dem Mikroskop oft mehr als eine halbe Stunde pro Münze. Diese sind aus Bronze oder Kupfer und nur ganz selten aus Silber. Der Goldfund ist also, erst nach abgeschlossener Grabung aufgetaucht, die Sensation.

Ulrich Esters („Ich bin gern für mich allein und an der frischen Luft“) hat mit seiner Sonde die zehnmonatige Grabung von Anfang an begleitet. Nach deren Abschluss hat er sich den Abraum noch einmal vorgenommen und den sensationellen Fund gemacht und dem Museum gestiftet.

Esters ist in Gellep-Stratum geboren und „Schatzsucher“ aus Leidenschaft. Seit Kindesbeinen pflegt er dieses Hobby und meint: „Der berühmte Gelleper Goldhelm wurde 1962 auf dem Grundstück meiner Großmutter gefunden. Deshalb hat es mich wohl gepackt.“

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