Der Rheindeich bei Mündelheim wird um 500 Meter zurückversetzt

Der Rheindeich bei Mündelheim wird um 500 Meter zurückversetzt

Im Zuge der Bauarbeiten wird auf die Streckenführung der B288 verändert — Verkehrsbehinderungen soll es nicht geben.

Krefeld. Wer derzeit von Krefeld kommend über die Uerdinger Brücke fährt, sieht auf der anderen Rheinseite umfangreiche Erdarbeiten. Eigens für die Baufahrzeuge ist eine Kreuzung mit Ampelanlage eingerichtet worden. Im August vergangenen Jahres haben hier die Arbeiten für den neuen Rheindeich begonnen. Noch bis 2019 wird die Maßnahme voraussichtlich dauern.

Um sich vor dem Hochwasser des Rheins zu schützen, bauten die Menschen am Niederrhein ihre Häuser früher auf künstlich aus Erde aufgeschütteten Hügeln, die dann als kleine Inseln aus den Fluten hervorragten. Bei einzelnen Häusern war das sinnvoll. Erst als die Siedlungen größer wurden, mussten sich auch die Rheinanlieger darüber Gedanken machen, wie landwirtschaftliche Flächen und sogar ganze Landstriche vor dem jährlichen Hochwasser geschützt werden konnten. Die Lösung: Die Hügel wurden quasi direkt an den Rhein verlegt und in die Länge gezogen — aus der Warft wurde der Deich, oder auch heute noch der Deichgräf (die am Niederrhein übliche Schreibweise) als Chef eines Deichverbandes wacht.

Der Rheindeich, der Krefeld gegenüberliegt, stammt aus den 40er Jahren. Er entspricht bei weitem nicht mehr dem Stand der Technik. Würde man den gleichen Deich mit der heutigen Verdichtungstechnik bauen, müssten bis zu 20 Prozent mehr Material verfüllt werden. „Dem alten Bauwerk fehlt ein sogenannter Deichrettungsweg, über den im Notfall Befestigungsmaterial herangeschafft werden kann. Das wären zum Beispiel Sandsäcke“, meint der Hochwasserschutzbeauftragte der Stadt Duisburg, „Deichgräf“ Waldemar Kesicki.

Der neue Deich, der sich rechtsrheinisch vom Düsseldorfer Stadtteil Wittlaer bis zur Rheinaue Ehingen (vor dem Gelände der Hüttenwerke Krupp Mannesman) erstreckt, wird 6,7 Kilometer lang sein (7,7 Kilometer waren es bisher). Über den Deichverteidigungsweg können künftig 60 Tonnen schwere Laster rollen.

Am „Brückenkopf“ Mündelheim - Uerdingen gegenüber - wird es die weitreichendsten Veränderungen geben. Der Deich wird hier um 500 Meter in Richtung Mündelheim versetzt, begradigt und damit auch verkürzt. Die Bundesstraße 288, die Breitscheid mit Uerdingen verbindet, muss ebenfalls verlegt werden — und zwar einige Meter Richtung Norden.

Die gute Nachricht für die Krefelder Autofahrer: Der Umbau soll kaum Auswirkungen auf den Verkehr haben. Zwar muss von Mündelheim bis zum neuen Deich eine „Auframpung“ gebaut werden, sprich die Straße muss langsam bis über die Höhe der Deichkrone ansteigen. Doch soll der Verkehr während der Arbeiten über Behelfsfahrbahnen gelenkt werden. An großräumige Umleitungen ist nicht gedacht.

Ab dem neuen Deich bis zur historischen Rheinbrücke wird die Straße über eine neue Brücke führen. Die Gasleitungen, die parallel zur B288 verlaufen, werden zwischen Mündelheim und Rhein ebenfalls versetzt — möglicherweise noch 2015.

Besondere Schwierigkeiten bereitet den Planern der Zweite Weltkrieg. Die alliierten Bomber flogen bei ihren Angriffen auf das Ruhrgebiet auch über Mündelheim. „Hier gab es Flugabwehrstellungen, die ebenfalls zum Ziel der Bomberpiloten wurden“, erkärt Kesicki. Die Blindgänger aufzuspüren, bevor die Verdichtungsmaschinen den neuen Deich festrütteln, ist eine Mammut-Aufgabe, die derzeit noch nicht abgeschlossen ist.